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Gleichen Großes Haus für einen kleinen Ort
Die Region Gleichen Großes Haus für einen kleinen Ort
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13:00 29.11.2016
Von Markus Scharf
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Etzenborn

Und die war an diesem Projekt maßgeblich beteiligt. 2000 Stunden Eigenleistung haben die Etzenborner investiert. Maler- und Tischlerarbeiten, Dämmung, Elektrik, Pflaster- und Fliesenlegen wurden von Männern aus dem Dorf oder befreundeten Handwerker erledigt. "Das hat richtig Spaß gemacht", sagte Ortsbrandmeister Christoph Müller, "immer waren helfende Hände da". Und immer habe es reichlich Verpflegung aus dem Dorf gegeben. Wenn in den letzten zwei Jahren in Etzenborner gefragt wurde "Wo ist denn Papa?", war die Antwort meistens "auf'm Bau".

Intensive Bürgerbeteiligung

Nachdem der erste Antrag auf ein Etzenborner Feuerwehrhaus mit Dorfgemeinschaftsraum bei der Gemeinde im Jahr 2000 gescheitert war, nahm der Ortsrat 2012 einen zweiten Anlauf. Es entstand ein "Masterplan 2015", der im Dezember positiv beschieden wurde. Für den Bau sollten 250 000 Euro fließen, vorab gab es 25 000 Euro für die Planung. Schon daran waren die Bewohner des 200-Seelen-Dorfes intensiv beteiligt.

Der Entwurf des Architekten wurde einmal von links nach rechts und dann von vorn nach hinten gekrempelt, erzählte Ortsbürgermeister Dietmar Müller während der Feierstunde schmunzelnd. Am 18. August 2014 kam dann der Bagger.

"Nur mit Hilfe der Eigenleistung konnte sich die Gemeinde Gleichen diese Investition  überhaupt leisten", lobte Werner Wille als Vertreter des Gleichener Gemeinderates das Engagement. Was in größeren Ortschaften wegen der Anonymität gar nicht denkbar gewesen wäre, habe in Etzenborn hervorragend funktioniert. Gemeindebrandmeister Heiko Böhlken schickte hinterher: "In vielen Orten wird mit Blick auf den demografischen Wandel gefragt: Brauchen wir das noch? Wollen wir das noch leisten? Etzenborn zeigt: Man kann es auch anders machen."

Gut gelaunt zur Einweihung

Und obwohl sich die effektiven Baukosten am Ende auf über 430 000 Euro addiert haben, konnte das Projekt realisiert werden. Mit zwei Nachträgen im Gemeindehaushalt und nicht unerheblichen Beiträgen aus dem Ort. So konnte die bisher genutzte Immobilien an die Kirche verkauft werden. Die Arbeitsstunden lassen sich mit 20 000 Euro gegenrechnen und schließlich wurden etwa 7000 Euro Spenden eingeworben. Ein Wert ließe sich dabei gar nicht beziffern, sagte Kreisbrandmeister Karl-Heinz Nießen abschließend: "Wenn am Ende eines solchen Projekts noch alle gut gelaunt zur Einweihung kommen, dann zeigt das, wie dieses große Haus den kleinen Ort zusammengeschweiß hat."