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Göttingen 1000 Beschäftigte beteiligen sich an Warnstreik
Die Region Göttingen 1000 Beschäftigte beteiligen sich an Warnstreik
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21:25 09.03.2012
Von Michael Brakemeier
Abschluss am Alten Rathaus Göttingen: Verdi-Sprecher Lothar Richter ist mit dem Streikverlauf zufrieden.
Abschluss am Alten Rathaus Göttingen: Verdi-Sprecher Lothar Richter ist mit dem Streikverlauf zufrieden. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

„Der öffentliche Nahverkehr in Göttingen steht still“, rief Lothar Richter, stellvertretender Verdi-Geschäftsführer aus  Göttingen, den Demoteilnehmern unter Jubel zu. Die 170 Busfahrer der Göttinger Verkehrsbetriebe (GöVB) ließen gestern ab 4.30 Uhr ihre Busse stehen. Die GöVB versuchte, den Nahverkehr am Freitag mit Bussen der Nahverkehrsgesellschaft (NVG) und einem Notfahrplan aufrecht zu halten.

Notgruppen

Unter anderem beteiligten sich Mitarbeiter aus den Verwaltungen aus Stadt und Landkreis Göttingen, aus Rosdorf Bovenden und Hann. Münden an dem Warnstreik. In Göttingen blieben zwei Kindertagesstätten geschlossen, in Northeim vier. In anderen lief der Betrieb in Notgruppen. Gestreikt wurde außerdem in den Bauhöfen und in den Sparkassen Göttingen, Hann. Münden, Einbeck und Duderstadt. Ebenso waren die Göttinger  Entsorgungsbetriebe und die Deponie in Deiderode vom Streik betroffen.

Bei der Abschlusskundgebung vor dem Alten Rathaus bekräftigte Sebastian Wertmüller, Geschäftsführer des Verdi-Bezirks Süd-Ost-Niedersachsen, die Gewerkschaftsforderungen bei den laufenden Tarifverhandlungen: 6,5 Prozent mehr Lohn, mindestens eine Erhöhung von 200 Euro und für Auszubildende eine Erhöhung von 100 Euro. Weiter soll die unbefristete Übernahme der Auszubildenden tarifvertraglich geregelt werden. Er betonte, dass auch die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes nicht nur am wirtschaftlichen Aufschwung teilhaben, sondern für ihre „gute und verlässliche“ Arbeit auch gut bezahlt werden müssten. Wertmüller warnte davor, die Niedrigrunden der vergangenen Jahre fortzusetzen. Damit sei es schwierig, qualifiziertes Personal für den öffentlichen Dienst zu gewinnen. „In Zeiten, in denen kurzfristig beschäftigte Präsidenten mit Ehrensold plus Zubehör mit 500 000 Euro pro Jahr nach Hause gehen, ist es ein Schlag ins Gesicht für jeden Beschäftigten des öffentlichen Dienstes, in der ersten Verhandlungsrunde von den Politikern gesagt zu bekommen, dass für sie kein Geld da sei“, sagte Wertmüller.

"Warnstreik ist er der Anfang"

„Wir leisten ordentliche Arbeit. Dafür wollen wir vernünftig bezahlt werden“, sagte Thomas Pohl aus der Göttinger Stadtverwaltung. Kollege Rainer Kristan ergänzte, dass die Forderung nach mehr Lohn, auch in der Höhe, „absolut berechtigt“ sei. Sollten die Tarifverhandlungen, die in der kommenden Woche fortgesetzt werden, scheitern, sei er bereit, weiter zu streiken. Wertmüller sagte in Richtung Arbeitgeber: „Der Warnstreik ist erst der Anfang. Wir können noch mehr und wir halten das durch.“

Die Streikenden im öffentlichen Dienst sind am Freitag in Göttingen vom Neuen zum Alten Rathau gezogen. Nach Verdi-Angaben waren mehr als 800 auf der Demo und 100 bei den Göttinger Verkehrsbetrieben. Die Abschlusskundgebung fand am Gänseliesel statt.

Aus Sicht der bestreikten Verwaltungseinrichtungen und Betriebe verlief der Streiktag ohne nennenswerte Behinderungen. „Fast ohne Probleme. Ein ganz normaler Freitag“, sagte Göttingens Stadtsprecher Detlef Johannson. Einzig, dass das Städtische Museum für einen Tag schließen musste, sei bedauerlich. Mit mehr als 340 Anrufen bis zum Mittag hatten es die Mitarbeiter der GöVB zu tun. Meist Fragen zum Notfahrplan. Nur wenige „Pöbelanrufe“, berichtete Sprecher Manfred Mölder. Der Streiktag sei ruhig verlaufen. Auch die Müllabfuhr in Göttingen funktionierte weitgehend. Nur Sperrmüll blieb liegen.