Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen 61 Kilogramm Marihuana über die Grenze geschmuggelt
Die Region Göttingen 61 Kilogramm Marihuana über die Grenze geschmuggelt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:30 21.04.2018
Angeklagter will selbst täglich fünf Gramm Marihuana konsumiert haben. Quelle: dpa
Anzeige
Göttingen

Ein 35-jähriger Marokkaner muss sich seit Mittwoch vor dem Göttinger Landgerichts verantworten. Er soll an Drogenkurierfahrten durch Europa beteiligt gewesen sein. Vor Gericht räumte er die Taten ein, beschreibt sich aber als Mann, der so etwas eigentlich nicht macht.

„Ich habe Familie. Ich mache so etwas nicht“, will er geantwortet haben, als er im Urlaub 2012 in Marokko von einem Landsmann auf Drogengeschäfte angesprochen worden war. Sein deutsches Kennzeichen hatte die Aufmerksamkeit seines Gegenüber geweckt. Man habe sich gut verstanden, einige Urlaubstage miteinander verbracht und schließlich Telefonnummern ausgetauscht. Aber Drogen nach Deutschland bringen, das habe er nicht machen wollen.

Anzeige

Taxifahrer auf Jobsuche

Als der Angeklagte zwei Jahre später von Andreas K., einem Frankfurter Taxifahrer, angesprochen wurde, ob er nicht jemanden wüsste, der einen Drogenkurier braucht, erinnerte er sich wieder an seine Urlaubsbekanntschaft. Er habe den Kontakt der beiden Männer vermittelt, anschließend nach deren Vorgaben ein Auto gekauft und für die Bedürfnisse umbauen lassen: Das Tatfahrzeug war ein Toyota mit versteckten Fächern im Radkasten. So weit gestand der 35-Jährige seine Beteiligung zum Prozessauftakt ein.

Eine erste Fahrt von Spanien nach Dänemark wurde noch kurzfristig abgesagt – weil er sich geweigert habe, sagte der Angeklagte. Im Februar 2014 klingelte aber sein Telefon erneut. Sein marokkanischer Kontakt gab die Anweisung, K. solle mit dem Toyota nach Paris fahren und dort 30 Kilogramm Marihuana entgegennehmen. Warum auch der Angeklagte vor Ort war, sich darum kümmerte, dass der Inhalt von zwei Reisetaschen von einer belgischen Werkstatt im Auto verbaut wurde, wird in seinen Schilderungen nicht klar.

Logistik klappte reibungslos

Tatsächlich landete das Auto mitsamt der Ladung in Dortmund und wurde dort von Unbekannten entgegengenommen, ausgeräumt und zurückgegeben. Die Logistik klappte reibungslos. Als Lohn habe er etwas mehr als 1000 Euro und 100 Gramm Marihuana erhalten – für den eigenen Konsum. Damals habe er täglich bis zu fünf Gramm selber geraucht – vorwiegend Haschisch, sagte der 35-Jährige.

Im Mai 2014 sollte der Toyota erneut auf Reisen gehen. Diesmal von Spanien aus in Richtung Göttingen. Erneut habe er den Auftrag zunächst ablehnen wollen, betonte der Angeklagte vor Gericht. Aber sein Kontakt in der Heimat hatte angeboten, dass er die Drogen auf eigene Rechnung verkaufen und den Gewinn mit K. hätte teilen sollen. Doch so weit kam es nicht. Zunächst sei laut Anklage alles nach Plan gelaufen. K. brach in Göttingen auf, übergab in Madrid das Fahrzeug an den Angeklagten, der wiederum dafür sorgte, dass 31 Kilogramm im Bereich des Radkastens versteckt wurden.

Zollbeamte stellen 76 Drogentütchen sicher

Doch dann geriet der Wagen kurz hinter der deutschen Grenze in eine Zollkontrolle. Die Beamten stellten 76 Päckchen mit 500 Gramm Cannabis sicher, K. wurde festgenommen. Als der Angeklagte davon erfuhr, floh er nach Marokko, um 2017 bei der Wiedereinreise nach Deutschland ebenfalls verhaftet zu werden. Knapp ein Jahr später saß er nun vor dem Gericht und schilderte am ersten Verhandlungstag seine Version der Geschichte. Die allerdings wies Lücken auf. So blieb die Beschreibung seiner Urlaubsbekanntschaft eher dürftig – ein großer Mann mit Schnurrbart sei es gewesen. An Telefonnummern konnte er sich nicht erinnern und auch den Namen schien er anfangs vergessen zu haben.

Außerdem wollte der Vorsitzende Richter Matthias Thielbeer vom Angeklagten noch wissen, ob er sich denn erklären könne, warum er in Marokko von einem Fremden und in Frankfurt von einem Taxifahrer auf Drogengeschäfte angesprochen worden sei. Die Antwort: „Keine Ahnung. Vielleicht weil ich Marokkaner bin.“

Von Markus Scharf

18.04.2018
18.04.2018