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Göttingen Messerangriff an der Wohnungstür: 52-Jähriger wegen versuchten Totschlags vor Gericht
Die Region Göttingen Messerangriff an der Wohnungstür: 52-Jähriger wegen versuchten Totschlags vor Gericht
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17:16 04.12.2019
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte im Zustand verminderter Schuldfähigkeit gehandelt hat. Quelle: dpa
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Göttingen/Duderstadt

Weil er einen Wohnungsnachbarn mit Schlägen und einem Messer attackiert haben soll, muss sich seit Mittwoch ein 52-jähriger Mann aus Duderstadt vor dem Landgericht Göttingen verantworten. Die Staatsanwaltschaft hat den 52-Jährigen, der seit dem Vorfall im Juni dieses Jahres in der Psychiatrie untergebracht ist, wegen versuchten Totschlages und gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Sein Opfer, ein 18-jähriger Schüler hatte bei dem unvermittelten Angriff eine Schnittwunde am Brustkorb und Prellungen erlitten.

Laut Anklage soll der 52-Jährige abends gegen 20 Uhr in dem Wohnhaus in Duderstadt an die Tür der gegenüberliegenden Wohnung geklopft haben. Als der 18-jährige Nachbar öffnete, habe er diesen gefragt, ob er Schläge wolle. Der Angeklagte soll dann sofort auf den Schüler eingeschlagen und mit einem Messer mit einer 31 Zentimeter langen Klinge in Richtung des Oberkörpers gestochen haben. Dabei habe er geäußert, dass er den 18-Jährigen töten wolle.

Schwester alarmierte Polizei

Dem 18-Jährigen war es dann gemeinsam mit seiner Schwester gelungen, den Angeklagten aus der Wohnung auf den Hausflur zu schieben und die Wohnungstür zuzudrücken. Der 52-Jährige soll danach noch weiter von außen gegen die Tür gedrückt haben. Währenddessen hatte die Schwester die Polizei alarmiert. Die Beamten nahmen den 52-Jährigen noch am gleichen Abend fest, später wurde seine einstweilige Unterbringung in der Psychiatrie angeordnet.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte im Zustand verminderter Schuldfähigkeit gehandelt hat. Dieser habe zur Tatzeit unter dem Einfluss von Benzodiazepinen gestanden. Da von dem 52-Jährigen auch in Zukunft weitere Taten zu erwarten seien und dieser somit für die Allgemeinheit gefährlich sei, strebt die Staatsanwaltschaft eine dauerhafte Unterbringung in der Psychiatrie an.

Sein Verteidiger erklärte zu Prozessbeginn, dass sich sein Mandant zunächst nicht zu den Vorwürfen äußern werde. Der Angeklagte soll den 18-Jährigen schon vor der Messerattacke mehrfach angegriffen haben. Der aus Syrien stammende Schüler war im Februar in die gegenüberliegende Wohnung eingezogen. Sie hätten zunächst keinerlei Kontakt gehabt, berichtete der 18-jährige Zeuge vor Gericht. Später sei der Nachbar auf einmal ohne Grund ihm gegenüber sehr aggressiv geworden. Bei dem ersten Vorfall habe er ihn vor dem Wohnhaus gegen ein Auto geschubst. Einen Tag vor der jetzt angeklagten Tat habe der Angeklagte ihn gegen eine Mauer gestoßen, dabei habe er eine Kopfverletzung erlitten. Der Nachbar habe zudem wiederholt merkwürdige Dinge gesagt und geäußert, dass er den 18-Jährigen schlagen wolle, weil dessen Eltern Juden seien. Auch seine Schwester habe er immer wieder verbal angegriffen, sagte der Schüler.

Schnittwunde und Prellungen

Der Angeklagte habe vorher schon immer wieder bei ihnen an die Tür geklopft, so auch schon zuvor am Tatabend. Zu der Zeit sei nur seine Schwester in der Wohnung gewesen, diese habe ihm nicht aufgemacht. Kurz nachdem auch er nach Hause gekommen sei, habe der Nachbar erneut geklopft, sagte der Zeuge. Er habe dann die Tür geöffnet und sei sofort angegriffen worden.

Der 18-Jährige hatte durch den Angriff eine Schnittwunde und Prellungen erlitten. Dauerhafte körperliche Schäden habe er nicht davon getragen, psychisch mache ihm das aber sehr zu schaffen, sagte er. So etwas habe er bis dahin nur in Syrien erlebt. „Das hinterlässt bei mir Spuren, ich kann das nicht vergessen. Ich denke immer und immer wieder daran.“ Auch seine Schwester sei sehr ängstlich geworden. „Sobald wir irgendwelche Stimmen im Haus hören, kriegen wir Angst.“ Der Prozess wird voraussichtlich bis Ende Dezember dauern.

Von Heidi Niemann

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