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Gleichen Digitalisierung auf dem Lande: Bremke für die Hosentasche
Die Region Gleichen Digitalisierung auf dem Lande: Bremke für die Hosentasche
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12:52 20.01.2020
Eine „DorfPage“, eine App und digitale Schaukästen – ganz individuell auf Bremke zu geschnitten. Das soll das Modellprojekt „bremke.digital“ für das Dorf in der Gemeinde Gleichen (Landkreis Göttingen) bringen. Quelle: R
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Bremke

Eine „DorfPage“, eine App und digitale Schaukästen – ganz individuell auf Bremke zu geschnitten. Das soll das Modellprojekt „bremke.digital“ für das Dorf in der Gemeinde Gleichen (Landkreis Göttingen) bringen. Inzwischen hat in Bremke die nächste Projektphase begonnen. In der vergangenen Woche startete in Bremke ein zweimonatiges Schulungsprogramm.

Die „Digitalen Bremker“, eine Gruppe von bis zu zehn Bremkern, sollen in dem Training so weit qualifiziert werden, dass sie ihr digitales Wissen rund um Internet, PC und mobile Geräte ehrenamtlich an die Menschen im Dorf weitergeben können, Sprechstunden zur Problemlösung im digitalen Bereich anbieten oder Erste Hilfe bei Technikproblemen leisten können.

Training für Multiplikatoren

Inhalte der Schulung seien unter anderem Themen wie Datenschutz, Planung von Hilfsangeboten und didaktische Fähigkeiten zur Vermittlung von Inhalten, heißt es in einer Mitteilung der Stiftung Digitale Chancen. Bis Mitte März sind sechs Schulungstermine angesetzt, die als „Multiplikatoren-Training“ angelegt seien, erläutert Carola Croll, Mitarbeiterin der Stiftung. Inhaltlich sei die Schulung auf die Bedürfnisse der Multiplikatoren abgestimmt und „relativ offen gehalten“.

Die „Digitalen Bremker“, wie sich die Gruppe selbst nennt, sollen vor allem „ältere und noch nicht digital affinen Menschen“ bei Fragen und Herausforderungen bei der Nutzung von digitalen Geräten, des Internets und von Apps unterstützen. Dabei soll es um ganz „praktische Hilfe gehen“, sagt Croll.

Digitalisierung im ländlichen Raum

Seit Oktober 2018 läuft das Projekt „bremke.digital“. Es beschäftigt sich damit, wie die Digitalisierung im ländlichen Raum gerecht gestaltet und wie digitale Hilfsmittel im Dorfleben sozial und nachhaltig genutzt werden können.

Ortsbürgermeisterin Karin Jürgens (parteilos) zeigt sich mit dem bisherigen Verlauf „sehr zufrieden“, die Arbeit im Projekt mache Spaß. Inzwischen sei man in eine „intensive Arbeitsphase eingetreten“.

„Bremke für die Hosentasche“ Quelle: Croll

Nächstes Etappenziel ist nach Auskunft von Jürgens bis spätestens Mitte des Jahres die Entwicklung der „DorfPage“, die dann die Internetseite gleichen-bremke.de ersetzen soll. An ihr arbeitet derzeit ein Arbeitskreis, an dem Ortsrat, Vereine, Feuerwehr und Gewerbe beteiligt sind. Ziel sei es, so Jürgens eine Internetseite zu erstellen, auf der alle Vereine und Institutionen im Ort ihre Inhalte – wie etwa Termine und Mitteilungen – leicht und ohne extra Seitenadministrator veröffentlichen können.

Bremke für die Hosentasche

Später soll die „DorfPage“ gekoppelt werden mit einer App für mobile Geräte wie Smartphone oder Tablet. Hier seien, so Jürgens, weitere Nutzungen denkbar. So könnten Mitfahrgelegenheiten und Nachbarschaftshilfen angeboten werden. Schnell und flexibel sollen die Nachrichten aus dem Ort die Bremker so erreichen. „Bremke für die Hosentasche“ nennt Croll das.

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Dritter Baustein für die digitale Kommunikation im Dorf sollen digitale Schaukästen sein. Aktuelle Nachrichten aus dem Ort, Termine, Wetter, aber auch aktuelle Verkehrsmeldungen können darin zu lesen sein. Als mögliche Standorte bringt Jürgens den Dorfladen, die Feuerwehr und das Waldschlösschen ins Spiel. Für „DorfPage“, App und Schaukästen würden die Lösungen und Ansätze der „Digitalen Dörfer“ von Fraunhofer IESE für Bremke angepasst und erweitert, beschriebt Croll.

Projekt bremke.digital: Inzwischen hat die nächste Projektphase begonnen. In der vergangenen Woche hat in Bremke ein zweimonatiges Schulungsprogramm begonnen. Quelle: R

Projekt auf andere Orte übertragen

Im Februar sollen zunächst die Vereine über die Möglichkeiten der drei digitalen Ortsangebote informiert werden. Für die Information des ganzen Dorfes sei ein weiterer Runder Tisch geplant, kündigt Jürgens an. Zudem, so die Oberbürgermeisterin, sollen die übrigen Ortsbürgermeister in der Gemeinde Gleichen über die Angebote informiert werden. „Der Transfergedanke des Modellprojektes ist es, dass andere Orte das übernehmen“, sagt Jürgens. Das Projekt soll dann auf eigenen Füßen stehen, sagt Croll, sodass es sich selber tragen könne.

Bei „bremke.digital“ handelt es sich um ein Modellprojekt, das vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gefördert und von den Projektpartnern Stiftung Digitale Chancen (Berlin und Göttingen) und dem Haus kirchlicher Dienste (Hannover) gemeinsam mit den Bremkern entwickelt wird.

Weitere Informationen finden Sie unter: projekt.bremke.digital

Finanzierung des Modellprojektes

Das Gesamtbudget für das Modellprojekt „bremke.digital“ mit insgesamt 27 Monaten Laufzeit liegt nach Angaben von Carola Croll von der Stiftung Digitale Chancen bei 316.000 Euro. Von der gesamten Projektsumme trägt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft 253.000 Euro, 63.000 Euro bringen die Partner Stiftung Digitale Chancen und Haus kirchlicher Dienste ein.

Rund 25 Prozent des Budgets gehen in technische Ausstattung und Plattformentwicklung. Rund 70 Prozent des Budgets seien Personalkosten für die Planung und Durchführung des Projekts – Beratung, Schulungen, Trainings, Sitzungen, Öffentlichkeitsarbeit und Berichterstattung gegenüber dem Mittelgeber – , fünf Prozent entfielen für sonstige Aufwände wie etwa Reisekosten, so Croll.

Bremke wurde mit seinen 800 Einwohnern als eines von 70 Projekten für das bundesweite Förderprogramm „Land.Digital“ ausgewählt. Das Projekt läuft noch bis Ende des Jahres. Sein Ziel ist die Steigerung der Lebensqualität im ländlichen Raum durch die Mittel der Digitalisierung.

Sie erreichen den Autor unter

E-Mail: m.brakemeier@goettinger-tageblatt.de

Twitter: @soulmib

Facebook: michael.brakemeier

Von Michael Brakemeier

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