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Gieboldehausen „Im Dorf“ feiert Premiere in Obernfeld
Die Region Gieboldehausen „Im Dorf“ feiert Premiere in Obernfeld
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00:21 23.09.2018
Beate und der Syrer Asan ziehen auf ein kleines Dorf, wo ihre Beziehung auf die Probe gestellt wird. Quelle: Christina Hinzmann / GT
Göttingen / Obernfeld

Das Stück, das auf realen Interviews basiert, handelt von Beate, gespielt von Elisabeth-Marie Leistikow, und Asan, der von Ahmad Kiki verkörpert wird. Beate hat den syrischen Flüchtling Asan in einem Flüchtlingsheim getroffen. Sie haben sich verliebt und es begann eine Beziehung voller Probleme – zwischen einem unbegleiteten minderjährigen Flüchtling (zumindest offiziell) und einer Erzieherin im Heim. Sie muss sich zunächst wegen sexuellem Missbrauchs verantworten, da er, obwohl schon 20, als vermeintlicher 17-Jähriger nach Deutschland kam.

Sie wird schwanger und das Paar zieht zu ihren Eltern in ein kleines Dorf, das zu DDR-Zeiten im Sperrgebiet hinter der deutsch-deutschen Grenze angesiedelt war. Asan war der erste Ausländer, der dort wohnt. Das Stück zeichnet in vier Zeitsprüngen die Geschichte des Paares nach und zeigt auf, auf welche Hindernisse sie durch Vorurteile treffen und welche Zerreißproben es für sie selbst aufgrund der unterschiedlichen Kulturen gibt – zum Beispiel ob das Kind getauft wird oder es Moslem werden soll? Bei all den großen Problemen rückt sogar in den Hintergrund, dass das Kind von Geburt an eine Behinderung hat.

Das Ensemble der Werkgruppe2 bereitet sich auf die Premiere des Stückes „Im Dorf“ vor. Zur ersten Publikumsprobe in der Musa kamen Schüler des zehnten Jahrgangs der IGS.

Durch Zufall entdeckt

„Wir haben von der Geschichte durch Zufall erfahren“, sagt Dramaturgin Silke Merzhäuser. Da gebe es die Tochter eines Kneipenwirts, die sich in einen Syrer verliebt habe. Die Geschichte stieß bei ihr und Regisseurin Julia Roesler auf Interesse und sie begannen mit ihren Recherchen. „Wir haben über die Dauer von zweieinhalb Jahren Interviews geführt“, erzählt Merzhäuser. Dabei seien in der Transkription hunderte Seiten entstanden. Das Stück dauert rund 100 Minuten. „Gezeigt werden dabei etwa 30 Seiten.“ Allerdings werden die Gespräche wortwörtlich wiedergegeben, „mit jedem Versprecher und auch in Halbsätzen“.

„Das Lernen des Textes war eine besondere Herausforderung“, sagt Schauspielerin Elisabeth-Marie Leistikow. Sie spielt nicht nur die Beate sondern stellt ebenso wie ihr Partner darüber hinaus verschiedene andere Rollen dar. So schlüpft sie unter anderem in die Rolle des Bürgermeisters und von Beates Vater. „Eine weitere Herausforderung war es, sich in die Personen hineinzudenken“, sagt sie. Dazu habe sie zahlreiche Tonaufnahmen angehört, “um den Gedankenkosmos von ihnen aufzunehmen und zu verinnerlichen“.

Publikumsprobe in der Musa Quelle: CHH

Publikumsprobe

Am Donnerstag spielte die Gruppe erstmals vor Publikum. Der zehnte Jahrgang der IGS Geismar besuchte das Stück. „Ich fand es sehr interessant“, sagte der 15-jährige Lennard. Für die Geschichte habe das Team eine interessante Umsetzung gewählt, „auch wenn es teilweise ein bisschen abstrakt ist“. Die Flüchtlingsthematik hätten sie in ihrer wöchentlichen aktuellen Stunde mehrfach behandelt. Im Anschluss gaben die Schüler dem Werkgruppen-Team ihre Einschätzung. „Es ist gut rübergekommen, wie Asan sich verändert hat“, sagte beispielsweise Nico. Anfangs sei er kühl gewesen und habe sich später geöffnet, pflichtete ihm eine Mitschülerin bei. Die Art der Behandlung, die das Paar im Dorf erfahren habe, habe die Schüler fasziniert. „Es zeigt, das die Dorfbewohner eine genaue Vorstellung haben, wie Integration funktionieren soll“, sagte Roesler. „Der neue hat sich anzupassen.“

Gut kam bei den Schülern auch die musikalische Begleitung der Geschichte Sängerin und Gitarristen Esra Dalfidan sowie Schlagzeuger Uli Genenger an. „Musikalisch passte es gut zu der Stimmung“, sagt Nico. Am Anfang sei noch alles rosig, später würde es tiefgründiger. „Alle deutschen Lieder sind Lieder aus der DDR“, erläuterte Roesler. Die Musiker hätten sie allerdings mit eigenen Arrangements angepasst.

Termine und Karten

Die Premiere des Stückes ist am Donnerstag, 27. September, im Museumskrug in Obernfeld zu sehen. Weitere Aufführungen folgen im September am 28. in Obernfeld und am 29. in Gelliehausen. Im Oktober spielt das Theater am 18. in Wehnde, am 19. und 20. in Lenglern, am 25. in Gladebeck, am 26. in Siemerode sowie am 27. und 28. in Rüdershausen. Für November wurden Termine am 3. in Ecklingerode, am 4. in Ferna, am 15. in Jützenbach sowie am 16. und 17. in Nesselröden festgelegt.

Karten für die Aufführungen gibt es im Vorverkauf unter Telefon 0551/3890161 und per Mail an info@werkgruppe2.de. Für die ersten Termine sind in Obernfeld Karten in der Bäckerei Döring sowie in Gelliehausen beim ehemaligen Bürgermeister Gerhard Lange erhältlich.

Von Rüdiger Franke

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