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Göttingen 26-Jähriger tötete offenbar aus Mordlust
Die Region Göttingen 26-Jähriger tötete offenbar aus Mordlust
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11:04 24.11.2010
Von Jürgen Gückel
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Der Verdächtige hat zwar noch kein Geständnis abgelegt, die Verdachtsmomente gegen ihn hatten sich im Laufe der Vernehmungen am Dienstag jedoch immer mehr erhärtet. Ein Sexualverbrechen hatte die Staatsanwaltschaft am Mittag nach Vorliegen der Obduktionsergebnisse ausgeschlossen. Als Tatmotiv unterstellt der Haftrichter Mordlust.

Der Verdächtige war in der Nacht zu Dienstag am Bahnhof Bodenfelde gefasst worden. Er wohnt offenbar in Uslar. Die 21-köpfige Mordkommission hatte zunächst mehrere Personen im Visier. Die Spurenlage, so Staatsanwalt Andreas Buick, verwies aber auf den Festgenommenen. Der 26-Jährige war den ganzen Tag vernommen, sein Alibi überprüft worden. Zu den Vorwürfen habe er geschwiegen. Dennoch sehen Ermittler dringenden Verdacht.

Ein Sexualdelikt, von dem verschiedene Boulevardmedien fälschlich schrieben, schließen die Ermittler klar aus. Die Darstellung, die Leichen des 13-jährigen Tobias und der 14-jährigen Nina seien entkleidet gefunden worden, seien falsch. Lediglich einige Kleidungsstücke fehlten. Spekulationen in den Medien, wonach es eine Verbindung zum Fall des vermissten Mirco aus Grefrath gebe, seien ebenfalls falsch. Eine Verbindung gebe es definitiv nicht, sagte Buick. Ein dunkles Fahrzeug wie im Fall Mirco spiele im Bodenfelder Fall keine Rolle.

Während Ergebnisse der Obduktion aus ermittlungstaktischen Gründen noch zurückgehalten werden, erklärte Oberstaatsanwalt Hans Hugo Heimgärtner immerhin, dass die Tat definitiv kein Sexualverbrechen war. Diese Aussage mache er, um nach den Spekulationen verschiedener Medien besorgte Eltern zu beruhigen.

Unterdessen ist das Entsetzen im 3400-Seelen-Ort Bodenfelde noch immer groß – teils auch über das rücksichtslose Benehmen von Medienvertretern. Die Schüler der Heinrich-Roth-Gesamtschule werden noch immer von Mitarbeitern der Landesschulbehörde betreut; um Angehörige kümmern sich Notfallseelsorger. Am Dienstagabend gedachten mehr als 600 Menschen in einem Trauergottesdienst der Opfer des Gewaltverbrechens.

Nach dem Doppelmorde in Bodenfelde an zwei Jugendlichen geht die Spurensuche der Polizei weiter.