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Göttingen 19-Jähriger wegen Sprengstoffexplosion in Göttingen vor Gericht
Die Region Göttingen 19-Jähriger wegen Sprengstoffexplosion in Göttingen vor Gericht
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17:00 04.09.2019
Prozess vor dem Amtsgericht: 19-Jähriger lässt Spraydosen explodieren. Quelle: dpa
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Göttingen

Weil er es in der Silvesternacht mal ordentlich krachen lassen wollte, hat sich am Mittwoch ein 19-jähriger Abiturient vor dem Amtsgericht Göttingen verantworten müssen. „Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion“ lautete der Anklagevorwurf.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Heranwachsenden vor, am 1. Januar um kurz nach Mitternacht auf einer Kreuzung in der Göttinger Innenstadt fünf Spraydosen zur Explosion gebracht zu haben. Der Angeklagte habe zuvor mit Klebeband an den Spraydosen Wunderkerzen befestigt, die er nacheinander angezündet habe. Infolge der Explosion seien zwei Polizeibeamte durch umherfliegende Splitterteile getroffen worden. Da in der Silvesternacht zahlreiche Fußgänger in der Innenstadt unterwegs gewesen seien, habe es der Angeklagte zumindest billigend in Kauf genommen, andere Personen zu verletzen.

„Sehr, sehr dumme Idee“

Der Angeklagte zeigte sich von Beginn an geständig und reumütig. „Das war eine sehr, sehr dumme Idee“, sagte er. „Ich würde so etwas nicht wieder tun.“ Er sei in der Silvesternacht mit Freunden in Göttingen unterwegs gewesen. Diese hätten nichts von seinem Vorhaben gewusst. Er habe als Kind schon einmal eine ähnliche Aktion auf einem Feld gemacht und so etwas nun auch seinen Freunden zeigen wollen. Eigentlich habe er dies „auf keinen Fall in der Innenstadt“ geplant gehabt. Da seine Freunde aber dortbleiben wollten, habe er es „dann aber doch dort gemacht“.

Er habe fünf Dosen mit Deo-Spray, die er am Tag zuvor gekauft hatte, an der Kreuzung Jüdenstraße/Barfüßerstraße auf den Boden gelegt und dann die mit Paketklebeband befestigten Wunderkerzen angezündet. Dann sei er weggegangen. Nach seiner Wahrnehmung hätten sich zu der Zeit auf der Kreuzung keine Menschen befunden.

Splitter an Körper und Gesicht

Eine Polizistin hatte gesehen, wie er sich auf der Kreuzung hinkniete, eine Wunderkerze an einer Spraydose anzündete und dann zu einer Bushaltestelle lief. Das Objekt habe sich gedreht und sei schließlich explodiert, heißt es ihrem Bericht. Dabei sei es zu einer starken Feuerentwicklung gekommen, außerdem seien Teile durch die Gegend geflogen. Sie selbst habe mehrere Splitter an Körper und Gesicht abbekommen. Kurz darauf seien noch weitere Dosen explodiert. In der Zeit habe es einen regen Fußgängerverkehr auf der Kreuzung gegeben.

Nach Angaben des Angeklagten stand er zur Tatzeit sowohl unter Alkohol- als auch unter Drogeneinfluss. Ein Alkoholtest in der Tatnacht ergab einen Wert von 1,29 Promille. Die Polizei hatte damals in seinem Rucksack neben Klebeband auch eine kleine Dose mit weißem Pulver gefunden.

Die Staatsanwaltschaft hatte deshalb gegen den 19-Jährigen auch ein Verfahren wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittel eingeleitet, dieses dann aber im Hinblick auf das andere Verfahren eingestellt. Er habe tatsächlich „ein kleines Drogenproblem“, bekannte der Angeklagte. Zwar konsumiere er inzwischen weniger als früher. „Ich kann aber nicht wirklich Nein sagen, wenn mir was angeboten wird.“

Unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft

Das Gericht verurteilte den 19-Jährigen wegen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion zu 50 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Außerdem muss er fünf Termine bei der Drogenberatung wahrnehmen. Damit blieb das Gericht unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die dem Angeklagten 150 Stunden gemeinnützige Arbeit auferlegen wollte.

Der Vorsitzende Richter Stefan Scherrer begründete die niedrigere Strafe damit, dass 150 Arbeitsstunden beispielsweise bei gefährlicher Körperverletzung verhängt würden. In diesem Fall sei jedoch niemand verletzt worden.

Eine „kleine Bombe“

Der Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer noch einmal eindringlich darauf hingewiesen, wie gefährlich die Aktion des Angeklagten gewesen war. Zwar sei es insgesamt eine „jugendtypische Straftat“ gewesen, um sich vor anderen zu produzieren. Tatsächlich habe es sich um eine „kleine Bombe“ gehandelt, und es sei reiner Zufall gewesen, „ob jemand zu Schaden kommt oder nicht“.

Der Verteidiger verwies darauf, dass sich sein Mandant heute der Tragweite und Gefährlichkeit bewusst sei. Sowohl der Verteidiger als auch der Staatsanwalt erklärten noch im Gerichtssaal, dass sie auf Rechtsmittel verzichten. Damit ist das Urteil bereits rechtskräftig.

Nach dem Strafgesetzbuch ist das „Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion“ eine Straftat, die sogar als Verbrechen eingestuft wird. Auch die Strafandrohung macht deutlich, wie gravierend derartige Delikte bewertet werden: Wer durch Sprengstoff „eine Explosion herbeiführt und dadurch Leib oder Leben eines anderen Menschen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert gefährdet, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft“, heißt es in § 308.

Von Heidi Niemann

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