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Gieboldehausen Kompromisse zwischen landwirtschaftlicher Nutzung und Naturschutz
Die Region Gieboldehausen Kompromisse zwischen landwirtschaftlicher Nutzung und Naturschutz
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15:54 22.08.2017
Teilnehmer am Runden Tisch zur „Grünen Flächenbewirtschaftung in der Rhumeaue“ während einer Exkursion in die Rhumeaue Quelle: Foto: Franke
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Rüdershausen

Miteinander im Gespräch bleiben wollen die Mitglieder des Runden Tisches zum Projekt „Grüne Flächenbewirtschaftung in der Rhumeaue“ nach dem zweiten Treffen in Rüdershausen. „Es kann nur im Zusammenspiel funktionieren“, sagte unter anderem Landvolk-Geschäftsführer Achim Hübner.

Das Projekt „Grüne Flächenbewirtschaftung in der Rhumeaue“ wird seit Anfang 2017 im Auftrag des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) bearbeitet. Bewilligt wurden dafür Mittel zur Förderung der ländlichen Entwicklung durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER). Das Projektgebiet hat eine Fläche von rund 1000 Hektar, verteilt auf die Landkreise Göttingen und Northeim, und umfasst das Naturschutzgebiet Rhumeaue / Ellerniederung / Gillersheimer Bachtal.

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Bisherige Analysen

Nach einer öffentlichen Information hat sich der Runde Tisch mit Vertretern aus Kommunen, Landwirtschaft, Projektträgern / -partnern sowie Naturschutz. Die Teilnehmer setzten sich am Montagabend nach einer Exkursion zu einer Brachfläche in der Rhumeaue im Schützenhaus in Rüdershausen zu ihrem zweiten Treffen zusammen. Diplom-Ingenieur Manfred Bathke vom Büro für Bodenkunde und Wasserwirtschaft berichtete über die bisherigen Analysen des Bodens und der Nährstoffverhältnisse in dem Gebiet. Die Ergebnisse der Bodenuntersuchung seien wenig spektakulär sondern wie bei Grünland erwartet. „Wir befinden uns in einem Bereich, der verarmt ist an Kalium und Phosphor“, erklärt Bathke. Um den Artenreichtum zu erhalten, werde nach 20 Jahren im Naturschutz sogar wieder über Kaliumdüngung nachgedacht.

Teilnehmer am Runden Tisch zur „Grünen Flächenbewirtschaftung in der Rhumeaue“ während einer Exkursion in die Rhumeaue Quelle: Rüdiger Franke

Rückblickend erklärte Bathke, dass während der Biokartierung im Jahr 2003 sehr viel Intensivgrünland festgestellt worden sei. Mittlerweile habe sich aber eine andere Entwicklungstendenz ergeben. So sei eine Ausbreitung von Hochstauden zu beobachten ebenso wie das Aufkommen von Gehölzen wie Rose oder Weißdorn. Allerdings hätten gerade die Gehölze an manchen Orten durch Wildverbiss keine Chance zu wachsen. Weitere Beobachtungen seien die Ausbreitung von Röhrichten und die Vernässung von Wiesen. An anderen Stellen hätten sich artenarme Dominanzbestände wie Quecken, Brennnesseln oder Disteln gebildet. Noch nicht weit verbreitet, aber auf dem Vormarsch seien Problempflanzen wie die Ackerkratzdistel und das Jakobskreuzkraut auf Wirtschaftsgrünland.

Bewirtschaftungskonzepte erarbeiten

„Es müssen Kompromisse gefunden werden“, erklärte Bathke für die Zukunft. Bathke empfiehlt eine Erhöhung der Vielfalt im Gebiet durch Wiederinkulturnahme von Brachestadien mit geringem Entwicklungspotenzial. Auf Grundlage des Gutachtens und in Abstimmung mit den zuständigen Unteren Naturschutzbehörden sollen nun mit örtlichen Landwirten Bewirtschaftungskonzepte erarbeitet werden. Auch die Möglichkeit zur Beantragung von Fördermitteln zur Umsetzung der Landschaftspflege durch extensive Rinderhaltung soll geprüft werden.

„Wir müssen im Konsens mit den Landwirten Ziele festsetzen“, erläuterte Bärbel Diebel-Geries vom Büro Geries Ingenieure aus Reinhausen, welches mit der Moderation des Projektes beauftragt wurde. Inititator und Projektleiter Justin Kirchhoff ergänzte, dass es um die Perspektive und Langfristigkeit gehe. Allerdings entwickele sich das Projekt durch den großen Abstimmungsbedarf langsamer als er erwartet habe. Im Endeffekt müsse im Einzelfall und nicht für das gesamte Areal entschieden werden, um die geforderten Kompromisse zu erreichen. „Eine gewisse Flexibilität muss gegeben sein“, so Kirchhoff. Es werde aber eine Reihe an Tabuflächen geben, wie Fred Marten von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Northeim erklärte. Deshalb sei die Kartierung so wichtig. Auch Hübner sah die Kartierung als Grundlage, bevor mit den Landwirten endgültig über eine Flächennutzung gesprochen werde. Das nächste Treffen des Runden Tisches soll im November stattfinden.

Teilnehmer am Runden Tisch zur „Grünen Flächenbewirtschaftung in der Rhumeaue“ während einer Exkursion in die Rhumeaue Quelle: Rüdiger Franke

Von Rüdiger Franke