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Göttingen 35-jähriger Göttinger nach Erpressungsversuch in Haft
Die Region Göttingen 35-jähriger Göttinger nach Erpressungsversuch in Haft
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00:34 01.08.2015
Von Jürgen Gückel
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Kassel/Göttingen/Darmstadt

Dabei geht es um die Macht an den Türen von Clubs und im Rotlichtmilieu, aber offenbar auch um Drogenhandel. Nach einem Streit unter konkurrierenden Rockern hat die Staatsanwaltschaft Darmstadt in der vergangenen Woche bei einer spektakulären Aktion in Lohfelden bei Kassel den 35-jährigen Göttinger sowie einen 30-jährigen mutmaßlichen Mittäter aus Höxter gefasst. Die beiden Männer sind dringend verdächtig, im hessischen Rüsselsheim einen  31-Jährigen zur Herausgabe von 15 000 Euro gepresst zu haben. Das Opfer zahlte nicht, sondern informierte die Polizei. Die schlug auf Veranlassung des Amtsgerichts Darmstadt Dienstag vergangener Woche zu.

 
In Lohfelden kam es an diesem Tag zu einem spektakulären Einsatz eines Spezial-Einsatzkommandos (SEK), bei dem gar die Autobahn 7 kurzfristig gesperrt werden musste. Die vermummten und speziell bewaffneten Polizeibeamten wollten in einem ehemaligen Peugeot-Autohaus, in dem neuerdings Edelkarossen gehandelt werden, den 35-Jährigen festnehmen. Dabei versuchte dessen Kampfhund, ein Pitbull Terrier, die Polizisten anzugreifen. Mit fünf Schüssen wurde das Tier getötet und der Göttinger festgenommen. Gegen ihn wurde inzwischen Haftbefehl wegen versuchter räuberischer Erpressung erlassen.

 
Mit ihm sitzt ein 30 Jahre alter Mann aus Höxter (Nordrhein-Westfalen) ein. Bei ihm gab es zeitgleich mit der Festnahme in Lohfelden eine Hausdurchsuchung in Höxter, bei der 400 Gramm mutmaßliches Rauschgift sowie 2500 Euro Bargeld sichergesellt wurden. Auch gegen den 30-Jährigen erging in Darmstadt Untersuchungshaftbefehl.

 
Den beiden Männern, nach Erkenntnissen der Ermittler Angehörige der rockerähnlichen Organisation United Tribuns, wird vorgeworfen, das ehemalige Mitglied der Gruppe zweimal in Rüsselsheim aufgesucht, es geschlagen und 15 000 Euro von ihm verlangt zu haben.

 
Bei den United Tribuns handelt es sich um eine Organisation, die wie Rockergruppen in sogenannten Chapters organisiert ist. Motorrad fahren die überwiegend aus dem ehemaligen Jugoslawien und dem Libanon stammenden Mitglieder nicht. Offenbar gehören Kassel und Göttingen zu einem gemeinsamen Chapter. Die Tribuns wurden 2004 vom ehemaligen bosnischen Boxer Almir Culum, genannt Boki, in Baden-Württemberg gegründet. Der bayerische Verfassungsschutz berichtete zuletzt von rund 1700 Mitgliedern. Die Organisation hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr in Richtung Norden ausgeweitet.

 

KOMMENTAR: Tribuns stoßen ins Vakuum

Es ist wie ein Naturgesetz: Wo eine Kraft weicht, stößt eine andere ins Vakuum. Als in Niedersachsen die expandierenden Rockerclubs der Hells Angels verboten wurden oder durch Selbstauflösung dem Verbot zuvorkamen, mahnten Insider: Nun würde ungleich gefährlicheren Gruppen das Feld überlassen. Gefährlicher nicht nur, weil sie brutaler als ihre Motorrad fahrenden Kontrahenten seien, sondern weil ihre Strukturen undurchsichtiger und ihr Zusammenhalt wegen Migrationshintergrund und verwandtschaftlicher Verhältnisse für die Behörden undurchschaubar seien.

 
Kein Jahr hat es gedauert, da sind die ersten Tribuns ins Vakuum eingedrungen. Einem ehemaligen Göttinger Hells-Angels-Anführer sollen sie jüngst „die Kutte ausgezogen und ihn halb tot geschlagen“ haben, sagt ein Insider. Die Polizei kann das nicht bestätigen. Aber welcher Rocker zeigt schon Niederlagen im Rockerkrieg an?

 

Von Jürgen Gückel

Jürgen Gückel