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Gleichen Gleichen: Wege der Trauer – Wege des Lebens
Die Region Gleichen Gleichen: Wege der Trauer – Wege des Lebens
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17:51 21.11.2019
Friedhöfe, so wie hier der Göttinger Stadtfriedhof, sind in erster Linie Orte für die Lebenden. Das ist die Ansicht von Matthäus Vogel, der am Sonnabend in Rittmarshausen zum Thema sprechen will. Quelle: Meinhard
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Ein Wochenende der Begegnung zum Thema „Sterben, Tod und Trauer“ veranstaltet der Kulturverein Rittmarshausen am Freitag und Sonnabend, 22. und 23. November, im Schloss und in der Kirche St. Marien in Rittmarshausen. Kooperationspartner sind die evangelisch-lutherische Apostelgemeinde, die evangelisch-reformierte Gemeinde Sattenhausen, der evangelisch-lutherische Kirchenkreis Göttingen und der evangelisch-reformierte Synodalverband Plesse. Am Sonnabend will der Leiter der Friedhofsverwaltung Karlsruhe, Matthäus Vogel, auf Einladung des Kulturvereins einen Vortrag halten unter dem Motto „Friedhof – ein Ort für die Lebenden“. Der Eintritt ist frei, Spenden sind erwünscht. Im Vorfeld sprach das Tageblatt mit Vogel.

„Der Tod wird immer ein Mysterium bleiben“

Wer zum Friedhof geht - lebt. Allein durch die Besucher werden Friedhöfe zu Orten für die Lebenden. Dennoch wollen Sie darüber hinaus auf einen Aspekt hinweisen, der mit Lebendigkeit zu tun hat - können Sie den bitte erläutern?

Den Friedhof brauchen die Lebenden wesentlich mehr als die Toten, weil sie dort emotionale Nähe zum Verstorbenen erleben und einen sehr positiven Aspekt ihrer Trauerphase erleben. Sie erleben Friedhof auch als einen Lebensbereich. Als Beispiel dienen unsere Kinderwelten, die unter anderem auch als normaler Spielplatz auf dem Friedhof konzipiert sind.

Tod, Trauer und Sterben sind allgemein Tabuthemen, denen die meisten Menschen so lange wie möglich aus dem Wege gehen. Ein Fehler? Oder ein notwendiger Schutz vor dem Unausweichlichen, das immer ein Mysterium bleibt?

Kein Fehler; eine ganz normale Angelegenheit. Wer möchte denn schon, dass ein spannender und interessanter Film zu Ende geht? Und zudem wird der Tod auch immer ein Mysterium bleiben, das in erster Linie das Leben beendet.

Die Art der Trauer und der Trauerbewältigung ist durchaus abhängig von der jeweiligen ethnischen Tradition. Bei anderen Völkern sind sogar Festmahle an den Gräbern von verstorbenen Verwandten und Freunden üblich. Könnte dieser ungezwungene Umgang mit dem Tod zumindest ein Stück weit Vorbild für mitteleuropäische Menschen sein?

Ein Stück weit schon, aber als Kopie meines Erachtens nach nicht übertragbar. Riten und Bräuche haben in verschiedenen Kulturen auch unterschiedliche Ausprägungen und Ergebnisse.

Die Zeitspanne, die Menschen miteinander verbracht haben, ist in aller Regel ein Posten auf der Habenseite. Lässt sich an den Tod auch anders herangehen als mit bitterer oder maßloser Trauer? Nämlich mit der Freude über das Erlebte?

Ja, das ist möglich. Aber das Hemd ist jedem von uns näher als die Hose; will heißen: Akut habe ich etwas verloren. Dass in der Vergangenheit positive Erfahrungen gemacht werden konnten, macht meine akute Trauer nicht nur leichter, sondern im Moment vielleicht noch größer.

Hat Ihr persönliches Leben und Handeln einen religiösen Hintergrund? Wenn es der christliche ist: Sind Sie dann davon überzeugt, dass es ein Wiedersehen gibt, vielleicht in einer Landschaft, die den schönsten Friedhof auf Erden weit in den Schatten stellt?

Ja, ich bin Christ, wurde so erzogen und habe auch christliche Überzeugungen. Mit dem Glauben an ein geistiges Weiterleben ist natürlich auch der Trost auf ein Wiedersehen verbunden. Ob dies in einer irdischen Umgebung geschieht, weiß ich nicht. Und ob das in einer bestimmten Umgebung geschieht, sprengt mit Sicherheit unser menschliches Vorstellungsvermögen.

„Hohe Achtung vor Leben und Tod“

Das Programm beginnt am Freitag, 22. November, um 18 Uhr mit einer musikalischen Andacht in der Kirche St. Marien in Rittmarshausen, begleitet von Jazzmusikern aus der Region. Ab 19.45 Uhr wird in der Kirche der Film gezeigt „Nokan oder die Kunst des Ausklangs“ (Japan 2008). Am Sonnabend liest Elias Heintz im Saal des Schlosses von Rittmarshausen aus dem Roman „Der Junge, der Gedanken lesen konnte – ein Friedhofskrimi“ von Kirsten Boie. Der Vortrag von Matthäus Vogel, ebenfalls im Schloss, beginnt um 18.45 Uhr.

Matthias Heintz vom Kulturverein hat bereits einen Vortrag von Vogel gehört und findet dessen Überlegungen überzeugend. Ein Friedhof sei „in vielschichtiger Weise ein Ort, wo nicht nur Hinterbliebene, Trauernde, sondern auch Menschen aller Generationen, einschließlich der Kinder, sich mit dem Sinn des Lebens, überhaupt mit dem Leben und der Endlichkeit des Lebens, der eigenen Biografie und der Fragestellung, wie ich leben, wie ich sterben und wie ich bestattet sein möchte, auseinandersetzen können“, so formuliert es Heintz. Er hat bereits den Karlsruher Friedhof besucht und spricht von einem „wunderschönen Park mit altem Baumbestand, liebevoller Landschaftsgestaltung, Skulpturen zum Thema ’Leben und Tod’, Gedichten und einem besonderen Spielplatz für Kinder, auf dem sie auch ihre Gedanken zum Thema zum Ausdruck bringen können. Ich habe mich sehr bereichert gefühlt nach diesem Besuch, immer mit dem Gefühl verbunden, dass hier Menschen mit sehr viel Feingespür und hoher Achtung vor dem Leben und dem Tod am Werk waren und sind.“

Von Ulrich Meinhard

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