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Göttingen Fast 1000 Teilnehmer bei Demo gegen rechte Gewalt
Die Region Göttingen Fast 1000 Teilnehmer bei Demo gegen rechte Gewalt
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16:22 31.03.2019
Demo gegen „faschistische Umtriebe“ und rechte Gewalt in der Göttinger Innenstadt. Quelle: Michael Brakemeier
Göttingen

Göttingen ist keine Stadt für Nazis. Hier ist kein Platz für faschistisches Gedankengut“, machte ein Sprecher aus der Göttingen Kneipe Salamanca zum Demoauftakt am Gänseliesel deutlich. In den vergangenen Monaten sei die Kneipe, so berichtete der Sprecher, immer wieder Ziel von neonazistischen Angriffen geworden. Das schaffe unter Gästen und Personal ein Klima der Angst.

Unter dem Motto „Es reicht! Gegen faschistische Umtriebe in Göttingen und überall“ hatte die linke Politikgruppe Basisdemokratische Linke Göttingen (BL) zu der Teilnahme an der Demo aufgerufen, um sich der „seit Monaten auftretenden rechten Gewalt geschlossen entgegenzustellen“. Knapp 1000 Menschen kamen dem Aufruf am Sonnabendnachmittag in der Spitze nach. An der Abschlusskundgebung auf dem Campus nahmen noch 700 teil. Die Polizei Göttingen sprach offiziell von 550 Teilnehmern. Unter den Teilnehmern waren außer der BL unter anderem Mitglieder der Antifa-Gruppe Redical M, Antifaschisten aus Einbeck von Die Linke und der Partei sowie vom Bündnis gegen Rechts Osterode.

Die Demoroute führte vom Gänseliesel durch die Rote Straße über den Wilhelmsplatz zur Weender Straße und von dort zum Campus. Zwischenfälle gab es keine. Die Polizei begleitete den bunten und lauten Demozug. Die Atmosphäre war entspannt.

Unter dem Motto „Es reicht! Gegen faschistische Umtriebe in Göttingen und überall“ hatte die Basisdemokratische Linke Göttingen für Sonnabend zu einer Demo aufgerufen.

Hintergrund der Demo zum jetzigen Zeitpunkt ist eine seit einigen Monaten in Göttingen aktive Gruppe von zehn „extrem rechten“ Männern und Frauen, die aus dem Umfeld der Identitären Bewegung und der Jungen Alternative stammen und die „gefestigte Beziehungen“ zu bekannten Neonazis wie Thorsten Heise (NPD) pflegen. „Sie sind nicht nur lokal aktiv, sondern arbeiten auch mit anderen rechten Strukturen aus der Umgebung zusammen“, urteilt die BL. „Nazis handeln selten alleine, die Strukturen sind untereinander vernetzt und unterstützen sich.“

Nächtliche Angriffe auf Personen

Was mit Pöbeleien, rassistischen Aufklebern im Göttinger Stadtbild und dem Zeigen des Hitlergrußes im Sommer letzten Jahres begann, steigerte sich in den darauffolgenden Monaten zu nächtlichen Angriffen auf Personen, die dem Weltbild der Naziclique nicht entsprechen“, heißt es in dem Aufruf.

So ist das Salamanca nicht die einzige Kneipe, in der es zu Übergriffen durch rechte Schläger gekommen ist. Im Februar griffen mehrere Männer ohne ein für Außenstehende erkennbares Motiv in der Sonderbar in der Kurzen Straße und dann im Folgenden auf der Straße vor der Gaststätte auf einen Mann ein. Auch sein Begleiter musste Prügel einstecken. Beide wurden durch die Schläge verletzt.

Demoabschluss auf dem Campus. Quelle: Brakemeier

Bereits im November griffen ebenfalls rechte Schläger zwei Männer am Theaterplatz an. Einer der Angegriffenen erlitt durch den Angriff mit einem langen metallenen Gegenstand schwere Verletzungen im Gesicht. Nach Tageblatt-Informationen soll es sich teilweise um dieselben Täter wie beim Sonderbar-Vorfall gehandelt haben.

Klima der Angst

Eine Sprecherin der Basisdemokratischen Linken kommentiert die Übergriffe: „Auch in Göttingen spüren wir den gesellschaftlichen Rechtsruck, der sich unter anderem auch in rechter Gewalt zeigt. Das, was wir im Moment beobachten können, ist der Beginn faschistischen Straßen-Terrors.“  So versuche die Gruppe, mit dieser Gewalt ein Klima der Angst zu schaffen.

„Eine stetige Radikalisierung der Gruppe ist zu beobachten“, sagte eine Sprecherin auf der Abschlusskundgebung der Demo. Durch Aktivitäten der vergangenen Monate werde deutlich, das die rechte Gruppe bestrebt sei, eine „militante Neonazi-Kameradschaft“ aufzubauen.

Die Demo zieht durch die Rote Straße

Im Gegenzug zu den Aktivitäten der jungen Neonazis kam es Anfang März zu einer „antifaschistischen Hausdurchsuchung in der Wohnung eines Cliquen-Mitgliedes. Unbekannte hatte die Wohnung in der Reinhäuser Landstraße in Göttingen aufgebrochen und verwüstet. Anschließend wurde Buttersäure und Bitumen vergossen. „Es wurden mehrere Datentraeger, zahllose Unterlagen und Briefe, Nazidevotionalien und Waffen beschlagnahmt“, heißt es dazu in einem im Netz aufgetauchten Bekennerschreiben.

Bei einem der Bewohner handelt es sich um einen 21-jährigen Mann, der zu den Angreifern vom Theaterplatz und Sonderbar gehört. Gegen ihn wird nach dem Vorfall am Theaterplatz wegen schwerer Körperverletzung und unterlassener Hilfeleistung ermittelt. Zudem ist er beschuldigt, Ende Juli am Carré Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verwendet zu haben.

Unterdessen haben namhafte, gut vernetzte Neonazis aus Thüringen und Sachsen Spendenaufrufe für die Göttinger gestartet.

Sie erreichen den Autor unter

E-Mail: m.brakemeier@goettinger-tageblatt.de

Twitter: @soulmib 

Von Michael Brakemeier

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