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Gleichen „Ich dachte am Anfang, ich bin in Bullerbü gelandet“
Die Region Gleichen „Ich dachte am Anfang, ich bin in Bullerbü gelandet“
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00:22 13.05.2019
Ruth Pinggera lebt seit sieben Jahren in der Gemeinde Gleichen. Quelle: Hinzmann
Gleichen

2012 zog die 64-Jährige von Berlin in das etwa 230 Einwohner zählende Dorf Kerstlingerode. Sie sagt: „Ich dachte am Anfang, ich bin in Bullerbü gelandet.“

Organisatorisches liege ihr eigentlich nicht, erzählt Pinggera lachend. Zugesagt hat sie trotzdem, als die bisherige Koordinatorin ihr statt einer Mitarbeit die ehrenamtliche Leitung der Nachbarschaftshilfe vorschlug. Ausgestattet mit einem Handy von der Gemeinde ist sie seitdem für die Gleichener eine verlässliche Ansprechpartnerin.

„Wir springen im Notfall ein“

Das Projekt Nachbarschaftshilfe existiert seit 2011 und geht auf die Initiative des Landkreises Göttingen zurück, berichtet Pinggera. Etwa 40 Freiwillige sind bei ihr gemeldet, zehn bis 15 seien aktiv dabei. Jeder von ihnen hat angegeben, womit er unterstützen möchte. Zu den Angeboten gehören unter anderem die Begleitung zum Arzt, Hilfe beim Einkauf, den Hausaufgaben sowie Kinder- und Tierbetreuung. Im Durchschnitt vermittelt Pinggera einmal in der Woche jemanden. Am häufigsten benötigt wird der Fahrdienst. Dabei handelt es sich immer um kurzfristige Hilfestellungen, denn die Nachbarschaftshilfe darf gewerblichen Dienstleistern keine Konkurrenz machen. „Wir springen im Notfall ein“, betont Pinggera.

Feste Bezugspersonen

Es sind meist ältere Menschen, die die Nachbarschaftshilfe brauchen. Einige melden sich auch, wenn sie gerade niemanden benötigen, aber wissen wollen, ob sie sich im Fall der Fälle auf Unterstützung verlassen können. Das gibt ihnen ein Stück Sicherheit, sagt Pinggera. Auch ein paar Jüngere haben das Angebot schon genutzt, zum Beispiel nach einer Operation. Braucht jemand erneut Hilfe, meldet sich derjenige meist direkt bei dem Freiwilligen, der ihm bereits geholfen hat. So gibt es immer mehr feste Bezugspersonen, erklärt Pinggera. Neue Mitstreiter sind gerne gesehen, „aber es ist keine tagesfüllende Aufgabe“.

30 Jahre in Berlin gelebt

Die gebürtige Österreicherin hat Sozialarbeit studiert und kam für ihre erste Stelle nach Deutschland. Über 30 Jahre lang hat sie Berlin gelebt, bevor sie mit ihrem Lebensgefährten nach Kerstlingerode gezogen ist. „Ich wollte unbedingt aufs Land“, erzählt Pinggera. Sie arbeite gerne im Garten, wandert oder fährt Fahrrad, liest oder guckt Filme. Der Wunsch, sich „wieder mit der Natur zu verbinden“, sei immer stärker geworden. „Ich liebe die Ruhe, ich brauche dieses ganze Heckmeck nicht mehr“, sagt sie grinsend.

Ins Dorfleben integriert

In das Dorfleben haben sich beide schnell integriert. Die 64-Jährige trat in den Frauenchor und die Frauensportgruppe ein und fühlte sich gut aufgehoben. „Es lag an uns, dass wir uns gerne eingebracht haben“, sagt sie rückblickend. Sich einbringen, etwas Gutes für die Allgemeinheit tun – das ist etwas, das Pinggera wichtig ist. Doch auch wenn sie die Koordination der Nachbarschaftshilfe aus idealistischen Gründen übernommen hat, wie sie sagt, vertritt die 64-Jährige eher einen pragmatischen Ansatz. „Ich kann es nur so machen, wie ich es für richtig und gut erachte.“

Netzwerk Nachbarschaft

Alle zwei Monate organisiert Pinggera ein Ehrenamtlichentreffen, wo sich die Freiwilligen kennenlernen können – „wie ein Dorfplatz“, auf dem man sich austauscht, erklärt sie. Dabei geht es auch darum Informationen über andere Hilfsangebote auszutauschen. „Vernetzung ist ganz wichtig.“ Deshalb ist auch geplant, ein Netzwerk Nachbarschaft zu gründen, in dem sich alle Vereine, Initiativen und Einrichtungen gegenseitig unterstützen.

Regelmäßige Aktionen

Um die Nachbarschaftshilfe bekannter zu machen, richtet die 64-Jährige Aktionen wie den zweimonatlichen Suppentreff und saisonale Kochnachmittage aus. Sie stellt sich bei Bürgermeistern vor, besucht Seniorennachmittage und Sitzungen von politischen Gremien. Es sei nicht viel, was sie tun kann, sagt Pinggera, aber „denen, die anrufen, kann ich helfen, und das ist es wert“.

Die Nachbarschaftshilfe ist telefonisch unter 0160/93402666 erreichbar oder per E-Mail an Nachbarschaftshilfe-Gleichen@web.de.

Von Nora Garben

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