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Gleichen 30 Jahre Grenzöffnung: So haben Weißenborn und Siemerode gefeiert
Die Region Gleichen 30 Jahre Grenzöffnung: So haben Weißenborn und Siemerode gefeiert
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18:30 21.01.2020
Viele Menschen kamen zur Feier an den Gedenkstein. Die „Thanas“ spielten zum Auftakt. Quelle: Niklas Richter
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Weißenborn

Am Sporthaus versammeln sich am frühen Abend rund 80 Weißenbörner. Eine sternenklare Januarnacht, es ist kalt. Jeder, der möchte, bekommt eine Fackel in die Hand, dann setzen sich die Menschen in Bewegung. Über Feldwege geht es Richtung ehemalige Grenze. Ungefähr zur selben Zeit machen sich die Siemeröder in ihrem Ort auf den Weg.

Unsicherheit in der Übergangsphase

Jahrzehntelang trennte die innerdeutsche Grenze zwischen der DDR und der Bundesrepublik die beiden Dörfer. Nach dem Fall der Mauer in Berlin im November 1989 fielen nach und nach auch die Grenzanlagen zwischen Ost und West, bei einigen Gemeinden schon am 31. Dezember 1989. In diesen Monaten habe noch Unsicherheit geherrscht, wie es weitergeht, sagt Peter Trappe, der an diesem Abend den Landrat des Landkreises Eichsfeld vertritt.

Am 20. Januar 1990 war es auch zwischen Siemerode und Weißenborn soweit, der Zaun wurde entfernt, die Bewohner der beiden Orte konnten sich besuchen. Tränen flossen, das ganze Dorf war auf den Beinen, erzählt Gudrun Glahn, Ortsbürgermeisterin von Weißenborn.

30 Jahre Grenzöffnung

Die beiden Orte feiern die Wiedervereinigung und die Grenzöffnung besonders intensiv. Jedes Jahr zum Tag der deutschen Einheit am 3. Oktober, und alle fünf Jahre am 20. Januar an jenem Gedenkstein, der an die Grenze erinnert. „Wir sind in besonderer Weise verpflichtet, an diesen Teil der Geschichte zu erinnern“, sagt Siemerodes Bürgermeister Christian Thüne am Montagabend.

Vielfältige Verbindungen

Gut 200 Menschen haben sich inzwischen am Gedenkstein versammelt, viele begrüßen sich herzlich, die Verbindungen zwischen den beiden Orten sind vielfältig und verlässlich. Zum Auftakt spielen die „Thanas“, eine Band, die bei keiner der Feiern von Weißenborn und Siemerode fehlen darf.

Ortsbürgermeisterin Glahn erinnert in ihren kurzen Ansprache an das Jahr 1989, an die friedliche Revolution. „Die Macht der Menschen erstaunt uns heute noch.“ Nach dem November 1989 seien zunächst Kerzen aufgestellt worden an der Grenze, „am 20. Januar haben wir uns hier begrüßt“ und im März 1990 war dann die Straße zwischen den beiden Orten wieder befahrbar, ergänzt Thüne.

Zaunspechte öffneten die Grenze

Die erste Begegnung zwischen den Siemerödern und den Weißenbörnern fand allerdings schon früher statt, auch daran erinnert Glahn. Bereits Silvester 1989/1990 wurde ein kleines Loch in den Zaun geschnitten. Andere Dörfer hatten die Grenzzäune schon am 31. Dezember 1989 geöffnet. „Warum hier nicht“, hätten sich die Siemeröder gefragt. Und kurz entschlossen den Zaun an einer Stelle geöffnet und eine Silvester-Party im Sporthaus besucht. Per Mundpropaganda wurde aus der kleinen Feier bald eine große Feier, die bis in die frühen Morgenstunden dauerte. Einige der beteiligten Männer gründeten den Verein „Die Zaunspechte“, der bis heute besteht und bei allen Einheitsfeiern mithilft und organisiert.

Die intensiven Beziehungen und den Verein „Zaunspechte“ hebt auch Manfred Grund, CDU-Bundestagsabgeordneter aus Thüringen, in seiner Rede hervor. Thadäus König, CDU-Abgeordneter im Thüringer Landtag, ergänzt, dass es gut sei, dass hier so intensiv wie sonst eher selten an die Grenze, die Teilung und die Wiedervereinigung erinnert werde. Denn es fände gerade ein Generationswechsel statt, vielen jungen Menschen seien die realen Auswirkungen der deutschen Teilung nicht mehr bewusst. Es brauche junge Leute, die zuhören, so Manfred Kuhlmann, Bürgermeister der Gemeinde Gleichen.

Kurze Andacht

Nach einer kurzen Andacht mit Pastorin Isa Sternhagen und Pfarrer Andreas Kruse, unterstützt vom Kirchenchor Siemerode, spielen noch einmal die Thanas, „bevor sie ganz anfrieren“ wie Thüne in Anspielung auf die Temperaturen, die inzwischen eindeutig unter Null liegen, sagt. Nach Nationalhymne, Niedersachsenlied und Eichsfeldlied geht es dann für alle ins Sporthaus Weißenborn, zu heißer Gulaschsuppe und Gesprächen.

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Von Christiane Böhm

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