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Gleichen Nach Gaststätten-Schließung: Diemarden braucht einen Saal
Die Region Gleichen Nach Gaststätten-Schließung: Diemarden braucht einen Saal
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00:21 02.03.2019
Ortsansicht von Diemarden
Ortsansicht von Diemarden Quelle: Christina Hinzmann
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Diemarden

 Der Ort Diemarden hat ein Raumproblem. Nach dem Aus für die Gaststätte im Dorf steht jetzt kein großer Veranstaltungssaal mehr zur Verfügung. In einem Ort mit vielen aktiven Vereinen sei das nicht akzeptabel, sagt Ortsbürgermeister Martin Worbes (Grüne). Zudem steht in drei Jahren die 1000-Jahr-Feier an.

Die Betreiber der Gaststätte mussten vor zwei Jahren aus gesundheitlichen Gründen beziehungsweise aus Altersgründen schließen. Der Saal, der zur Gastwirtschaft gehörte, ist seither passé für jegliche Veranstaltung. Ein Versammlungsraum sei aber unabdingbar für einen Ort mit 1300 Einwohnern. „Mir schwebt ein Saal vor, in dem 120 Menschen Platz finden“, äußert der Ortsbürgermeister eine Vision. Die Sporthalle im Dorf werde quasi rund um die Uhr für sportliche Aktivitäten genutzt und solle und dürfe auch gar nicht zweckentfremdet werden. „Wir diskutieren verschiedene Varianten im Ortsrat“, sagt der Ortsbürgermeister.

Ortsrat tagt im Feuerwehrhaus

Das Gremium muss derzeit für seine turnusmäßigen Sitzungen im Feuerwehrhaus zusammenkommen, das selbst auch renovierungsbedürftig sei. Für eine normale Ortsratssitzung ist der Raum in Ordnung, kommen aber viele Besucher, wird es eng und die Leute müssen stehen, erläutert Worbes. Auch in den Saal der Kirchengemeinde passen allenfalls 50 Personen, aber nur dann, wenn sie sich reinquetschen. Hierhin war der Ortsrat kurzzeitig ausgewichen für seine Mittwochssitzungen. Die kollidierten allerdings mit den Proben des Kirchenchores. „Das ist hier eine echte Notlage“, betont Worbes. Und die besteht nicht erst seit gestern. „Wir sind an die Gemeinde Gleichen herangetreten mit der Bitte, sich des Problems anzunehmen“, so der Ortsbürgermeister. Die drei auch im Gemeinderat vertretenen Ortsratsmitglieder Hans Werner Lüther (SPD), Matthias Grün (Grüne) und Wolfgang Schöngraf (CDU) haben in dem übergeordneten Gremium bereits einen konkreten Plan unterbreitet: den Ausbau des Feuerwehrhauses. Ein Vorbild hat Worbes vor Augen, nämlich das Feuerwehrhaus in Etzenborn.

Im Jahr 2022, wenn Diemarden 1000 Jahre alt wird, sollen konkrete Pläne auf dem Tisch liegen für einen Anbau. „Bis zur 1000-Jahr-Feier schaffen wir die Realisierung der Gebäudeerweiterung nicht“, schätzt der Ortsbürgermeister ein. Aber auf jeden Fall wolle der Ortsrat 2022 wissen, wohin die Reise geht.

Ausweichquartier kirchliches Gemeindehaus

Ortsratsmitglied Wolfgang Schöngraf (CDU) ist zugleich Vorsitzender des Männergesangsvereins. Das Ensemble probte viele Jahre im Saal der Gaststätte. „Dort stehen noch immer ein Klavier und Schränke voller Noten“, sagt Schöngraf. Denn alles das hat im kirchlichen Gemeindehaus, dem Ausweichquartier, keinen Platz. Derzeit muss das kirchliche Gebäude sowieso für alle möglichen Veranstaltungen herhalten. „Es ist ein Mangel, dass Diemarden über kein Dorfgemeinschaftshaus verfügt“, sagt er. Der Ausbau des Feuerwehrhauses könne gleich zwei Probleme lösen: Zum einen könnte ein Saal entstehen für die Allgemeinheit, zum anderen genügen die baulichen Voraussetzungen nicht mehr den heutigen Standards für eine Feuerwehr. Über kurz oder lang müsse dort investiert werden, macht Schöngraf deutlich. Am besten wäre freilich eine betriebene Wirtschaft im Dorf, damit Tische und Stühle sind ständig hin und her getragen werden müssen.

Mittagessen im Feuerwehrhaus

Der stellvertretende Ortsbrandmeister Yannik Nolte begrüßt die Idee eines Ausbaus. „Sie ist ja von uns mit angeregt worden“, sagt er. Er macht darauf aufmerksam, dass die Grundschulkinder im Feuerwehrhaus ihr Mittagessen einnehmen, weil in der Grundschule nicht genügend Platz sei. „Aber ein Feuerwehrhaus ist keine Mensa“, gibt er zu bedenken. Auch er hofft für seine Kameraden auf bauliche Verbesserungen. „Erst einmal muss sich ein Architekt angucken, ob eine Erweiterung möglich ist oder ein Neubau besser.“

In der Gemeinde Gleichen ist das Raumproblem bekannt. Der Ortsrat hatte im Oktober 2018 einen Antrag auf Prüfung der vorgeschlagenen Erweiterung beim Gemeinderat gestellt. „Für diese Prüfung sind noch einige Arbeiten nötig“, sagt Gemeindebürgermeister Manfred Kuhlmann (SPD). Sind die umgesetzt, werde er sich mit dem Ortsrat in Verbindung setzen, verspricht er.

Von Ulrich Meinhard