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Göttingen 3,5 Millionen Euro kostet eine Bürgerkirche
Die Region Göttingen 3,5 Millionen Euro kostet eine Bürgerkirche
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00:28 06.05.2018
Mitglieder des Marketing-Club präsentieren die neuen Spendendosen für St. Johannis (v.l.): Renate Just, Ulrike Schmidt-Glawatz, Angelika Daamen, FSJler Mika Dankert, Pastor Gerhard Schridde, Philipp Bremer und Michael Thenner.
Mitglieder des Marketing-Club präsentieren die neuen Spendendosen für St. Johannis (v.l.): Renate Just, Ulrike Schmidt-Glawatz, Angelika Daamen, FSJler Mika Dankert, Pastor Gerhard Schridde, Philipp Bremer und Michael Thenner. Quelle: Foto: Mischke
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Göttingen

„Ein Taler für den Maler“ ist auf den Spendendosen zu lesen, die im Eingangsbereich der Rats- und Marktkirche zur Mitnahme bereitstehen. „500 Stück haben wir geordert und bedrucken lassen, 100 sind schon mitgenommen worden“, erzählt Pastor Gerhard Schridde. Man könne sie beim heimischen Geburtstag auf den Tisch stellen oder bei Kollegen herumgehen lassen. Der Spruch – die Idee einer Mitarbeiterin aus der Gemeinde – hat einen positiven Nebeneffekt. „Er macht neugierig. Wir bekommen seither viele Nachfragen: Was macht ihr da eigentlich?“

Möglichst großes Interesse

Und darum geht es den Verantwortlichen von St. Johannis. Möglichst viele Göttinger sollen sich für die Arbeiten an St. Johannis interessieren. Seit Beginn der Planung für die Sanierung der Kirche standen zwei Fragen im Mittelpunkt: Für wen machen wir das? Und was brauchen wir dafür? „Nur weiße Wände, das reichte uns nicht“, sagt Kirchenvorstandsvorsitzende Renate Just. Und so entstand die Idee für den „Aufbruch St. Johannis“. Die Kirche sollte als Gotteshaus aber auch als kultureller Veranstaltungsraum für eine breite Öffentlichkeit erlebbar werden.

Die dafür nötigen Mittel ließen sich natürlich nicht allein mit Spendendosen einwerben. Und so machte sich der Vorstand daran, Geldgeber zu suchen. Ein professioneller Fundraiser unterstützte das Team anfangs dabei. Zahlreiche Anträge, Verhandlungen und Gespräche später stand das Gerüst der Finanzierung. Entscheidend dafür war die Zusage des Bundes, die Hälfte der Kosten zu übernehmen. Weiteres Geld floss aus Rücklagen der Gemeinde (600 000 Euro), aus der Kasse der Landeskirche (300 000 Euro durch die Übernahme der Baunebenkosten), vom Kirchenkreis (150 000 Euro) und durch verschiedene Stiftungen und Spenden.

Sponsoren gesucht

Zwischenzeitlich hatte man gehofft, einen Sponsor für das Projekt zu finden. „Wir haben da eine gewisse Zurückhaltung gespürt“, so Schridde. Viele hätten sich von der Idee begeistern lassen, aber als Unterstützer nicht zu Verfügung gestanden. Und die mühsame Arbeit der Finanzierungssuche ist noch nicht beendet. Noch gibt es eine Lücke von etwa 200 000 Euro. Diese müsste im Ernstfall mit einem Kredit gestopft werden. „Das würde aber nur bedeuten, dass wir das Problem in die Zukunft verschieben“, so Just, die ihr Amt nach 18 Jahren in Kürze an einen Nachfolger übergibt. Mit gutem Gewissen, denn ein Großteil der Planungsarbeit sei erledigt.

Und so stehe auch dem Baustart im Sommer finanziell nichts im Wege. Lediglich für den zweiten Bauabschnitt, den Umbau des Südeingangs inklusive des gläsernen Windfangs, muss der Vorstand jetzt noch weitere Mittel akquirieren. Das bedeute aber keinesfalls, dass der Umbau des Eingangs nur eine Option sei, für den Fall, dass das Geld am Ende noch reiche. „Der zweite Abschnitt kommt. Er gehört fest zum Konzept der Bürgerkirche“, betont Schridde ausdrücklich.

Kirchenfest am 17. Juni

Beim Kirchenfest am 17. Juni sollen die „Taler für den Maler“ dann ein erstes Mal zusammengezählt werden. Erst dann wird klar, wie groß die Finanzierungslücke wirklich noch ist. Wer sich beteiligen will, bekommt die blau-weiße Sammeldose in der Kirche oder im Gemeindebüro. Auch hofft man noch auf Einnahmen durch den Verkauf der Kirchenbänke. Denn die passen nicht ins neue Konzept von St. Johannis.

Von Markus Scharf