Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen 60 Kilometer Autobahn in privatem Besitz
Die Region Göttingen 60 Kilometer Autobahn in privatem Besitz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:57 08.06.2018
Auch die bereits sechsspurig ausgebauten Teilstücke der A7 bei Göttingen gehören zum Zuständigkeitsbereich der Via. Quelle: Hinzmann
Anzeige
Göttingen

„Wenn etwas neu ist, muss man es den Menschen vorstellen.“ Mit diesen Worten wandte sich Matthias Schmidt, Geschäftsführer der Via Niedersachsen am Mittwochabend an die Besucher der Truckerstammtischs in der Autobahnraststätte Göttingen. Verstärkt geht das Unternehmen mit Wurzeln in Frankreich und Sitz in Seesen derzeit an die Öffentlichkeit, um sich und das Autobahn-Großprojekt vorzustellen.

1 Milliarde Euro

Nach einem europaweiten Vergabeverfahren hatte das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) Mitte Februar 2017 der neu gegründeten Projektgesellschaft Via Niedersachsen den Zuschlag erteilt. Nach damaligen Angaben beläuft sich das Gesamtvolumen des Projektes, das auf 30 Jahre angelegt ist, auf rund eine Milliarde Euro. Es ist seit 2008 das zweite niedersächsische Infrastrukturprojekt, das in öffentlich-privater Partnerschaft (ÖPP) umgesetzt wird.

Dabei habe der Bund anders als in der Vergangenheit hier ein Verfügbarkeitsmodell (V-Modell) umgesetzt und damit die Vergütung von der Verfügbarkeit und Qualität der Autobahn abhängig gemacht. Stehen Fahrspuren auf der A 7 künftig also nicht dem Verkehr zur Verfügung, fließt entsprechend weniger Geld. Das Konzept garantiere dem Bund als Eigentümer der Autobahn zum einen eine hochwertige Bauqualität und setze zugleich Anreize für einen ungehinderten Verkehrsfluss. „Das ist unser Maßstab, daran werden wir gemessen“, so Schmidt.

„Eine Autobahn fällt ja nicht fertig vom Himmel“

Der Erfolg des Projektes hängt in er öffentlichen Wahrnehmung aber zunächst vorrangig vom Gelingen der Baumaßnahmen ab. Je länger die Verkehrsteilnehmer sich durch die 29,2 Kilometer lange Baustelle schlängeln müssen, desto schlechter fallen voraussichtlich die Kritiken aus. „Wir wollen möglichst wenig Beeinträchtigung für Verkehr und Anwohner“, brachte es Matthias Rink, Leiter der Autobahnpolizei, am Mittwoch auf den Punkt. Gleichzeitig gab er sich realistisch: Bei einem Projekt dieser Größenordnung komme es zwangsläufig zu Problemen. „So eine Autobahn fällt ja nicht über Nacht fertig vom Himmel.“

Und dass nicht immer alles nach Plan läuft, hat Schmidts Team schon zu Beginn der Maßnahme erfahren müssen. Erdrutsche und 7200 Jahre alte Keramiken haben bereits bei den bisherigen Vorbereitungsarbeiten für Verzögerungen gesorgt. Schmidt räumt ein: „Wir wären gerne schon weiter.“ Der Zeitplan aber steht, das Bauende im November 2021 ist klar definiert. Bis dahin soll pro Jahr jeweils ein Abschnitt von etwa fünf Kilometern realisiert werden.

Schachbrett-Konzept

Allerdings nicht am Stück, sondern nach einem Schachbrett-Konzept: In einem Abschnitte werden die vier Fahrspuren auf einer Seite zusammengelegt, um auf der anderen Fahrtrichtung bauen zu können. Unterbrochen werden diese Strecken immer durch sogenannte Beruhigungsabschnitte. Das entspreche der Vorgabe, dass nach „anstrengendem 4+0-Verkehr“ die Verkehrsteilnehmer entlastet werden müssten, erklärte der Via-Geschäftsführer. Nach Fertigstellung eines Abschnitts verschiebt sich das Schachbrett und ein anderer Abschnitt wird umgebaut.

Schmidt nannte abschließend noch einige Zahlen, um das Ausmaß des Vorhabens zu verdeutlichen: So werden 700 000 Quadratmeter Verkehrsfläche zurückgebaut, 1,3 Millionen Kubikmeter Erde bewegt und 18 Regenrückhaltebecken gebaut. Zudem werden mehrere Brückenbauwerke abgerissen, andere – unter anderem für Wildkatzen – neu gebaut. Dabei wird sich auch der Streckenverlauf der A 7 zum Teil deutlich ändern: Die Fahrbahndecke wird stellenweise um etwa zwei Meter höher beziehungsweise niedriger liegen und die Achse verschiebt sich um bis zu dreieinhalb Meter in beide Richtungen.

Wer sich auf die Behinderungen auf der A­ 7 zwischen Göttingen und Bovenden schon mental vorbereiten möchte: Noch in diesem Jahr sind laut Schmidt zwei Vollsperrungen und diverse Teilsperrungen geplant. In dazu äußerte Gastgeber Rink noch einen dringenden Appell nicht nur an die Besucher des Truckerstammtischs. „Folgt bei Sperrungen bitte den Umleitungsschildern und nicht dem Navi.“ Und wer auf dem Laufenden bleiben will: Via Niedersachsen informiert über die Medien und auf seiner Internetseite über den Baufortschritt und geplante Maßnahmen.

Wer ist Via Niedersachsen?

„Zunächst einmal sind wir ein ganz normales Unternehmen mit 24 Mitarbeitern“, sagt Via-Geschäftsführer Matthias Schmidt. Als Auftragnehmer des vom Bund vergebenen ÖPP-Projekts (öffentlich-private Partnerschaft) hat die Via Niedersachsen den Auftrag für Planung, Ausbau, Modernisierung und Betrieb der A7 zwischen Bockenem und Göttingen. Gesellschafter sind die Vinci Concessions Deutschland und die Meridiam Investments SAS zu je 50 Prozent. Dabei hat die Via die Aufgabenbereiche Planung und Bau an eine Bau-Arbeitsgemeinschaft vergeben, die sich aus dem europaweit tätigen Straßenbauunternehmen Eurovia und den regionalen Bauunternehmen Stutz und Heinrich Rohde Tief- und Straßenbau zusammensetzt. Sitz der Via Niedersachsen ist das Gelände der ehemaligen Autobahnmeisterei in Seesen. Ein weiterer Stützpunkt für den Winterdienst ist an der A7-Ausfahrt Northeim-Nord eingerichtet. Der Fuhrpark für Wartung und Winterdienst entspricht dem der vorherigen Autobahnmeisterei. Damit übernimmt die Via laut Schmidt etwa 85 Prozent der anfallenden Arbeit selbst. Einige Aufgaben, wie Fahrbahnreinigung oder Müllentsorgung werden an Fremdfirmen vergeben. Laut Vertrag ist die Via bis 2047 mit der Pflege des 60 Kilometer langen Autobahnabschnitts betraut.

Von Markus Scharf

Tomaten, Gurken und Paprika baut die Tafel Göttingen, die bedürftige Menschen an der Mauerstraße 16/17 mit Lebensmitteln versorgt, künftig selbst an.

07.06.2018
Göttingen Workshop im Literarischen Zentrum Göttingen - So entsteht ein Manga

Mangas gelten längst als eigene Kunstform. Die ursprünglich japanischen Comics sind auch in Deutschland beliebt. Die Düsseldorfer Künstlerin Martina Peters zeigte, wie Mangas gezeichnet werden.

07.06.2018

„Hören und nicht hören – von haarigen Zellen und leuchtenden Ohren“, so der Titel der vierten Vorlesung der Kinder-Uni im Sommersemester 2018. Prof. Tobias Moser nahm seine jungen Zuhörer mit auf eine 60-minütige Reise in die akustische Wunderwelt.

07.06.2018