Scheue Biber räumen an der Rhume im Eichsfeld auf
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Gieboldehausen Scheue Biber räumen an der Rhume im Eichsfeld auf
Die Region Gieboldehausen Scheue Biber räumen an der Rhume im Eichsfeld auf
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16:00 17.04.2020
Patrick Schmidt-Dold filmt Bissspuren der Biber an der Rhume bei Rüdershausen. Quelle: R
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Eichsfeld

Aufgeräumt sieht es an der Uferböschung der Rhume im Bereich Rüdershausen auf. Tierisch Ordnung gemacht haben drei Biber, die sich dort niedergelassen haben. Drei Nachwuchsfilmer haben die Tiere dort beobachtet und gefilmt und einen Dokumentationsfilm zusammen geschnitten. Das bundesweite Naturschutzprojektes „Green Cut – Jugend filmt biologische Vielfalt“ läuft unter der Regie des Göttinger Vereins Gespa.

Herbert Dohlen, Gespa-Vorstand, ist ausgebildeter Förster, hat lange im Ausland gelebt und in Chile noch einen Studiengang „Audivisuelle Kommunikation“ angehängt. Er hat bei seinen Rundgängen im Bereich der Rhume „ganz gut aufgeräumte Bereiche“ entdeckt und sich mit drei Nachwuchsfilmern – in Corona-Zeiten natürlich nur jeweils als Zweiergruppe unterwegs – auf die Suche nach den tierischen „Hausmeistern“ gemacht. Die Kamera und jede Menge Geduld hatten die Kleingruppen dabei im Gepäck.

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Tierische Landschaftsgestalter

Die Rhume entspringt einer der größten Karstquellen Mitteleuropas, gelegen zwischen Rhumspringe und Pöhlde. Unterirdische Zuflüsse aus Gewässern des Harzes lassen die Rhume bereits am Ort ihrer Entstehung zu einem breiten Fluss werden. Ihr natürlicher Verlauf und das Vorhandensein der typischen fluss- und bachbegleitenden Vegetation aus Erlen und Weiden stellen einen idealen Lebensraum für viele Tierarten dar. Eisvogel und Wasseramsel sind zu beobachten, aber auch Fischotter und Biber, der als Vegetarier eher die Weichholzauearten bevorzugt. Nach Renaturierungsmaßnahmen im mittleren Verlauf und der teilweisen Rückführung der Rhume in ihr altes Flussbett wagt sich der Biber inzwischen auch bis in das Quellgebiet des Flusses hinauf. Als Landschaftsgestalter sind hier gleich mehrere Biber tätig.

Um diese nachtaktiven Tiere bei ihrer Arbeit zu beobachten, musste in den vergangenen Wochen die Beobachtungsposten in den frühen Morgen- und späten Abendstunden bezogen werden. „Das war teilweise bitterkalt, wir haben lange gesessen“, berichtet Dohlen. Die Tiere können schlecht sehen, haben aber einen ausgeprägten Geruchssinn. „Sie haben ihre Reviere gut gescannt und merken sofort, wenn sich darin etwas verändert. Dann tauchen sie schnell ab.“

Der Biber ist fleißig und lässt sich nur ungern bei seinen Aufräumarbeiten stören. Quelle: R

Beim Beobachten Luft angehalten

Mit Dohlen unterwegs war auch einige Male Patrick Schmidt-Dold. Der 29-Jährige saß in einem Beobachtungszelt und hatte einen der Biber direkt vor sich. „Es war etwa ein Meter Abstand, da achtet man sogar auf seine Atmung und hält die Luft an, um das Tier nicht zu verscheuchen“, berichtet der Göttinger, der als Selbstständiger in der Immobilienbranche arbeitet. Über private Kontakte zu Dohlen war er auf das Projekt aufmerksam geworden und hat sich dem Filmer aus Interesse angeschlossen. „Es tut gut, raus in die Natur zu kommen. Ich habe erstmals einen Biber in der Natur gesehen. Das sind imposante, kräftige Tiere, die bis zu 45 Kilo wiegen können“, erzählt Schmidt-Dold. Spannend sei es gewesen zu sehen, wie die Bäume in der Umgebung der Beobachtungsstelle angenagt und gefällt worden. „Von weitem konnte ich auch beobachten, wie das Tier Äste im Wasser transportiert hat“, sagt der Göttinger.

Dohlen vermutet in dem Bereich Rüdershausen eine Biber-Familie, deren Wohnung – die Biberburg – er auch schon ausgemacht hat. Die genaue Fundstelle verrät er nicht, weil er möchte, dass die Tiere in Ruhe gelassen werden.

Nächstes Projekt im Göttinger Wald

Das nächste Projekt der Nachwuchsfilmer befasst sich mit dem Göttinger Wald, den Greenpeace 2012 zum „Modellwald“ deklariert und als ein Nachhaltigkeitsmodell für Deutschland bezeichnet hatte. Ein Themenkatalog sei schon erstellt und die Kooperation mit Göttinger Schulen in die Wege geleitet worden. Die Corona-Krise hat allerdings bisher einen Start verhindert, wann es nun losgehen soll, ist fraglich.

Green Cut – Jugend filmt biologische Vielfalt

Das Projekt „Green Cut – Jugend filmt biologische Vielfalt“ wird seit 2015 – über sechs Jahre hinweg – gefördert vom Bundesamt für Naturschutz. Projektträger ist die am Göttinger Leinekanal ansässige Gesellschaft zur Förderung von Solidarität und Partnerschaft e.V. (Gespa).

Leitidee des bundesweiten Umweltbildungs- und Kommunikationsprojekts ist, Jugendlichen in Medienworkshops die Bedeutung und den Wert biologischer Vielfalt zu vermitteln. Sie lernen dabei auch den Umgang mit der Kamera und verschiedene Schritte der Filmproduktion kennen. Auf diesem Weg setzen sich die Jugendlichen intensiv mit unterschiedlichen Themen der biologischen Vielfalt auseinander und wirken aktiv an der Produktion und Gestaltung öffentlichkeitswirksamer Medien mit.

Zur Zielgruppe des Projekts gehören daher insbesondere junge Menschen, die ansonsten nicht im Bereich Naturschutz aktiv sind. Sie sollen so zu Multiplikatoren für das Thema biologische Vielfalt werden und gleichzeitig ihre Gestaltungs- und Medienkompetenz verbessern. In allen Etappen des Projekts setzen die Jugendlichen ihr persönliches Umwelt-Engagement eigenverantwortlich, gestalterisch und mit lokalem Fokus um.

Von Kathrin Lienig

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