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Göttingen 50 Pflegeschüler seit Monaten ohne Geld
Die Region Göttingen 50 Pflegeschüler seit Monaten ohne Geld
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00:17 06.02.2017
Von Britta Bielefeld
50 vietnamesische Pflegeschüler dürfen seit Oktober nicht arbeiten. Quelle: R
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Göttingen

Im September sind 63 junge Vietnamesen nach Deutschland gekommen, um in der Göttinger Berufsfachschule für Altenpflege ihre Ausbildung zu absolvieren. „Sie haben ihr Visum bei der Deutschen Botschaft in Hanoi beantragt und sind über den Flughafen Frankfurt eingereist“, erklärt Wulf Schröter, Leiter der Schule. Auch in Halberstadt, wo die jungen Asiaten zunächst einen Deutschkurs absolvierten, war mit ihren Papieren alles in Ordnung. Das änderte sich im September, als sich die Pflegeschüler in Göttingen anmelden wollten. Dort fiel bei einem der Teilnehmer auf, dass er mehr als 20 Einträge im sogenannten Schengen-Informationssystem  (SIS) haben soll. „Das sind ganz offensichtlich Falscheinträge“, sagt Schröter. Wie die Göttinger Stadtverwaltung  bestätigt, betrafen dieses Einträge mehr als 40 der Vietnamesen, die daraufhin keine Aufenthaltsgenehmigung erhielten. Seit Oktober leben die jungen Leute in Göttingen und dürfen nicht in den Altenheimen arbeiten. „Wir geben den Schülern Darlehen und Wohnungen“, sagt Schröter. Er kritisiert die Göttinger Ausländerbehörde scharf. Die unterdessen erklärt, die Aufklärung der „offenbar systembedingten Fehleinträge“ könne nur das Niedersächsische Innenministerium leisten.
„Wir haben nachweislich seit Oktober immer und immer wieder beim Innenministerium auf eine schnelle Aufklärung hingewiesen“, sagt Detlef Johannson, Sprecher der Stadtverwaltung. Und mehr noch: „Die Göttinger Ausländerbehörde schlug vor, die Fehleinträge zunächst zu ignorieren, um mit der Bearbeitung der Aufenthaltstitel fortfahren zu können. Diesem Vorschlag ist das Innenministerium nicht gefolgt, hat aber zugesagt, die Überprüfung der Einträge mit hoher Dringlichkeit vorzunehmen“, so Johannson.
Unterdessen haben die rund 50 Vietnamesen keinerlei Einnahmemöglichkeiten. „Wenn die Ausbildungsvergütung gezahlt würde, wäre das dem Zoll nach Schwarzarbeit“, sagt Schröter. Er fordert eine sofortige Aufhebung des Beschäftigungsverbotes.
Das Niedersächsische Innenministerium erklärte sich Freitag ebenfalls für nicht zuständig: „Als Ministerium können wir in diesem Fall derzeit nicht mehr tun, als bei den zuständigen Bundesbehörden nachzuhaken und um Unterstützung für die Ausländerbehörde Göttingen zu bitten. Das ist mehrfach geschehen“, sagt Pressesprecher Matthias Eichler. Auf der „Fachebene“ habe es „Kontaktversuche“ gegeben, die noch zu keiner Lösung geführt hätten. Es habe keine Rückmeldung gegeben. Zuständig seien laut Eichler das Auswärtige Amt und die Bundespolizei.
Im Auswärtigen Amt in Berlin prüft man nun die Tageblatt-Anfrage zum Thema.

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