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Gieboldehausen Norwegische Volksmusik im Hofcafé
Die Region Gieboldehausen Norwegische Volksmusik im Hofcafé
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00:19 28.09.2017
Jon Faukstad (Akkordeon) und Andreas Bjørkås (Hardangerfiedel) spielen im Gieboldehäuser Hofcafé. Quelle: Soeren Kracht
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Gieboldehausen

20 Jahre ist es her, da hat Bjørkås in der Schule Deutsch gelernt. Bei Faukstad liegt der Unterricht sogar 45 Jahre zurück. Trotzdem moderierten die beiden charmant in der ihnen fremden Sprache das Konzert, das der örtliche Heimat- und Verkehrsverein in der Reihe „Kultur im Kreis“ organisiert hatte. „Das ist doch besser, als wenn wir schlechtes Englisch sprechen würden“, erklärte Faukstad.

Magdeburger und Mette-Marit

Der Musikprofessor aus Oslo spielt Akkordeon. Seit den 1860er-Jahren sei das 1829 von Cyrill Demian in Wien erfundene Instrument in Norwegen verbreitet, berichtete Faukstad. In seinem Land sei es als „Magdeburger“ bekannt, weil einst eine Magdeburger Firma die Instrumente geliefert hätte. Älter sei die von Bjørkås gespielte Hardangerfiedel. Sie sei bereits seit Mitte des 17. Jahrhunderts im Süden Norwegens im Gebrauch, berichtete Bjørkås, der an der Norwegischen Musikhochschule in Oslo lehrt.

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Jon Faukstad Quelle: Soeren Kracht

Verschiedene Brautmärsche brachten die Künster zu Gehör, zu deren Klängen ein Hochzeitspaar zur Kirche zieht. Sie spielten etwa das Stück, das nach dem norwegischen Schriftsteller Bjørnstjerne Bjørnson benannt ist. Der Verfasser der norwegischen Nationalhymne hat es in einer Erzählung erwähnt. Einen beschwingten Brautmarsch arrangierte Jazzmusiker Jan Garbarek anlässlich der Hochzeit des Kronprinzen Haakon Magnus mit Mette-Marit 2001.

Rheinländer, Marzurka und Galopp

Andreas Bjørkås Quelle: Soeren Kracht

Zwei Choräle gab es zu hören. Bei der Tanzmusik wählten die Musiker einen Walzer aus, der nach Schriftsteller Bjørnson benannt ist. Andere europäische Tänze in norwegischem Klang spielte das Duo: Rheinländer, Marzurka und Galopp. Aus der Zeit vor dem 19. Jahrhundert stammen die Springtänze. Beim Tanz Rammeslått spielten sich Geiger einst in Trance, erzählte Bjørkås. Von der Schlacht, in der norwegische Bauern 1612 ein Heer schottischer Söldner besiegten, berichtete das Stück Lyaren („Zuhörer“).

Viel Applaus gab es für Werke aus dem Goldenen Zeitalter der norwegischen Klassik. Da gab es das romantische, melodiöse Werk „Sehnsucht der Sennerin“ des Geigenvirtuosen Ole Bull zu hören. Von Johan Svendsen stammt die Romanze für Violine und Orchester, bei Faukstad auf seinem Akkordeon den Orchesterpart übernahm.

Einleitung mit Familie Hirzberger

Eingeleitet wurde der Abend von zwei Stücken, welche die Kinder der Gieboldehäuser Familie Hirzberger spielten: einem österreichischen Jodler und einem norwegischen Springtanz. Grundschülerin Anne lernt seit sechs Jahren an der Musikschule in Duderstadt Geige, ihr jüngerer Bruder Matthäus seit vier Jahren Violoncello und der kleine Johann seit anderthalb Jahren Akkordeon. Ihre Mutter hatte die Norweger angeschrieben und gefragt, ob die Kinder als Vorgruppe auftreten dürften. Die Kleinen, die sich nach dem Konzert beim Duo Autogramme holten, bekamen viel Applaus.

Von Michael Caspar

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