Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Gieboldehausen Mostereien haben viel zu tun
Die Region Gieboldehausen Mostereien haben viel zu tun
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:21 20.09.2018
Wolfgang und Gaby Hartmann schütten ihre Äpfel auf das Laufband. Ilona Wieseler (l.) sortiert und wiegt das Obst. Quelle: Rüdiger Franke
Anzeige
Göttingen /Gieboldehausen

„Das Wetter war schon zur Bestäubung ideal“, erklärt Anna Goldhagen vom Landschaftspflegeverband. Sie betreut das Streuobstwiesen-Projekt des Verbandes. 2017 habe der Frost viele Blüten geschädigt, in diesem Jahr waren die Temperaturen dagegen ideal. So haben die Apfelbäume viele Früchte angesetzt. „Der heiße Sommer hate sie dann allerdings auch in Trockenstress versetzt“, so Goldhagen. Deswegen gebe es viel Astbruch in den Bäumen. Wer seine Bäume rechtzeitig geschüttelt habe, damit nicht zu viele Früchte ausreifen, habe damit jetzt keine Probleme. Sehr süß sei der Jahrgang 2018 bei den Äpfeln. Trotzdem rät Goldhagen denjenigen, die aus ihren Äpfeln Saft machen lassen wollen, auf die Sorte zu achten. Manche seien jetzt im September noch nicht richtig reif. Das gebe dann keinen guten Saft.

Geduld gefragt

Geduld ist für die Mosterei im Moment sowieso angesagt. In Reiffenhausen etwa, wo Interessierte im Dorfgemeinschaftshaus aus ihren Äpfeln Saft machen und abfüllen können, sind die nächsten zwei Wochen schon ausgebucht. Von Montag bis Freitag jeweils von 17 bis 20 Uhr und am Sonnabend von 10 bis 17 Uhr hilft hier ein Team rund um Yvonne Gräser den Apfelbesitzern bei der Saftherstellung. Anmelden können sich Interessierte montags bis freitags von 10 bis 13 Uhr und 15.30 bis 16.30 Uhr unter der Telefonnummer 05504 /340.

Anzeige
Apfelannahme in der Natursaftkelterei Ott in Gieboldehausen: Marco Ott (M.) hilft Wolfgang und Gaby Hartmann beim Ausladen. Quelle: Rüdiger Franke

Zeitnah verarbeiten

Viel zu tun hat auch Marco Ott in seiner Natursaftkelterei in Gieboldehausen. An vier Tagen in der Woche nimmt er für vier Stunden Äpfel an. Mehr gehe nicht, denn das Obst solle zeitnah gepresst und abgefüllt werden. Pro Tag kommen bei der Annahme etwa zwölf bis 14 Tonnen zusammen. Die ersten Anlieferer stehen schon eine Stunde vorher vor der Tür. „Ich habe seit 28 Jahren eine Streuobstwiese“, erzählt Alfred Nordmann aus Wollbrandshausen. Seine Äpfel kommen am Montag als erste auf das Laufband. Von dort werden sie in die Waage transportiert. Vor dem Laufband sortiert Ilona Wieseler einige Früchte aus. „Das was wir nicht mehr essen würden, das wollen wir auch nicht mosten“, erklärt sie.

Bereits 900 Kilo angeliefert

Alfred Nordmann hat 199,5 Kilo Äpfel mitgebracht. Das ist fast so viel, wie er im gesamten Jahr 2017 ablieferte. „Im vergangenen Jahr waren es nur etwa 250 Kilo“, erinnert er sich. Der Saft habe deshalb auch nur bis Pfingsten gereicht. Dieses Jahr habe er bereits rund 900 Kilo nach Gieboldehausen gefahren. „Und die Boskop sind erst im Oktober richtig reif“, verrät er.

Apfelannahme in der Natursaftkelterei Ott in Gieboldehausen Quelle: Rüdiger Franke

„Wir könnten darin baden“

Wolfgang und Gaby Hartmann sind sogar aus Bad Lauterberg nach Gieboldehausen angereist. Für sie ist es die Premiere. „Wir haben durch Zufall von der Mosterei erfahren“, sagt er. Äpfel habe das Paar in diesem Jahr in großer Menge. „Wir könnten noch 20 Zentner herbringen.“ Finanziell lohnen würde sich der Weg für das Paar nicht wirklich, wenn er Zeit und Anfahrt einrechne. Doch tue es ihm leid, wenn das ganze Obst ungenutzt verfaule. Es sei aber auch ein wenig Naturschutz, wenn Produkte regional verarbeitet werden. Auf dem Rückweg hat er seinen Anhänger gefüllt mit Saftkisten. „Wir haben jetzt so viel Saft“, sagt er, „wir könnten darin baden.“

Apfelannahme in der Natursaftkelterei Ott in Gieboldehausen Quelle: Rüdiger Franke

Apfelabgabemöglichkeiten:

Äpfel nehmen in der Region unter anderem folgende Safthersteller an: Die Firma Creydt-Fruchtsaft hat eine Annahmestation in Rosdorf an der Obermühle. Montags bis freitags können hier noch bis Ende Oktober von 15 bis 17 Uhr Äpfel abgegeben werden. Für 100 Kilogramm reife Äpfel gibt es 80 Flaschen erntefrischen Apfelsaft oder 10 Euro.

Auch Beckers Bester hat noch bis zum 2. November Lohnmostsaison. Montag, Mittwoch und Freitag können von 8 bis 12 Uhr und von 13 bis 17 Uhr Äpfel auf dem Produktionsgelände in Lütgenrode abgegeben werden. Hier gibt es 10 Euro pro 100 Kilogramm Äpfel und Rabattmarken.

Die Natursaftkelterei Ott, Stockenbreite 13a, in Gieboldehausen nimmt montags, dienstags, donnerstags und sonnabends von 14 bis 18 Uhr Äpfel an. Birnen können donnerstags und sonnabends abgegeben werden. Für 50 Kilo Obst gibt es 40 Flaschen (0,7 Liter) Apfelsaft oder andere Apfel-Mischsäfte zum Lohnmostpreis.

Eine umfangreiche Liste mit Mostereien in der Region gibt es beim Landschaftspflegeverband.

Treffpunkt für Obstfreunde

Treffpunkt für Freunde von knackigem Obst ist am Sonnabend und Sonntag, 6. und 7. Oktober, der Apfel- und Birnenmarkt in der Duderstädter Innenstadt. Das Thema des Marktes spiegelt sich nicht nur in den Angeboten der Händler wider.

Der Landschaftspflegeverband des Landkreises Göttingen will an beiden Tagen in einer Apfelausstellung eine Vielzahl heimischer und manchmal auch fast schon vergessener Apfelsorten präsentieren. Eigene mitgebrachte Äpfel der Besucher werden wie in den Vorjahren von einem Pomologen bestimmt. Erfahrungsgemäß kann der Bestimmer oft schon nach wenigen Sekunden die gewünschte Bezeichnung benennen. Für die genaue Sortenbestimmung sollten Besucher mindestens drei bis fünf gesunde, gut ausgereifte Früchte mit Stiel von der Sonnenseite des Baums mitbringen, lautet eine Empfehlung der Organisatoren.

Während der vergangenen Apfel- und Birnenmärkte hatten Pomologen festgestellt, dass es im Eichsfeld und den angrenzenden Gebieten noch eine große Sortenvielfalt gibt. Da in der früheren DDR die Selbstversorgung bis zur Wende eine wichtige Rolle gespielt habe, seien hier die Bäume besser gepflegt worden, außerdem gebe es ein stärkeres Sortenbewusstsein, berichteten die Fachleute am Rande ihrer vergangenen Besuche des Marktes, bei dem Besucher eigene Apfel und hartgereifte Birnen mosten lassen können. Geöffnet ist der Markt am Veranstaltungssonnabend von 10 bis 18 Uhr und am Sonntag von 11 bis 18 Uhr, die Geschäfte öffnen auch am Sonntag: von 13 bis 18 Uhr.

Rezepte mit Äpfeln

Äpfel können in der Küche in verschiedenen Gerichten verarbeitet werden. Andre Kleinert, Verwaltungsleiter im Jugendgästehaus Duderstadt nennt zwei Beispiele. Anna Goldhagen vom Landschaftspflegeverband verrät das Rezept für einen süßen Snack.

Crêpes

Zutaten für 6 Personen: 120 g Mehl, 3 Eier, 30 g Butter zerlassen, 1/4 Liter Milch, 1 Prise Salz

Für die Füllung: 50 g Butter, 60 g Puderzucker, 3 Äpfel

Aus Mehl, Milch, Eiern, zerlassener Butter und Salz den Teig bereiten. Die Crêpes möglichst dünn in einer beschichteten Pfanne mit wenig Fett backen und warm stellen.

Für die Füllung Butter erhitzen, Staubzucker dazugeben und karamellisieren lassen. Äpfel in Scheiben schneiden und circa 3 Minuten im Karamell weich dünsten. Auf jede Crêpe etwas von den Karamelläpfeln geben und „dreieckig“ zusammenklappen.

 

Eintopf (in verschiedenen Regionen „Himmel und Erde“ genannt)

Zutaten für 4 Personen: 750 g mehligkochende Kartoffeln, Salz, 3 mürbe Äpfel, 1 EL Zucker, 30 g Butter, 100 g durchwachsener Speck, 2 Zwiebeln, frisch gemahlener Pfeffer

Die kleingewürfelten Kartoffeln in Salzwasser circa 15 Minuten garen. Die geputzten Äpfel in Stücke schneiden und mit Zucker weich dünsten.

Die Kartoffeln abgießen, das Kartoffelwasser auffangen. Die Kartoffeln stampfen und mit der Butter und den Äpfeln vermengen. Wenn die Masse zu fest ist, noch etwas Kartoffelwasser dazugießen, mit Salz und Pfeffer würzen.

Den Speck würfeln, die Zwiebeln abziehen und in Ringe schneiden. Den Speck auslasssen und die Zwiebelringe darin bräunen und beides über das Kartoffelmus geben.

Beigabe: gebratene Leber, Blutwurst oder Brühwurst

„Fruchtleder“

Früchte trocken sei eine gute Variante, um sie haltbar zu machen. Neben den bekannten Apfelringen empfiehlt Goldhagen „Fruchtleder“. Dafür werden die Äpfel püriert und dann die Masse dünn auf ein Backblech gestrichen. Im Backofen müsse das Ganze bei 80 Grad vier Stunden trocknen. Besonders bei Kindern sei der süße Snack beliebt.

Von Christiane Böhm und Rüdiger Franke

Duderstadt Polizeikommissariat Duderstadt - Sechs Rehunfälle in sechs Stunden
14.09.2018
14.09.2018