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Göttingen 79-Jährigen aus dem Bus geschubst
Die Region Göttingen 79-Jährigen aus dem Bus geschubst
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00:17 24.09.2016
Von Markus Scharf
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Göttingen

Für sein Opfer, das als Zeuge und Nebenkläger auftritt und das eigentlich nur helfen wollte, ist dieser Gerichtstermin weit emotionaler. Seit jenem Abend im April hat der 79-Jährige große Schwierigkeiten, das Erlebte zu verarbeiten, fährt nicht mehr mit dem Bus. Seine Schilderung im Zeugenstand ist stockend, von Tränen unterbrochen. Er sei wie jeden Abend mit der Linie 12 von Geismar, wo er eine ältere Dame betreut, nach Hause gefahren. Der Bus fast leer, „vier Fahrgäste vielleicht“. Einer ist der Angeklagte, er sitzt hinten, glasige Augen, die Füße hochgelegt, eine „Dreiviertelflasche Whisky“ im Blut.

Als der Busfahrer ihn auffordert, eine normale Sitzposition einzunehmen, kommt es zur Konfrontation. Fäuste werden drohend gehoben, der Fahrer weicht zurück, der ältere Fahrgast mischt sich ein, schiebt den Angreifer Richtung Ausgang. Dieser reagiert in seiner Erinnerung mit „drei oder vier Schlägen ins Gesicht“, bricht seinem Kontrahenten das Nasenbein und schubst ihn rücklings aus dem Bus. Im Krankenhaus werden laut ärztlichem Bericht in den folgenden zehn Tagen außerdem ein Bruch der Elle, ein Hämatom am Auge sowie Schürfwunden im Gesicht behandelt.

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Die Aussagen des Angeklagten wirken ebenso lustlos wie unglaubwürdig. Er fühle sich „verarscht“. Dass er sich bei der Flucht gegen Polizeibeamte gewehrt haben soll, sei mit seinem Wesen gar nicht zu vereinbaren, behauptet er. „Ich bin mehr so der Ruhige“, sagt der 21-Jährige, der, ohne Eltern aufgewachsen, früh mit Alkohol und Drogen in Kontakt gekommen ist. Der Staatsanwalt verweist auf ein Vorstrafenregister, das Diebstahl, Sachbeschädigung und Körperverletzung umfasst. Der letzte Gerichtstermin ist ein halbes Jahr her.

Dass nach dieser laut Richter Stefan Scherrer „äußerst verwerflichen Tat“ eine Jugendstrafe fällig wird, steht schnell fest. Die von Staatsanwalt und Nebenklage geforderten neun Monate auf Bewährung finden sich im Urteil wieder, außerdem 250 Arbeitsstunden, regelmäßiges Drogenscreening und eine empfohlene Therapie. Auf den richterliche Ratschlag „Sie müssen uns beweisen, dass Sie etwas ändern wollen. Sonst geht es diesmal ins Gefängnis“ gibt es keine Reaktion.