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Göttingen 2018 werden auch in Göttingen die Schöffenstellen neu besetzt
Die Region Göttingen 2018 werden auch in Göttingen die Schöffenstellen neu besetzt
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00:19 18.12.2017
Schöffen und Berufsrichter sind im Gerichtsverfahren gleichberechtigt.  Quelle: Foto: Dpa
Göttingen

 Sie vertreten Volkes Stimme bei Gerichtsverfahren und urteilen als Laienrichter über Recht und Unrecht. Die Schöffen Irene von Bodenhausen und Uwe Reinecke können auf zusammen knapp 15 Jahre an Göttinger Gerichten zurückblicken. Und sie wollen weitermachen.

Die nächste Amtszeit beginnt 2019. Insgesamt sind dann in den Landkreisen Göttingen und Northeim etwa 350 Laienrichterstellen zu besetzen. Die Gesetzeslage erfordert es, dass mindestens doppelt so viele Bewerbungen vorliegen müssen. Die Vorschlagslisten werden bereits Anfang des kommenden Jahres erstellt. Zuständig dafür sind die jeweiligen Kommunen beziehungsweise deren Jugendhilfeausschüsse im Fall der Jugendschöffen. Interessenten können sich direkt bewerben oder werden von Organisationen oder Parteien vorgeschlagen.

Er habe es damals als seine staatsbürgerliche Pflicht angesehen, sich als Schöffe zu bewerben, sagt Uwe Reinecke. Der 53-jährige Göttinger ist seit 2014 Laienrichter am Göttinger Landgericht. Fünf bis sechs Verfahren habe er pro Jahr. Ein Hauptschöffe soll laut Gerichtsverfassungsgesetz (GVG) zu maximal zwölf Gerichtstagen herangezogen werden. Er empfinde es durchaus als Bereicherung, andere Facetten der Gesellschaft kennenzulernen. Allerdings habe er dadurch auch in Abgründe geschaut, die er erst einmal habe verarbeiten müssen. „Man sollte sich vorher genau überlegen, ob man das wirklich machen möchte“, so der Göttinger.

Ein Ratschlag, den auch die Deutsche Vereinigung der Schöffen den Interessierten mit auf den Weg gibt. „Prüfen Sie, welche Anforderungen das Amt an Sie stellt, und ob Sie die Verantwortung für das Urteil über andere Menschen übernehmen wollen“, heißt es in deren kurzer Anleitung. Denn es gehe nicht darum, lediglich als „demokratische Verzierung am Richtertisch zu sitzen“. Der Schöffe entscheide mit gleicher Stimme wie der Berufsrichter über die Zukunft des Angeklagten. „Man darf keine Angst haben – weder vor einem Urteil noch vor einem Freispruch“, bestätigt Reinecke.

Schöffen gehen ohne Kenntnis der Akten in ein Verfahren. Sie sollen möglichst unvoreingenommen sein und sich ein Urteil aus dem im Gerichtssaal Erlebten bilden. Juristische Vorkenntnisse? Werden nicht gefordert. Menschenkenntnis und Einfühlungsvermögen sind die wichtigsten Werkzeuge, die ein Schöffe mitbringen müsse, sagt Irene von Bodenhausen. Die vierfache Mutter ist seit zwei Amtszeiten Jugendschöffin. Eine dritte wäre bislang nicht möglich gewesen. Im Juli 2017 kippte der Bundestag diese Einschränkung, auch weil es vor allem in Großstädten Schwierigkeiten gibt, Schöffenstellen zu besetzen.

„Ich sehe immer eher das Gute im Menschen“, sagt von Bodenhausen. Das bedeute aber keinesfalls, dass sie Skrupel habe, Menschen zu verurteilen, von deren Schuld sie überzeugt sei. Ein Abstumpfen habe es bei ihr dabei nicht gegeben. Jeder Fall sei neu. Gibt es auch negative Seiten des Schöffenamts? Für die beiden eigentlich nur eine. Reinecke: „Wir erfahren nie, ob wir erfolgreich waren.“

Informationen über die Schöffenwahl gibt es unter schoeffen-nds-bremen.de und direkt bei den Kommunen.

Von Markus Scharf

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