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Gieboldehausen Typisierungsaktion: So wollen die Krebecker der kleinen Helene helfen
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Typisierungsaktion: So wollen die Krebecker der kleinen Helene helfen

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09:41 10.10.2021
Katharina Hauenstein nimmt eine Probe zur Typisierung von Katja Fuchs.
Katharina Hauenstein nimmt eine Probe zur Typisierung von Katja Fuchs. Quelle: Rüdiger Franke
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Krebeck

Die einjährige Helene ist schwer an Blutkrebs erkrankt. Viel Zeit bleibt ihr nicht. Bei einer Typisierungsaktion in Krebeck wollten 32 Menschen helfen und haben sich testen lassen, ob sie als Spender in Frage kommen. „Es ist einfach, mit einer kleinen Tat jemandem zu helfen“, sagte der erst 17-jährige Yannik Bodmann.

Der Teenager hatte in einer WhatsApp-Gruppe von der Aktion erfahren und sich kurzfristig zur Teilnahme entschlossen. „Es ist eine gute Sache, für die man nicht viel braucht“, sagte er. Und genau so ist es. Im Endeffekt muss man nur kurz den Mund öffnen. Eine Minute lang wird mit einem Stäbchen ein Abstrich genommen. Und das war es dann schon. Bei 17-Jährigen ist allerdings die Einverständniserklärung der Eltern notwendig.

„Mir schadet es nicht“

Yanniks Mutter war mit vor Ort und füllte die Erklärung gern aus. Sie ist ebenso schon länger als Spenderin registriert wie der Vater von Luisa Heine, die sich ebenfalls als 17-Jährige registrieren ließ, „weil ich dadurch vielleicht Leben retten kann“, erklärte sie. „Und mir schadet es nicht.“

Für die erst einjährige Helene wird aktuell weltweit ein Spender gesucht. „Es wurden auch schon Flyer für Großbritannien, die USA und Polen gedruckt“, erzählt Jessika Römermann, die Tante des kleinen Mädchens. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Katharina Hauenstein hat sie die Aktion organisiert. Beide arbeiten im Krankenhaus und dürfen die Abstriche machen. Sie benötigten nur einen Raum. Den fanden sie über den DJK Krebeck, der sein Sporthaus zur Verfügung stellte.

„Das ist eine gute Aktion“, sagte DJK-Vorstandsmitglied Henrik Brennecke. Deshalb unterstütze der Verein die Aktion, denn „für manche ist es schwierig in der Woche, in Göttingen bei der Knochenmark- und Stammzellenspenderdatei vorbeizufahren“. Deshalb seien solche Aktionen auf den Dörfern durchaus sinnvoll.

Hier kann man sich registrieren lassen

Wer an Blutkrebs erkrankten Menschen helfen möchte, kann sich als Spender unter anderem bei der Knochenmark- und Stammzellenspenderdatei Göttingen registrieren lassen. Für die Typisierung wird ein Röhrchen Blut oder eine Wangenschleimhautprobe benötigt. Eine Registrierung ist direkt zu den Spendezeiten in der Blutspende im Klinikum und der Blutspende am Campus in Göttingen möglich. Alternativ kann auch kostenlos ein Registrierungsset mit allen erforderlichen Materialien zugeschickt werden, um sich beim Hausarzt Blut abnehmen zu lassen. Die Rücksendung der Blutprobe erfolgt im beigefügten, bereits vorfrankierten Päckchen. In der Folge werden Teilnehmer informiert, ob sie für eine Spende geeignet sind. Die Daten werden nach dem 61. Lebensjahr automatisch gelöscht. Weitere Informationen unter Telefon 0551/3962390 oder -391. Typisierungen können auch mit Geldspenden unterstützt werden auf das Konto: Universitätsmedizin Göttingen, IBAN: DE55 2605 0001 0000 0004 48, Verwendungszweck: KMSG-Spenden 134 6270.

Für Helene wird die Zeit knapp

Für Helene wird die Zeit knapp. Die Einjährige hatte im Juli auf eine Impfung mit Fieber reagiert. Als sie nach zwei Wochen immer noch Fieber hatte, sei sie untersucht worden. Dabei seien auch Tumormarker im Blut entdeckt worden. „Im August wussten wir dann, dass sie Blutkrebs hat“, sagte ihre Tante. Und es sei eine schwere Form der Akuten myeloischen Leukämie (AML). Jetzt bekomme das Kleinkind eine Chemotherapie. „Im Moment kämpft sie mit den Nebenwirkungen.“

„Im Dezember braucht sie eine Stammzellenspende“, erklärte Jessika Römermann. Wenn man keinen passenden Spender finde, werde sie eine Spende von der Mutter bekommen. Aber die passe nur zu 50 Prozent, weshalb die Gefahr groß sei, dass die Erkrankung zurückkomme. Aktuell gebe es viele Aktionen, um Helene zu helfen. Parallel zu der in Krebeck lief in ihrem Heimatort ein Benefizspiel in Burgstall bei Magdeburg. Nächsten Sonnabend sei eine Benefizaktion in Römermanns Heimatort Ellrich geplant.

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„Eigentlich hätte man sich schon eher registrieren sollen“, sagte Sarah Schneider. Da sie mit Kindern arbeite, habe die Geschichte bei ihr etwas ausgelöst. „Es gibt für jeden einen Triggerpunkt“, sagte sie. „Bei mir war es, weil es um ein kleines Kind geht.“

„Helfen ist immer wichtig“

„Helfen ist immer wichtig“, begründete Sven Otto seine Teilnahme. „Und es tut ja auch nicht weh.“ Man merke es überhaupt nicht, bestätigte auch Katja Fuchs. Und es sei für einen guten Zweck. „Es tut einem selber leid, denn man hat ja selber Kinder. Wenn ich so eine Geschichte lese, bekomme ich immer eine Gänsehaut.“

„Wir sind mit dem Ergebnis zufrieden“, sagte Römermann. 32 Teilnehmer in nur zwei Stunden, darunter drei jünger als 18 Jahre. Und es sei auch jemand gekommen, um nur Geld zu spenden. Und wenn die in Krebeck getesteten Menschen nicht zu Helene passen, können sie vielleicht einem anderen helfen. „Es warten ja viele auf einen passenden Spender“, sagte sie.

Testen lassen kann man sich zwischen 17 und 55 Jahren. Ausgeschlossen seien lediglich Menschen mit verschiedenen schweren Erkrankungen von zum Beispiel Herz, Lunge oder Nieren. Deshalb bittet die Tante der kleinen Helene noch einmal, dass sich möglichst viele Menschen als Spender registrieren lassen. „Wenn man mit so einer Kleinigkeit helfen kann, wäre es toll“, sagte auch Ivana Kretschmer, die mit einer Freundin aus Gieboldehausen zum Testen nach Krebeck gekommen war.

Von Rüdiger Franke