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Gleichen Bremke gedenkt der Vertriebenen und Ermordeten
Die Region Gleichen Bremke gedenkt der Vertriebenen und Ermordeten
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18:09 12.11.2018
The Klezmer Kitchen Band untermalt die Gedenkveranstaltung musikalisch. Rechts Ellen Brombacher. Quelle: Foto: Richter
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Bremke

Enthüllt wurde die Gedenktafel am Sonntagnachmittag. Rolf Bergmann vom Bremker Kulturverein, Pastorin Insa Steinhagen und Bürgermeisterin Karin Jürgens erzählten vor gut 100 Besuchern der Gedenkfeier die Geschichte der Judenverfolgung im kleinen Bremke. Größte Gruppe war die Familie Meyerstein mit 13 Personen. Schon vor den Novemberpogromen des Jahres 1938 hatten sich einige der Bremker Juden ins größere und vermeintlich sicherere Göttingen abgesetzt. Dabei war die Gruppe der jüdischen Bürger in Bremke vorher viel größer gewesen - um 1850 waren es etwa 150 Personen bei einer Gesamtbevölkerung von etwa 700 Menschen. Rolf Bergmann: „Bis vor dem 1. Weltkrieg wurden es so wenige, dass die jüdische Schule geschlossen werden musste.“ Meist seien es kleine Händler wie Viehhändler oder Schlachter gewesen, die auch mit den umliegenden Dörfern Handel trieben. In die Bremker Dorfgemeinschaft integriert waren sie fast alle.

Doch ab dem 30. Januar, dem Tag der sogenannten Machtergreifung durch die Nazis, verschlimmerte sich die Lage der Juden schnell. Junge Nazi-Schläger versammelten sich beispielsweise um das Haus der Familie Hirsch, bewarfen es mit Steinen und beschimpften die Bewohner. Hermann Hirsch zog danach nach Göttingen und beging dort im März 1934 Selbstmord.

Anfeindungen und Ausgrenzungen

Bürgermeisterin Jürgens: „Die Menschen gingen nicht freiwillig, sondern flohen aus den Dörfern, weil ihnen ihre ökonomische Basis genommen wurde, weil ihnen ihr Berufsleben unmöglich gemacht wurde, weil sie mehr und mehr mit Anfeindungen und auch Ausgrenzungen konfrontiert wurden. Die Verfolgung und Enteignung jüdischer Familien, ihre Verdrängung aus der Gesellschaft und dem kulturellen Leben ging den Konzentrationslagern voraus und war grausamer Bestandteil des Nazi-Vernichtungsprogramms.“

Vorläufiger Höhepunkt der Judenverfolgung in Bremke war am 10. November 1938. Bremker Bürger steckten die Synagoge in Brand, zuvor hatten SA- oder SS-Männer das Haus der Familie Meyerstein geplündert. Nur sechs Juden blieben im Dorf, die anderen zogen weg.

Bürgermeisterin Jürgens erinnerte daran, dass nicht nur Juden, sondern auch kranke und behinderte Menschen, Homosexuelle, Sinti und Roma vom NS-Regime brutal verfolgt wurden: „Es war ein grausamer, systematisch organisierter Massenmord.“

Alle 29 Namen auf Tafel

Mitten im Ortskern, gegenüber der Kirche, wurde daraufhin die Gedenktafel enthüllt. Sie zeigt einen kurzen Abriss der damaligen Geschehnisse und listet die Namen und das Schicksal aller 29 Juden auf, die 1933 noch in Bremke lebten.

Zu Wort meldete sich auch Ellen Brombacher, Enkelin von Brunhilde Meyerstein, die mit Glück die NS-Herrschaft überlebte - als einzige aus ihrer Familie. Sie dankte der Bremker Dorfgemeinschaft und vor allem dem Ortsrat und dem Heimat- und Kulturverein für das Gedenken. Es war Brombacher gewesen, die eine solche Erinnerungsaktion angeregt hatte.

Von Matthias Heinzel

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