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Gleichen „Wer keine Bücher liebt, der tut mir leid“
Die Region Gleichen „Wer keine Bücher liebt, der tut mir leid“
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17:00 29.10.2019
Elke Hardt (links) und Heidemarie Weidemann arbeiten ehrenamtlich in der Reinhäuser Bücherei. Quelle: Tobias Christ
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Reinhausen

Der Umzug ist geschafft: Die Bücherei in Reinhausen hat am Rosental 1 ihren neuen Standort bezogen. Vier Wochen hat es gedauert, die Bücher, CDs und DVDs aus der alten Bibliothek am Kirchberg an die neue Lesestätte zu verfrachten. Etwa 9000 Medien mussten eingepackt, transportiert, ausgepackt und sortiert werden, sagt Bibliothekarin Heidemarie Weidemann.

Tatkräftige Mithilfe erhielten sie und ihre Mitarbeiterin Elke Hardt von 14 Freiwilligen und dem Bauhof der Gemeinde, der die Regale abbaute und in dem ehemaligen Wohnhaus installierte. „Die größte Herausforderung des Umzugs war die Terminabsprache mit den Helfern“, so Weidemann. Seit 19 Jahren leitet sie die Bücherei des 1400-Seelen-Ortes ehrenamtlich, Hardt ist seit etwa 16 Jahren dabei. Der Medienbestand hat sich seitdem mehr als verdoppelt. Bücher für alle Altersklassen stehen zur Ausleihe bereit: „Wir haben Lesestoff von Null bis 99“, lacht die Bibliothekarin.

Eine Bibliothek mit Terrasse

Auch auf der Gartenbank kann gelesen werden. Quelle: Tobias Christ

Seit Mitte September hat die Bücherei wieder geöffnet, mittlerweile können die Leseratten auch draußen auf der Terrasse schmökern. Dank eines Zuschusses der Volksbank Mitte konnte eine Gartenbank gekauft werden, die auf dem kleinen Hof zum Verweilen einlädt. Doch es sind nicht nur die beiden Mitarbeiterinnen und Bücher, die die Bibliothek zu etwas Besonderem machen: „Die Bibliothek steht und fällt mit den Aktivitäten der Ehrenamtlichen“, sagt Gemeinde-Bürgermeister Manfred Kuhlmann. Und Ideen für Aktivitäten bringen Hardt und Weidemann viele mit.

So ist diese Woche der „Halloween-Keller“ für Kinder geöffnet. Zwischen leuchtenden Gespenstern dürfen sich die Kleinen dort aus der Süßigkeitenschale bedienen. Vor Kurzem hatte die Bücherei außerdem zum „Star Wars reads day“ eingeladen: „Da haben sie uns überrannt“, meint Weidemann. Mehr als 50 Kinder wollten Geschichten über Lichtschwerter und Jedi-Ritter lesen und hören. Zudem gibt es alle zwei Jahre eine kleine Buchmesse.

Was ebenfalls gut läuft, sind die Buchpatenschaften. „Dabei können Bücher gekauft und anschließend der Bücherei gespendet werden. Der Spender wird mit einem Aufkleber im Einband verewigt. Ein ganzes Regal voller Patenschaftsbücher zeugt vom Erfolg der Aktion.

Nach Themengebieten geordnet

Organisiert ist die Bücherei nach Themengebieten, so haben Sachbücher sowie Werke für Kinder und Jugendliche ebenso wie Belletristik jeweils einen eigenen Raum – „wie vorher auch“, nur ein Lagerraum fehlt im neuen Gebäude. Verstärkt nachgefragt würden seit einigen Jahren Hörbücher, auch damit kann die Bibliothek dienen. Etwa 1000 Besucher kämen im Jahr, 5000 Ausleihen verzeichnen sie in diesem Zeitraum. „Ich hätte gedacht, dass es mit dem Aufkommen der E-Books weniger wird“, sagt Weidemann – doch sie täuschte sich. „Das hat so gut wie keinen Einfluss gehabt.“

„Wer keine Bücher liebt, der tut mir leid“, sagt Hardt. Die beiden Mitarbeiterinnen sind immer mit Herz und Seele dabei, „erfinderisch und kreativ bei der Ansprache neuer Nutzer“, wie Bürgermeister Kuhlmann meint. „Ich würde mir wünschen, dass die Besucherzahlen weiter steigen“, sagt Weidemann. Viele Nutzer sind im Grundschulalter, Jugendliche besuchen die Bücherei selten: „Die müssen wir an die Stadtbibliothek Göttingen abtreten“, denn nur dort gebe es die weiterführenden Schulen. Dennoch würden mehr Kinder- und Jugendbücher ausgeliehen als Romane, erläutert sie. Persönlich liest Weidemann gern Fantasy, „da bin ich Fan“. Wer seine Phantasie durch die richtige Lektüre anregen möchte, kann dies zu den Öffnungszeiten montags von 17 bis 19.30 Uhr und mittwochs von 15.30 bis 17 Uhr tun.

Zwei Umzüge in der Bücherei-Geschichte

Die Bücherei in Reinhausen existiert seit mehr als 50 Jahren. Die damals selbstständige Gemeinde hatte sie im Jahr 1966 in einem kleinen Raum im Dorfgemeinschaftshaus eingerichtet. Später ging die Bibliothek an die neue Gemeinde Gleichen über, bevor im Jahr 1999 der erste Umzug anstand: Sie musste zugunsten einer Polizeistation weichen. Ein Jahr dauerte die Pause, bis im ehemaligen Hospitalgebäude ein neuer Standort für die Leih- und Lesestätte gefunden wurde. Der neue Ort am Kirchberg, direkt zwischen Grundschule und Kindergarten, war ideal für die Bücherei. Nun musste in diesem Jahr erneut umgezogen werden, da die Freie Schule Reinhausen das obere Schulgebäude benötigt. Deshalb musste der Kinderhort daraus weichen – er wurde nun am Kirchberg untergebracht. Die Gemeinde machte sich also auf die Suche nach einem neuen Standort – und wurde gegenüber des Dorfgemeinschaftshauses im Rosental 1 fündig. Es hieß also wieder: einpacken, transportieren, auspacken, einsortieren.

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Von Tobias Christ

Der Reinhäuser Verlag AST Text und Bild Medien bewirbt sich mit dem Journal G für den Innovationspreis. Das Magazin für die Gemeinde Gleichen erscheint zweimal im Jahr.

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