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Göttingen Teures Kompostwerk in Göttingen: In der Politik gärt es
Die Region Göttingen Teures Kompostwerk in Göttingen: In der Politik gärt es
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00:24 23.11.2018
Auch zwei Jahre nach dem Großbrand stehen nur noch Reste vom alten Göttinger Kompostwerk am Königsbühle. Jetzt wird weiter für den geplanten aber umstrittenen Neubau aufgeräumt. Quelle: CHH
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Göttingen

„Diese Kostensteigerung überzeugt uns gar nicht“, kommentiert Katahrina Schüle-Rennschuh für die CDU-Fraktion die Mitteilung der Göttinger Entsorgungsbetriebe (GEB).„Und wir finden das mit Blick auf öffentliche Gelder und Gebühren, die die Bürger aufbringen müssen, auch nicht richtig“, fügte sie an.

Seit Großbrand ist Anlage zerstört

Hintergrund: Die Stadt Göttingen will ein neues Kompostwerk bauen. Das alte ist vor zwei Jahren bei einem Großbrand zerstört worden. Vor einem Jahr hatte die Politik auf Ratschlag der GEB entschieden, eine ganz neue Anlage zu bauen – mit einem anderen Verfahren zur besseren Verarbeitung von Bioabfall. Die damals errechneten Kosten: 11,2 Millionen Euro.

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Ein Großbrand vor zwei Jahren hatte das Kompostwerk weitgehend zerstört. Quelle: GOETTINGERTAGEBLATT

 

Inzwischen hat die GEB nachgelegt: Sie möchte auch das Verwaltungsgebäude an anderer Stelle auf dem Grundstück neu bauen, die Anlieferung neu gestalten und entstehendes Gas aus der Kompostierung noch effektiver nutzen. Folge: Das neue Werk wird etwa 3,8 Millionen teurer.

„So geht man nicht mit öffentlichen Geldern um“

Die CDU kritisiert vor allem das Entscheidungsverfahren. „Vor einem Jahr haben wir zugestimmt, weil bei den genannte Kosten und zu verarbeitende Mengen die Rentabilität gegeben sein sollte“, erinnert sich Schüle-Rennschuh. Wenn jetzt bei gleicher Abfallmenge viel mehr Geld ausgegeben werden muss, „kann das ja nicht mehr rentabel sein“. Die aktuellen Änderungen hätten auch vor einem Jahr bekannt sein müssen – „so geht man nicht mit öffentlichen Geldern um“.

Die Reste der Anlage. Quelle: CHH

Das kritisierte auch Felicitas Oldenburg für die FDP-Fraktion: „Das kann ich nicht nachvollziehen, das ist eine totale Fehlplanung.“ Wäre es ein Kostenvoranschlag eines Handwerkers auf dem öffentlichen Markt „würde ihm das ganz schön um die Ohren fliegen“. „Wir sind nicht glücklich über diese Steigerung um 30 Prozent in nur einem Jahre“, ergänzte Karl Adam, umweltpolitischer Sprecher der SPD im Rat. Das sei leider auch kein Einzelfall. Um künftig besser planen und in der Politik entscheiden zu können, „ist ein besseres Bauinvestitionscontrolling notwendig“.

„Ernüchternd und derprimierend“

„Ohne Zweifel benötigen wir ein modernes Kompostwerk“, sagte für die Gö-Linken ihr Fraktionsvorsitzender Gerd Nier. Zugleich seien aber die „uns ständig vermittelten Kostensteigerungen schon in der Planungsphase „ernüchternd und fast deprimierend“. Es entstehe gelegentlich der Eindruck, Investitionen würden bewusst niedrig gerechnet, „um sie durch die Ratsgremien zu bekommen“.

Dennoch werde sich diese Investition in ein neues Kompostwerk mittelfristig rentieren, ist sich Adam sicher. Die SPD werde dem Wirtschaftsplan der GEB zustimmen. Zuvor hatte die kaufmännische Geschäftsführerin, Maren Reimann, erklärt, dass sich die neuen, kostensteigernden Ideen erst nach dem Grundsatzbeschluss ergeben hätten und ergänzt: „Damit können wir noch mehr für den Brandschutz tun und die Energie noch besser nutzen“.

Die FDP wird den Wirtschaftplan mit der neuen Investition ablehnen. Ob die CDU zustimmen wird, habe die Fraktion noch nicht beraten, sagte Schüle-Rennschuh. Ähnlich äußerte sich für die Grünen Harald Wiedemann.

So erreichen Sie den Autor: Mail: u.schubert@goettinger-tageblatt.com  Twitter: @GoeSchubi FaceBook: GoeSchubi GT

Von Ulrich Schubert

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