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Gieboldehausen Selbst zum Esel werden
Die Region Gieboldehausen Selbst zum Esel werden
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13:44 09.04.2017
Von Rüdiger Franke
Palmsonntagsprozession mit Palmweihe durch Pfarrer Matthias Kaminski
Palmsonntagsprozession mit Palmweihe durch Pfarrer Matthias Kaminski Quelle: Schneemann
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Gieboldehausen

Ganz Jerusalem sei seinerzeit aus dem Häuschen gewesen, als Jesus in die Stadt kam, zog Kaminski einen Vergleich mit dem Auflauf, wenn berühmte Fußballer oder Sänger irgendwo hinkommen. „Alle wollten ihn sehen.“ Doch als er ankam, sei er nicht auf einem großen Pferd geritten, sondern auf einem Esel, dem Lasttier der armen Leute. „Das war die Botschaft, die Jesus den Menschen geben wollte: Ich bin gekommen, um zu dienen“, erklärte der Pfarrer. Die Menschen seien begeistert gewesen – zumindes im ersten Moment, denn eigentlich hatten sie einen erwartet, der aufräumt und die Römer vertreibt. „Wir kennen das“, so Kaminski weiter. Auch heute gebe es einige, die meinten, sie seien es und würden so handeln.

Der Esel hatte keinen hohen Stellenwert. „Aber wenn wir heute den Palmsonntag feiern, dann ist das auch eine Einladung, zum Esel zu werden“, sagte Kaminski. „Wir wollen keine Halligalli-Menschen sein, sondern da sein, wenn unsere Mitmenschen uns brauchen.“ Das sei der Sinn des Esels. „Die Menschen müssen den Mut haben, sich auf ihre Mitmenschen einzulassen.“ Dafür habe Jesus gelebt une ein Zeichen gegeben. „Wir alle wissen, wie gut es ist, wenn wir Probleme haben und da einer ist, der für uns da ist und sich zum Esel macht.“

Zeichen der Hoffnung

Auch die Zweige, die die Menschen zum Palmsonntag tragen, haben eine tiefere Bedeutung. „Die grünen Zweige sind ein Zeichen der Hoffnung“, so Kaminski. Der Mann auf dem Esel sage uns, wir sollten „nicht so viel ich sagen, sondern lieber du“. Die Menschen sollten füreinander einstehen. Und so wurde in den Fürbitten unter anderem für die gebetet, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden, an die Länder, in denen Terror, Krieg und Gewalt herrschen und an die Politiker, die sich um eine neue Ordnung in der Welt bemühen.

Pfarrer Kaminski appellierte an die Menschen, „dem Vater im Himmel zu vertrauen“. Dadurch werde der Weg nicht leichter, aber man gehe ihn anders, weil man sich getragen fühle. Diese Erfahrung habe er in seiner Zeit im Krankenhaus gemacht. Voller Emotionen bedankte er sich bei der Gemeinde dafür, dass sie ihm in der schweren Zeit ebenfalls viel Halt gegeben habe. Deshalb sei es ihm auch besonders wichtig gewesen, mit der Gemeinde den Palmsonntag zu feiern, den Auftakt der wichtigsten Woche im Kirchenjahr.