Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Rollshausen Lied und Wortbeiträge bewahren Eichsfelder Mundart
Die Region Gieboldehausen Rollshausen Lied und Wortbeiträge bewahren Eichsfelder Mundart
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:12 22.06.2018
Treffen der Plattdütschen Frünne in Germershausen / Gemeinsames Singen bereichert den Abend / Cornelia Kurth-Scharf, Werner Grobecker und Elisabeth Krone beim Frünne-Treffen
Treffen der Plattdütschen Frünne in Germershausen / Gemeinsames Singen bereichert den Abend / Cornelia Kurth-Scharf, Werner Grobecker und Elisabeth Krone beim Frünne-Treffen Quelle: ny Claudia Nachtwey
Anzeige
Germershausen

„Eingeladen werden regelmäßig auch diejenigen, die noch nie an einem Plattdütschen Abend teilgenommen haben“, sagte Grobecker. Im Schnitt kommen bei den Treffen 60 bis 80 Personen zusammen, bei größeren Veranstaltungen können es auch mehr als 400 werden, erklärte der Präsident. Doch wie in vielen Vereinen herrsche auch bei den Frünnen Nachwuchsmangel. „Die Jüngeren wandern ab. Früher wurde Mundart noch an den Schulen unterrichtet. Heute gibt es dafür kaum noch Lehrer“, erklärte Grobecker. Dabei habe Niedersachsen die Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen unterzeichnet.

Frünne bewahren Platt vor dem Aussterben

Da Platt im Alltag auf den Dörfern nur noch von der älteren Generation gesprochen werde, bestehe die Gefahr, dass die Mundart aussterbe. Dem wollen die Frünne bei ihren regelmäßigen Treffen, Fahrten und weiteren Freizeitaktivitäten entgegenwirken. Auf den Treffen wird fast ausschließlich Platt gesprochen. Das Argument manch jüngerer Eichsfelder, zwar alles zu verstehen, aber Platt selbst nicht sprechen zu können, lässt Grobecker nicht gelten. „Man muss auch in der Öffentlichkeit immer wieder versuchen, es zu sprechen. Mit der Übung kommt die Sicherheit, und vor allem wird Platt dann auch bewahrt“, meint er.

Die Gruppe setzt sich aus Einwohnern diverser Eichsfelder Ortschaften zusammen, die alle auch leichte Unterschiede in der Mundart aufweisen. Die Mundarten des Eichsfeldes sind niederdeutsche und zählen innerhalb des niederdeutschen Dialektgebietes zu den ostfälischen Mundarten.

„Seit der Grenzöffnung kommen Ober- und Untereichsfelder bei den Frünne-Treffen zusammen“, sagte Grobecker und begrüßte neben Gieboldehäusern, Rollshäusern, Germershäusern und weiteren Untereichsfeldern auch Teilnehmer aus den thüringischen Orten Weißenborn-Lüderode, Jützenbach und Neuendorf. Ein festes Programm gibt es nicht. Jeder, der möchte, kann zu den Treffen eine Kleinigkeit vorbereiten.

Monatlich finden die Treffen statt

Gemeinsam wurden sommerliche Lieder gesungen, Gedichte, Anekdoten und heitere Geschichten aus dem ländlichen Alltag vorgetragen. Die Rollshäuserin Elisabeth Krone nahm in Reimform den Eichsfelder Kinderreichtum auf die Schippe, und Cornelia Kurth-Scharf von Organisations-Team der Germershäuser Wallfahrten brachte – ebenfalls op Platt – ein aktuelles Anliegen auf die Tagesordnung: Die Wallfahrtskirche „Maria in der Wiese“ soll saniert werden, und dafür sollen auf der Großen Wallfahrt am 1. und 2. Juli Spenden gesammelt werden.

Zeit zum Essen und Klönen blieb dabei auch. „Wir sind kein Verein, sondern nur eine Gemeinschaft. Wir freuen uns über jeden, der teilnehmen möchte“, appelliert Grobecker an Interessierte, zu den monatlichen Frünne-Treffen zu kommen. Das nächste findet am 26. Juli um 19.30 Uhr auf der Seulinger Warte statt.

Von Claudia Nachtwey