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Göttingen Göttingens Oberbürgermeister spricht zum 75. Jahrestag des Attentats
Die Region Göttingen Göttingens Oberbürgermeister spricht zum 75. Jahrestag des Attentats
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19:18 21.07.2019
Kranzniederlegung am 75. Jahrestag des Stauffenberg-Attentats in Göttingen. Quelle: Peter Heller
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Göttingen

„Das Wort Widerstand wird derzeit auf unerträgliche Weise missbraucht“, hat Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) am 75. Jahrestags des Attentats erklärt. „Widerstand“ riefen ausgerechnet jene laut, die die Gräuel der Nazizeit als „Vogelschiss“ bezeichneten, so der Oberbürgermeister mit Blick auf die Alternative für Deutschland (AfD). Er sprach vor 20 Bürgern, die sich am Ehrenmal am Stauffenbergring eingefunden hatten. Eigentlich waren doppelt so viele gekommen. Die Hälfte war aber wieder gegangen, weil sich Köhler aufgrund eines Staus um 45 Minuten verspätete.

„Widerstand“, so der Oberbürgermeister, wollten die Rechtspopulisten üben „gegen die Menschlichkeit, gegen Zusammenhalt, gegen demokratische Grundwerte, gegen Andersdenkende“. Gegen solch ein Denken und Tun hätten jedoch Claus Schenk Graf von Stauffenberg und seine Kameraden gekämpft und ihre Leben gelassen.

Horror des Dritten Reichs begann mit Worten

Der Horror des Dritten Reichs habe nicht mit Gaskammern, sondern mit Worten begonnen, betonte Köhler. Die Ebene der Worte sei in der Bundesrepublik heute bereits wieder verlassen worden. Der Sozialdemokrat: „Es wird wieder politisch gemordet in unserem Land.“ Für die Taten gebe es aus Teilen der Gesellschaft „unverhohlen“ Sympathiebekundungen. „Es widert mich an“, sagte der Oberbürgermeister.

Diskussion um Recht auf Widerstand

„Die Frage, wo das Recht auf Widerstand beginnt, stellt sich in einer Demokratie völlig anders als in einer Diktatur“, hatte Ratsherr Hans Otto Arnold (CDU) vor Köhlers Eintreffen in einer improvisierten Ansprache betont. Arnold thematisierte auch, dass die Gesellschaft nicht auf der einen Seite Stauffenberg ehren und auf der anderen Seite desertierte Soldaten verurteilen könne.

Ehrenmal in Göttingen wurde erst 1964 aufgestellt

Der Mut von Stauffenberg und den anderen 100 Verschwörern habe in der Nachkriegszeit nicht sofort Anerkennung gefunden, gab der Oberbürgermeister zu bedenken: „Das Attentat hat einstige Mitläufer daran erinnert, dass es eine Alternative im Dritten Reich gab.“ In Göttingen sei das Ehrenmal erst 1964, weitab von der Innenstadt, in einem Neubauviertel aufgestellt worden. Dort seien die Straßen nach Widerstandskämpfern benannt worden.

Gedenkstein vor der Stadtbibliothek

„Wir können das Mahnmal vor das Neue Rathaus versetzen“, regte Bürgermeister Ulrich Holefleisch (Grüne) an. „Denkmäler sollten in ihrem ursprünglichen Kontext stehen bleiben“, erwiderte Köhler. So seien sie aussagekräftiger. Vor der Stadtbibliothek, dem ehemaligen Gefängnis der Stadt, stehe seit 2017 bereits ein Stein zum Gedenken an jene Menschen, die zwischen 1933 und 1945 trotz aller Bedrohungen Widerstand gegen das nationalsozialistische Unrechtsregime geleistet hätten.

Nationalkonservative Gesinnung

Zur Sprache brachte Arnold während der Gedenkfeier die nationalkonservative Gesinnung vieler aus dem Kreis um Stauffenberg. „Nicht alle waren Demokraten“, ergänzte Holefleisch. Zudem hätten sich die Verschwörer erst „sehr spät“ entschlossen, Hitler zu töten, so Arnold. „Auch wenn das Attentat missglückte, hatte der Versuch doch ein Gutes“, betonte Köhler in seiner Rede. Der Bombenanschlag habe der Welt gezeigt, dass es noch „ein anderes, ein besseres Deutschland“ gebe, dass sich Deutsche gegen Hitlers Regime stellten und „den Nationalsozialismus mit all seinen Gräueln“ ablehnten. Köhler erinnerte namentlich an die Widerstandskämpfer Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg und Adam von Trott zu Solz, die in Göttingen studiert haben.

Von Michael Caspar

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