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Göttingen 18 neue Stolpersteine in Göttingen
Die Region Göttingen 18 neue Stolpersteine in Göttingen
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16:07 23.01.2018
Heiner J. Willen, Vorsitzender der Gesellschaft für christliich-jüdische Zusammenarbeitdie, Izabela Mihaljevic, Volontärin am Städtischen Museum , Peter Aufgebauer, Vorsitzende des Geschichtsvereins, und der Leiter des Städtischen Museums, Ernst Böhme, (v. li.) vor dem ehemaligen Geschäft der Familie Hahn. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

Rund 20 Stolpersteine erinnern auf Fußwegen in Göttingen an jüdische Familien, die einst in Göttingen lebten und von den Nationalsozialisten umgebracht wurden. Die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, die Geschichtswerkstatt und das Städtische Museum wollen jetzt 18 weitere Steine verlegen lassen. Der Künstler Gunter Demnig, der die Rechte an der Idee hält, wird sie Anfang Februar installieren.

Demnig kommt am Mittwoch, 7. Februar, nach Göttingen und wird ab 13.30 Uhr die Steine an verschiedenen Orten installieren. Er hält die Rechte an der Idee: quadratische Betonsteine, oben eine Messingplatte mit Namen und Lebensdaten von Juden, die von den Nationalsozialisten in Konzentrationslagern (KZ) umgebracht wurden oder an den Folgen ihrer Vertreibung zu Grunde gingen.

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Demnig beginnt vor dem Haus Weender Straße 70. Hier hatten die Brüder Max Raffael und Nathan Hahn und ihre Ehefrauen Gertrud und Betty ihr Geschäft. Zwei von ihnen wurden ihn Riga ermordet, die beiden anderen im KZ Treblinka. An sie sollen die vier Stolpersteine erinnern, die Demnig in den Straßenbelag einlassen wird.

Die zweite Station ist vor dem Haus Papendieck 3 geplant. Hier lebten Lea und Max Silbergleit. Beide wurden 1942 ins Ghetto Warschau deportiert und später in Treblinka umgebracht. Rosa und Paul Silbergleit lebten in der Groner Straße 52, auch sie fanden in Treblinka den Tod. Vor der Lotzestraße 20a schließlich soll an Aenne und Eugen Meininger erinnert werden. Er starb entrechtet 1935, sie wurde in Auschwitz getötet.

Begleitet wird das Projekt diesmal von Schülern des Max-Planck- und des Felix-Klein-Gymnasiums, die sich mit der Geschichte der Familien auseinandergesetzt haben. Während des Rundgangs und der Stolpersteinsetzungen werden zwei Kamerateams dabei sein. Eines der Teams dreht eine Dokumentation über die Provenienzforschung, die das Städtische Museum als erstes in Niedersachsen umgesetzt habe, erklärte Museumsleiter Ernst Böhme. Das andere Team filmt ein Porträt von Thomas Buergenthal. Seine Mutter war Tochter von Rosa und Paul Silbergleit, verheiratete Buergenthal. Sie überlebte das KZ Auschwitz und wurde aus dem Frauen-KZ Ravensbrück befreit . Später lebte sie mit Sohn Thomas in Göttingen. Der wanderte 1951 in die USA aus und habe unter Eindruck seiner KZ-Erlebnisse dort angefangen, Jura zu studieren, erklärte Peter Aufgebauer, Vorsitzende des Geschichtsvereins. Später hatte er verschiedene Professuren in den USA inne. Von 2000 bis 2010 war er Richter am Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag. Buergenthal werde zur Verlegung der Steine nach Göttingen kommen, sagte Aufgebauer. Und: Buergenthal habe ausdrücklich seine Zustimmung dafür bekundet, eine Voraussetzung, die der Göttinger Stadtrat für eine Genehmigung der gesamten Aktion beschlossen hatte. Dieser Beschluss war notwendig geworden, weil die Jüdische Kultusgemeinde Göttingen anfangs Bedenken gegen die Aktion geäußert hatte. Buergenthal werden mit Kindern und Enkeln anreisen, sagte Böhme. Mit Blick auf die „emotionale und psychische Belastung für die Nachkommen“ sei das „nicht hoch genug“ einzuschätzen.

Zentrales Thema der Provenienzforschung sind Gegenstände der Familie Hahn, die in der Sammlung des Museums entdeckt wurden. Sie seien zurückgegeben worden und dem Museum von der Familie umgehend als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt worden, sagte Böhme – „der bewegendste Moment in meiner Laufbahn“.

Von Peter Krüger-Lenz

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