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Gleichen Neue Unruhen um Domäne und das Ruz in Reinhausen
Die Region Gleichen Neue Unruhen um Domäne und das Ruz in Reinhausen
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17:57 09.01.2019
Die Domäne Reinhausen könnte demnächst verkauft werden. Betroffen davon wäre das Bildungszentrum Ruz. Quelle: Christina Hinzmann / GT
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Reinhausen

Ist das Bildungszentrum Ruz auf der Domäne in Reinhausen langfristig gesichert? Nach einem Spitzengespräch gibt es dazu unterschiedliche Aussagen. Dabei spielt auch ein Deal um Ackerflächen in drei Gemeinden eine Rolle.

Die Unruhe um das Regionale Umweltbildungszentrum (Ruz) Reinhausen hält an. Um den Jahreswechsel war zunächst die Nachricht durchgesickert, die Domäne und damit das Ruz seien gerettet. Das Land Niedersachsen habe Überlegungen, die Ländereien samt Hofstatt an den Pächter zu verkaufen, zurückgezogen. Das aber stimmt nur eingeschränkt. Eine Teilfläche steht weiter zur Disposition. Und auch die Gebäude sind nicht wirklich aus dem Rennen. Zugleich versichern alle Beteiligten, das Ruz werde in jedem Fall abgesichert – und unter Federführung des Ministeriums für Ernährung und Landwirtschaft noch gestärkt.

Den neuen Unruhen vorausgegangen war ein Spitzentreffen im Dezember mit dem Landesbeauftragten für Regionale Landentwicklung Braunschweig, Matthias Wunderling- Weilbier, dem auch die Domänenverwaltung des Landes untersteht, sowie dem Göttinger Landrat und den Bürgermeistern von Gleichen, Rosdorf und Göttingen. Danach verbreitet Teilnehmer „die frohe Botschaft“, dass die Flächen und Gebäude des Ruz-Reinhausen nicht verkauft werde. Und dass die Ministerien für Landwirtschaft und Umwelt gemeinsam ein Konzept erstellen wollen, um das Bildungszentrum auszubauen.

„Es gab nie die Absicht, die Domäne zu verkaufen“, versicherte am Dienstag der Landesbeauftragte Wunderling-Weilbier auf Nachfrage – und schob ein „Aber“ hinterher. Wenn es die regionale Wirtschaft, Landwirtschaft und Entwicklung der Kommunen stärkt, könnte durchaus Teilflächen der Domäne „als Kompensationsfläche“ angeboten und veräußert werden.

Der Land-Deal

Was dahinter steckt und seit vergangenem Sommer die schwelende Diskussion um die Domäne und Sorge um das Ruz ausgelöst hat, erklärt Rosdorfs Gemeindebürgermeister Sören Steinberg (SPD): Die Stadt Göttingen will eine private Ackerfläche in Grone von ihrem Besitzer übernehmen, um dort Platz für Wohnhäuser zu schaffen. Der Projektentwickler VGP will eine Ackerfläche auf dem Siekanger auf Rosdorfer Gemeindegebiet vom derzeitigen Eigentümer kaufen, um dort weitere Logistikhallen zu bauen.

Beide Flächen gehören einem Groner Landwirt, der mit einer Betriebsgemeinschaft auch die Domäne Reinhausen bewirtschaftet. Wenn er an Göttingen und VGP verkaufen sollte, braucht er Ersatzflächen im Eigentum, um seinen Landwirtschaftsbetrieb weiter führen zu können – auch aus steuerlichen Gründen. Die könnte er bekommen, wenn er bisher gepachtet Flächen der Domäne vom Land kauft. Für Wunderling-Weilbier ist das eine gezielte Förderung der Region: „Dabei reden wir aber nur von einem ganz kleinen Flächenanteil, „vielleicht 15 bis 20 Hektar“. Die Gespräche dazu liefen noch.

Die Gebäude – ein Sonderfall

Völlig unabhängig davon seien die Domänen-Gebäude zu betrachten, erklärt Wunderling-Weilbier weiter. In Kürze laufe der Pachtvertrag für die Domäne aus. An diesem Punkt stehe im Rahmen der Pächtertreue auch die Option, dass ein Pächter die Hofstatt einer Domäne übernehmen kann, wenn er es will. Das aber stehe erst bei Vertragsverlängerung zur Diskussion. Ob der Pächter das will, ist offen. Mehrere Versuche einer Kontaktaufnahme blieben erfolglos.

Sollte es an diesen Punkt kommen, ist auch denkbar, dass der Pächter nur die von ihm genutzten Gebäude kauft und die Ruz-Einheit in Landesbesitz bleibt, ergänzte Gleichens Bürgermeister Manfred Kuhlmann (SPD). Zwei Wohngebäude der Domäne seien schon verkauft – eines davon an den Pächter. Der nutzte darüber hinaus eine Scheune, einen alten Kuhstall und ein Unterstellgebäude für Landmaschinen. Einen Teil des Hauptgebäudes, Hofflächen und nahe Äcker nutzt das Ruz. Auf wechselnden Ackerflächen baut das Ruz mit Kita-Kindern und Schülern jährlich Kartoffeln und andere Früchte an.

Proteste nach ersten Verkaufsgerüchten

Als die ersten Informationen über einen möglichen Verkauf der Domäne bekannt wurden, gab es heftige Proteste. Schulen und andere Nutzer sorgten sich ebenso um deren Zukunft wie Politiker aus Gleichen und im Göttinger Kreistag. Der Ortsrat Reinhausen und die Gemeinde Gleichen fürchten zudem, dass eine spätere Erweiterung des Dorfes erschwert wird, wenn die Äcker vom Landes- in Privatbesitz übergehen. Und die Grünen im Landtag forderten beim Verkauf der Domäne eine offene Diskussion in den Finanzgremien und eine Ausschreibung.

Zu den Unterstützern des Ruz gehört seit einem Besuch der Domäne im und des Tageblattes vergangenen Spätsommer auch Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU). Aus ihrem Haus hieß es am Mittwoch: „Falls kleinere Teilflächen verkauft werden sollten, um erwünschte Infrastrukturmaßnahmen in Südniedersachsen zu unterstützen, sollen andere Einrichtungen (zum Beispiel das Ruz Reinhausen) nicht beeinträchtigt oder infrage gestellt werden. Im Gegenteil: Das Ministerium befasse sich zurzeit mit Möglichkeiten, das Ruz über das gegenwärtige verlässliche Maß hinaus abzusichern. Dabei soll es nach Tageblatt-Informationen auch um eine andere Trägerschaft und andere Finanzierungsmodelle gehen. Die Ministerin hatte zudem selbst Überlegungen für ein „Zentrum für Ernährung und Hauswirtschaft“ in Niedersachsen ins Spiel gebracht.

Von Ulrich Schubert

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