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Göttingen Göttinger Lichterlauf: Mutmacher ziehen ihre Runden
Die Region Göttingen Göttinger Lichterlauf: Mutmacher ziehen ihre Runden
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12:11 29.09.2019
Licht, Luft, Geselligkeit, Bewegung, Spaß, hin und wieder Regen und vor allem die Gewissheit, kranken Kindern und ihren Familien zu helfen – das sind die Zutaten für den Lichterlauf. Zur Erinnerung bekam jeder Teilnehmer einen kleinen leuchtenden Anstecker. Quelle: Peter Heller
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Göttingen

„Bis wohin haben die denn alle gestanden? Bis zur Autobahnabfahrt?“ Andreas Lindemeier kommt aus dem Staunen nicht heraus. Vor zehn Minuten erfolgte der Startschuss für den dritten Göttinger Lichterlauf und noch immer sind nicht alle Läufer auf der Strecke. Er wie auch Kay-Christian Warnecke sind die Moderatoren dieser Veranstaltung, die nicht nur die Organisatoren beeindruckt. Groß ist die Resonanz auf den Aufruf, schwerkranken Kindern und ihren Familien Hilfe zukommen zu lassen. Dazu muss nur eine Summe nach eigener Wahl gespendet werden – und gelaufen. „Es gibt keine Regeln, außer: Nehmt Rücksicht aufeinander“, gibt Warnecke den Läufern mit auf den Weg. Er fügt hinzu: „Ihr habt zwei Stunden Zeit. Genießt die Bewegung, die Musik, die Lichter und die Gespenster in den Bäumen.“ Wer nicht laufen mag, kann auch einfach nur spazieren gehen.

Blinkende Anstecker

Es müssen Tausende sein, die ihre Runden drehen. Die Dunkelheit eines herbstkühlen Abends legt sich über den Göttinger Kiessee, doch an Lichtern mangelt es nicht. Es strahlt und leuchtet überall. Jeder Läufer hat einen blinkenden Anstecker erhalten, viele Teilnehmer haben sich zudem Lichterketten umgehängt, einige tragen leuchtende Stirnbänder und sehen aus wie Feen-Wesen. Die große Schar besteht aus Einzelpersonen, aus Familien, aus Arbeitskollegen, aus Gruppen von Vereinen, unverkennbar aus Feuerwehrleuten in ihren schweren Monturen. Die jüngste Teilnehmerin ist 14 Monate alt. „Und kann schon laufen“, fragt Lindemeier ungläubig. „Mit Unterstützung“, erwidert Warnecke. Sogar aus Berlin, erklärt er dem Publikum, sei eine Gruppe aus neun Läufern angereist.

Die Bildergalerie vom Lichterlauf:

Ob jung, ob alt, ob groß, ob klein, ob auf den eigenen Beinen, huckepack oder im Rollstuhl: Das Dabeisein zählt.

Die Mutperlenkette

„Ich glaube, so viele sind noch nie gestartet“, blickt Lindemeier auf Lichterlauf 1 und 2 zurück. Die genaue Zahl kennen auch die Organisatoren nicht. Wer wollte, konnte sich anmelden. Allerdings: „Wer läuft, darf spenden. Muss aber nicht, er kann auch nur laufen. Wer mag, kann auch nur spenden und nicht laufen“, erläutert Susanne Schulze-Konopka die Möglichkeiten. Sie ist die 1. Vorsitzende des Vereins Elternhilfe für das krebskranke Kind. Die Freude über die große gesellschaftliche Hilfe, die ihr Verein und damit die schwerkranken kleinen Patienten und ihre Familien erhalten, leuchtet in ihren Augen.

Auf den blinkenden Ansteckern der Läufer sind Perlen dargestellt. „Sie symbolisieren eine Mutperlenkette“, erklärt Konopka. Jede Perle steht für eine Behandlung, die die Kinder erdulden müssen – für die sie Mut brauchen. Wer heute hier mitläuft, wer spendet, wird automatisch zu einem Mutmacher. „250 Familien nutzen durchschnittlich im Jahr das Elternhaus, um während der Behandlung in der Nähe ihrer Kinder zu sein“, erklärt Petra Linne vom Verein. Das Elternhaus stehe nicht nur für Familien zur Verfügung, die an Krebs erkrankt sind, sondern auch Mütter und Vätern von Frühchen oder etwa von herzkranken Kindern.

„Das motiviert uns“

Mit von der Partie sind beim Lichterlauf auch Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehren aus dem Landkreis Northeim. „Es ist der Spaß an der Bewegung, es ist die gute Sache, das motiviert uns“, sagt ein verschwitzter Feuerwehrmann Jürgen Hennicke. Seine Kolleginnen Kerstin Damme und Stephanie Dirksen nicken zustimmend. Genau deshalb seien sie auch schon zum dritten Mal dabei.

Andreas Lindemeier macht auf die ehrenamtliche Arbeit der Mitarbeiter der Firmen Lighthouse und Rathmann aufmerksam. Die gesamte hochsensible Technik haben die Firmen zur Verfügung gestellt – und dann hat es am Nachmittag einen heftigen Regenguss gegeben. „Die Leute standen voll unter Strom, dass das hier alles trotzdem funktioniert“, sagt Lindemeier.

„Hilfe und Spaß zum Wohle anderer“

Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD), der ebenfalls zum Lichterlauf gekommen ist, würdigt das gesellschaftliche Engagement: „Mit dem Ehrenamt lässt sich so etwas Großes auf die Beine stellen. Das ist Hilfe, das ist auch Spaß zum Wohle anderer.“

Die Summe der eingenommenen Spenden stand am Sonntagmittag noch nicht fest.

Wer steckt dahinter?:

Großveranstaltung für die gute Sache

Veranstalter des Lichterlaufes ist die Elternhilfe für das krebskranke Kind, ein eingetragener Verein. Die höhe der Spende kann jeder selbst festlegen. Das Elternhaus in der Straße Am Papenberg hat einen jährlichen Finanzbedarf von rund 490 000 Euro. Gedeckt wird er zu 35 Prozent über die Krankenkassen, zu 20 Prozent aus einem Zuschuss der Stiftung Elternhaus und zu 45 Prozent aus Spenden. Das Geld wird benötigt für Personalkosten, eine psychosoziale Begleitung, für Nachsorge, für Betriebs- und sonstige Kosten.

Um die logistischen Anforderungen des Lichterlaufes zu realisieren, sind 150 ehrenamtliche Helfer notwendig, das Organisationsteam besteht aus elf Personen, darunter Steffen Mühl, Chef der Firma Lighthouse. Als Energiequellen stellt Christian Rathmann zusammen mit dem THW Aggregate auf, die über zehn Kilometer lange Kabelstrecken die Lichtquellen mit Strom versorgen. Zudem sorgen Bands, Chöre und Solisten für musikalische Unterhaltung. Eine mit dem Lichterlauf vergleichbar große Hilfsaktion ist der Eichsfelder Bikertag.

Von Ulrich Meinhard

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