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Gleichen Mobiles Marionettentheater besucht Pflegeeinrichtungen
Die Region Gleichen Mobiles Marionettentheater besucht Pflegeeinrichtungen
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00:21 18.01.2019
Gernot Hildebrand spielt „Das Riesenspielzeug“ nach einer Ballade von Adelbert von Chamisso. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Gernot Hildebrand ist Regisseur, Dramaturg, Schauspieler und Bühnenbildner in Personalunion. Mit seinem mobilen Marionettentheater „Theater aus der Truhe“ ist der 50-jährige Northeimer in ganz Deutschland unterwegs und besucht Pflegeeinrichtungen, Gottesdienste und tritt bei öffentlichen Veranstaltungen auf.

Einsamkeit, Schmerz, Verlust, Umnachtung – „Ich gehe dahin, wo es wehtut“, sagt Hildebrand und meint damit die Pflegeeinrichtungen, in denen er 95 Prozent seiner Vorstellungen absolviert. Wenn er mit seinen Puppen in die Besucherzimmer kommt, seien die Bewohner oft zusammengesunken, wenn er rausgeht, würden sie singen. Selbst demente Bewohner sprächen plötzlich bekannte Texte mit. „Da passiert wirklich was mit den Menschen“, sagt Hildebrand. Für ihn sei das Marionettentheater keine künstlerische Selbstverwirklichung, sondern Mittel zum Zweck, „um den Menschen ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen“.

Früher für eigene Kinder gespielt

Eine große Portion „Fernwehsucht“ und sein Glaube trieben ihn an, sagt Hildebrand. Seit 2010 ist er mit seinem Theater selbstständig und bis zu 300 Tage im Jahr im Einsatz. Das mache ihm viel Spaß, sei aber auch wahnsinnig anstrengend und finanziell eigentlich nicht haltbar. Doch als er mit drohender Arbeitslosigkeit konfrontiert gewesen sei, habe er den Sprung gewagt und das, was er seit 1999 „just for fun nebenbei“ für seine Kinder gemacht hat, auf professionelle Füße gestellt.

Das Theaterspielen ähnele seiner vorherigen Tätigkeit als Orthopädietechniker. Auch jetzt arbeite er feinmechanisch und vor allem psychologisch. Damals habe er immer mit versehrten Menschen zu tun gehabt. Mit Menschen, die von Kindesbeinen an geschädigt waren, ein schweres Trauma erlitten hatten oder altersbedingt Hilfe benötigten. Das habe ihn gut vorbereitet.

200 Jahre alte Truhe umfunktioniert

Die erste Truhe, die Hildebrand zum mobilen Theater umfunktionierte, war eine alte Truhe seiner Ehefrau. Doch über die Jahre gab es immer mehr, was verbesserungswürdig gewesen sei. Deshalb begann Hildebrand neben seinen Auftritten damit, eine etwa 200 Jahre alte, handgefertigte Aussteuer-Truhe aus dem Münsterland umzubauen.

1500 Arbeitsstunden und viereinhalb Jahre hat er dafür gebraucht. Alles hat Hildebrand selbst gemacht: Vorrichtungen verschweißt, elektrische Leitungen für Lichteffekte verlegt und das Bühnenbild mit Klettverschlüssen versehen, sodass es auf Rollen rotieren kann. Zusätzlich eingebrachte Schubladen beherbergen die verschiedenen Marionetten. „Für mich lebt das Puppenspiel von guter Ausstattung.“ Kleinigkeiten, die aber gut funktionieren müssen, sagt Hildebrand.

Marionetten in Prag entdeckt

Auf die Idee zu einem Marionettentheater ist der 50-Jährige in Prag gekommen, wo er seine ersten Figuren entdeckt hat. „Wenn du so tolle Figuren hast, kannst du auch Puppentheater spielen“, habe er sich damals gedacht. 46 Marionetten besitzt er mittlerweile – alle aus Prag, in der sie an jeder Straßenecke zu finden seien. Zurück gehe diese Tradition auf die Biedermeierzeit, in der es viele kleine Hausmarionettentheater gegeben habe. Für die Streiche von „Max und Moritz“ hat Hildebrand sogar Sonderanfertigungen bei einem 85-jährigen Künstler in Auftrag gegeben, erzählt er.

Die Figuren seien alle in serieller Handarbeit entstanden. Die Köpfe sowie Hände und Füße werden aus Gips gegossen, der Korpus besteht aus leichten Holzstücken. Bei den Marionetten handelt es sich um Stabmarionetten, bei denen die vier Gliedmaßen mit vier Fäden versehen sind. Das „böhmische Kreuz“, in dem sie zusammenlaufen, erlaube es, mehr als eine Figur pro Hand zu bewegen, erklärt Hildebrand. Das Spielen habe er sich selbst beigebracht.

Elf Stücke im Repertoire

Mittlerweile gehören elf Stücke zum festen Repertoire, davon sechs Märchen, biblische Geschichten und Wilhelm Buschs „Max und Moritz“. Die Dauer der Vorstellungen reicht von fünf bis fünfundvierzig Minuten. Bis danach wieder alles in der Truhe verstaut ist, braucht Hildebrand eine Stunde. Oft geht es danach gleich weiter zum nächsten Auftritt.

Wer Gernot Hildebrand in Aktion sehen möchte, hat dazu am Sonnabend, 23. Februar, um 14 Uhr im Feuerwehrhaus Rittmarshausen, Am Bahnhof 7, Gelegenheit.

Von Nora Garben

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