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Rhumspringe Mit Geschichten, Gedichten und Anekdoten das Plattdeutsch bewahren
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19:29 16.07.2019
Lydia Langenohl (li.) und Monika Müller kommen schon vielen Jahren zu den Treffen der Plattdütschen Frünne. Quelle: Garben
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Rhumspringe

Nach fünfmonatiger Pause haben sich die Plattdütschen Frünne am Dienstagnachmittag zum ersten Mal wieder getroffen, diesmal in Rhumspringe. Auf Einladung des Männervereins St. Sebastian kamen Teilnehmer aus 13 Eichsfelder Orten und vom Rhumspringer Seniorentreff im Pfarrheim zusammen, um gemeinsam zu singen, Geschichten vorzutragen und zu klönen – op Platt selbstverständlich.

Eigentlich treffen sich die Plattdeutschen Frünne monatlich in einer der Ortschaften des Eichsfelds. Doch da es in letzter Zeit einen hohen Krankenstand gegeben habe, wie Werner Grobecker berichtet, mussten die Frünne eine Pause einlegen. Zwischen 60 und 70 Teilnehmer zählt der 73-Jährige meistens, doch es werden weniger. „Wir brauchen Leute, ich bin ja bald der Jüngste“, beklagt er.

Etwa 60 bis 70 Teilnehmer kommen zu den monatlichen Treffen der Plattdütschen Frünne Quelle: Garben

Ein festes Programm gibt es bei den Treffen nicht, jeder kann sich zu Wort melden, etwas erzählen oder aufführen. Lydia Langenohl aus Seulingen gehört zu denen, die gerne etwas vortragen. Sie kommt schon seit mehr als 18 Jahren regelmäßig zu den Treffen der Plattdütschen Frünne. Gemeinsam mit Monika Müller aus Gerblingerode hatte die 88-Jährige für diesen Nachmittag einen Sketch vorbereitet: Klaukschieter – Klugscheißer, ein Stück, in dem beide permanent aneinander vorbeireden, weil sie sich immer wieder missverstehen.

Plattdeutsch war verpönt

Müller ist noch ein paar Jahre länger dabei als ihre Mitstreiterin. Seit 43 Jahren nimmt die 79-Jährige an den Veranstaltungen der Plattdütschen Frünne teil, weil sie das Plattdeutsche erhalten möchte. Früher sei es verpönt gewesen. Davon berichteten an diesem Nachmittag mehrere Gäste. Viele von ihnen haben erst in der Schule Hochdeutsch gelernt und vorher in ihren Familien nur Platt gesprochen. Das wurde ihnen dann von den Lehrern verboten.

Wie viel Spaß die Besucher beim Austausch auf Platt haben, zeigte sich auch an diesem Nachmittag: Es wurde in die Hände geklatscht, gelacht und wissend genickt. Und in den Geschichten, Gedichten und Liedern ging es viel um früher. Darum, wie die Zeiten damals waren, wie gelebt und gearbeitet wurde. Ein unterhaltsames Beispiel lieferte Reinhold Frölich. Mit viel Humor las er eine Geschichte über die Getreideernte vor und beschrieb, wie Erntehelfer sich nach einem langen Tag in einer Zinkwanne mit Gießkanne und Kernseife Staub und Schmutz abwuschen. Von Duschen keine Rede.

Für den 79-Jährigen gehört Plattdeutsch zum Kulturgut. „Man pflegt heute Museen, macht Traditionspflege, aber das Platt gehört doch auch zur Tradition.“ Frölich hat sogar ein eigenes Buch auf Plattdeutsch veröffentlicht, „Plattdütsch durch datt Joahr“. Darin finden sich unter anderem Geschichten, Anekdoten und Theaterstücke. Die hat er mit Schülern der Grundschule Nesselröden entwickelt. 170 habe er insgesamt in Plattdeutsch unterrichtet, erzählt Frölich. Trotzdem, das Plattdeutsche könne man nicht erhalten, glaubt er. Es gebe einfach niemanden mehr, der es unterrichten könne.

Lehrer können kein Platt mehr

Das bestätigt auch Grobecker. „Wir kranken daran, dass es keine Lehrer gibt, die Platt sprechen und mit den Kindern etwas einüben“, sagt er. „Die Jungen interessiert das nicht mehr“, ergänzt Karl-Heinz Diedrich, Vorsitzender des Männervereins. Dabei habe jeder Ort seine eigene Mundart. In Dörfern, die nur fünf Kilometer entfernt voneinander entfernt liegen, würden bestimmte Worte schon unterschiedlich ausgesprochen, erzählt Grobecker. „Früher hörte man genau, aus welchem Ort jemand kam.“

Für ihn ist Platt eine „herzhafte, direkte Sprache“, die die Menschen verbindet. Ob man sie retten kann? Wer weiß, sagt er. Die Plattdütschen Frünne jedenfalls kommen weiterhin zusammen.

Plattdütsche Frünne

Die Plattdütschen Frünne treffen sich seit 1966 regelmäßig, um das Eichsfelder Platt mit seinem Liedgut und seinen Traditionen zu bewahren. Entstanden sei die Gemeinschaft, die Frünne sind kein Verein, nach einer Kreistagssitzung, berichtet der Präsident Werner Grobecker. Etwa 60 bis 80 Menschen aus allen Eichsfelder Ortschaften besuchen die monatlichen Treffen, auf denen fast ausschließlich Plattdeutsch gesprochen wird – wobei sich die Dialekte der einzelnen Dörfer unterscheiden. Die Mundarten des Eichsfeldes sind niederdeutsche und zählen innerhalb des niederdeutschen Dialektgebietes zu den ostfälischen Mundarten.

Die nächsten Treffen der Plattdütschen Frünne: 29. August in Jützenbach, am 8. September werden 30 Jahre plattdeutsche Kirche mit einem Gottesdienst auf Platt gefeiert und am 23. Oktober Zusammenkunft in Ecklingerode.

Von Nora Garben

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