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Göttingen 120 Landwirte stellen Anträge auf Dürre-Hilfen
Die Region Göttingen 120 Landwirte stellen Anträge auf Dürre-Hilfen
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16:14 28.12.2018
Gerade bei Milchbauern wurde im Sommer 2018 das Futter für die Kühe knapp. Quelle: Rainer-Droese
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Göttingen/Northeim

Das liegt unter anderem an dem komplizierten System von Antragstellung, Bearbeitung und Auszahlung. Die Anträge mussten im November eingereicht werden. Die Gewährung von Hilfen ist an eine Vielzahl von Bedingungen geknüpft – es gibt Schadensuntergrenzen, Einkommenshöchstgrenzen, komplizierte Nachweispflichten und einiges mehr.

Dennoch hat in der erweiterten Region eine dreistellige Anzahl von Landwirten einen solchen Antrag gestellt. Von den 120 Bitten um Hilfen kamen fünf aus dem Raum Hildesheim, der Rest habe sich gleichmäßig auf Betriebe in den Landkreisen Göttingen und Northeim verteilt.

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Bearbeitung dauert an

Zu den Chancen auf Gewährung der Hilfen vermag Kellner nichts zu sagen. Das sei von den teils sehr unterschiedlichen Bedingungen der jeweiligen Betriebe abhängig. Die Bearbeitung dauere noch an. Eingereicht werden mussten die Anträge bis spätestens zum 30. November bei der Landwirtschaftskammer Northeim.

Der Sommer 2018 war einer der wärmsten und trockensten in die Geschichte der Wetteraufzeichnung. Entsprechend verzeichneten die Landwirte der Region unterdurchschnittliche Ernten. Die ungewöhnliche Trockenheit begann bereits im April und zog sich bis in den November hinein. Die Folge: Die Wiesen waren im Juli gelb statt grün. Und das flächendeckend: Viele der Betriebe in der Region betreiben Futtermittelanbau.

Überall auf den Hochflächen der Region, vor allem dort, wo kein Wasser in der Nähe fließt, gab es kaum noch Gras zu sehen. Die Landwirte mussten ihre Kühe im Stall statt auf die Weide lassen, denn zu fressen fanden sie draußen nichts mehr. Erst im späten Herbst war wieder ein Hauch von frischem Grün auf den Wiesen der Region zu sehen.

15 bis 20 Prozent weniger

Nicht nur das Grünfutter war betroffen. Zwar waren die Erntebedingungen optimal, die Ernte selbst aber fiel unterdurchschnittlich aus. Sowohl bei der Gerste als auch bei Mais, Rüben, Raps und Weizen verzeichneten Landwirte Einbußen. Die Trockenheit führte bei der Gerste zu Ertragseinbußen in Höhe von 15 bis 20 Prozent. Nur etwa 30 statt 60 Körner saßen an mancher Ähre. So früh wie im ablaufenden Jahr haben die Bauern ihr Getreide und Feldfrüchte wohl noch nie eingeholt.

Alles das schlug massiv auf die Bilanzen der Landwirte durch. Für niedersächsische Bauern wurden laut Landwirtschaftsministerium 35,6 Millionen Euro Dürre-Hilfen bereitgestellt. Die Hilfen sollen als nicht rückzahlbare Zuschüsse gewährt werden. Doch längst nicht jeder hat Anspruch darauf.

Niedersachsen konzentriert sein Hilfsprogramm auf Betriebe, die in ihrer Existenz bedroht sind. So muss der naturale Schaden – also die Ernteeinbußen – mehr als 30 Prozent betragen, um überhaupt einen Cent der Hilfe zu bekommen.

Nicht mehr als 120000 Euro

Außerdem gilt eine „Prosperitätsgrenze“: Landwirte dürfen über nicht mehr als 90000 Euro (Alleinstehende) oder 120000 Euro (Ehepaare) an positiven Einkünften verfügen. Berechnungsgrundlage ist dabei der Durchschnitt der drei Wirtschaftsjahre davor. Zudem wird ein Teil des Privatvermögens zur Berechnung herangezogen – derjenige Teil, das innerhalb eines Jahres liquidierbar ist.

Außerdem werden die Verluste nur bis höchstens 50 Prozent entschädigt. Und schließlich gelten für die Höhe der Hilfen Unter- und Obergrenzen: mindestens 2500, höchstens 500000 Euro.

Von Matthias Heinzel