Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Gieboldehausen Sechstklässler entdecken Lust am Schreiben
Die Region Gieboldehausen Sechstklässler entdecken Lust am Schreiben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:21 03.05.2019
Die Klasse 6d der KGS Gieboldehausen feiert den Abschluss ihres Projektjahres. Mit dabei: Deutschlehrerin Ruth Anderle (vorn, 2.v.r.), Marisa Rohrbeck vom Literarischen Zentrum (r.), die stellvertretende Schulleiterin Sylvia Dannoritzer (3.v.r.), Künstler Arne Rautenberg (5.v.r.) und Lehrkraft Johannes Beckmann (l.) Quelle: Markus Riese
Gieboldehausen

Ein ganzes Schuljahr lang haben sich Sechstklässler aus der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Gieboldehausen am „Literarischen Schreiben“ versucht. Zum Ende des Projektjahres zogen nicht nur die Verantwortlichen, sondern auch die Kinder selbst ein positives Fazit des Literatur-Vermittlungsprogramms.

An insgesamt fünf Schulen in der Region setzt das Literarische Zentrum Göttingen die sogenannten Schreibwerkstätten im Rahmen des „Weltenschreiber“-Projektes um. Finanziell ermöglicht wird dies durch die Robert-Bosch-Stiftung, die Stiftung Niedersachsen, die Klosterkammer Hannover und die VGH-Stiftung.

Stolz auf das Projekt

Die Schüler aus der Realschul-Klasse 6d der KGS Gieboldehausen sind die jüngsten Teilnehmer, die von Göttingen aus betreut wurden. Etwa alle vier bis sechs Wochen kam der Autor und Sprachkünstler Arne Rautenberg jeweils für zwei volle Projekt-Schultage in die KGS, um mit den Kids zu schreiben, zu diskutieren, Textformen zu erkunden, eigene Gedichte zu erarbeiten und Sprachexperimente zu gestalten. „Die Entwicklung der Kinder zu beobachten, war wirklich sehr spannend“, fasst Rautenberg seine Eindrücke zusammen. Ihm habe besonders gut gefallen, Kunst und Literatur zusammenbringen zu können. So habe die Klasse das Sprengel-Museum in Hannover besucht, aber auch in der frühlingshaften Natur nach Impulsen für Gedichte und Geschichten gefahndet. „Wir sind sehr stolz, dass das Projekt hier bei uns in der Schule stattfinden konnte“, betont die stellvertretende Schulleiterin Sylvia Dannoritzer. Und auch die Deutschlehrerin der Klasse, Ruth Anderle, zeigt sich von den Ergebnissen angetan: „Wir konnten bei den Schülern echtes Interesse am Schreiben wecken“, sagt sie. Marisa Rohrbeck vom Literarischen Zentrum pflichtet ihr bei: „Besonders bei Kindern, die sich vielleicht sonst nicht so sehr damit beschäftigt hätten, ist das schon bemerkenswert“, findet sie. Dabei komme es keineswegs auf perfekte Ergebnisse an – sondern vor allem darauf, sich überhaupt mit der Ausdrucksform des Schreibens auseinanderzusetzen. Und das geschah auf vielfältige Weise.

Erstmals sichtbar wurden die Ergebnisse im vergangenen Dezember auf den Weihnachtskarten der Schule, die allesamt mit Gedichten der Schüler garniert wurden – per Hand, mittels einer Stempeltechnik. Mehr als 1500 Grußkarten sind auf diese Weise entstanden – ein Produkt, auf das die Schüler stolz sein dürfen. „Überhaupt bin ich mir sicher, dass dieses Projekt bei den Kindern im Gedächtnis bleiben wird, auch wenn sie später mal an ihre Schulzeit zurückdenken werden“, sagt Anderle, die das Projekt an die KGS geholt hatte.

Zum Teil des Schulalltags geworden

Um die Ergebnisse festzuhalten und für eine Präsentation vorzubereiten, die am 25. Juni im Jungen Theater Göttingen erfolgen soll, haben die Kids zusammen mit Rautenberg und dem technikaffinen Lehrer Johannes Beckmann die letzten beiden Projekttage genutzt, um einen Videofilm zu erstellen. Darin sind die Kinder zu sehen, wie sie ihre erarbeiteten Werke vortragen. Das Video soll künftig auch bei Schulveranstaltungen und auf der Internetseite der KGS zu sehen sein. Als sich die Kinder gemeinsam den geschnittenen Film ansehen, müssen sie oft schmunzeln. Manche der entstandenen Gedichte sind vielleicht nicht ganz ernst gemeint. Da geht es zum Beispiel um weißen Vogelschiss, der auf Pommes landet und wie Majo aussieht. Dann aber kommt plötzlich auch so etwas: „Rot wie die Rosen / tropfen übern Gartenzaun / sind von Regen nass.“ Die Schülerin Julia Schäfer hat dieses Gedicht geschrieben – und nicht nur Rautenberg damit begeistert. Er selbst sah sich am Anfang als „Exot“ in der Klasse. „Doch inzwischen ist das Projekt zu einem Teil des Schulalltags geworden“, findet der Künstler.

Fortbildungen für Lehrer

Parallel zu den Schreibwerkstätten der Schüler gab es im ersten Jahr auch Fortbildungen für Lehrkräfte. Das dort Gelernte – etwa, wie sich Lyrik und Prosa im regulären Deutschunterricht besser vermitteln lassen – sollen sie nun im kommenden Schuljahr umsetzen. Das „Weltenschreiber“-Projekt ist zunächst auf zwei Jahre angelegt; eine Verlängerung scheint nicht ausgeschlossen.

Und was sagen die Kinder? „Es war sehr toll“, findet Roman. „Wirklich klasse“, ergänzt Simon. „Wir haben schöne Gedichte geschrieben, das hat Spaß gemacht“, betont Sophie. Und Melina sagt: „Wir haben sehr viel Neues dazugelernt.“ Candra freut sich über die Abwechslung: „Das war wirklich mal was anderes.“ Und Lina hat einige „Ideen mitgenommen“ – schreiben will sie auch weiterhin.

Von Markus Riese

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Traditionelle Bräuche für den Maisprung gibt es verschiedene. Auch in der Region stehen am 30. April Maifeuer, Maibaum und Walpurgis auf dem Programm – zum Beispiel in Duderstadt, Gieboldehausen und Radolfshausen.

29.04.2019

Die Flüchtlingsunterkunft Schloss Wollershausen ist voll belegt, die Integrationsangebote werden fortgesetzt. Der Betreibervertrag läuft zum Jahresende aus, ein Zukunftskonzept ist in Arbeit.

29.04.2019

Eine kilometerlange Dieselspur hat am Sonnabendvormittag mehrere Feuerwehren beschäftigt. Ein Linienbus hatte auf seiner Route von Duderstadt nach Gieboldehausen und zurück den Kraftstoff verloren.

27.04.2019