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Göttingen ADHS: Immer mehr Diagnosen und immer mehr Pillen
Die Region Göttingen ADHS: Immer mehr Diagnosen und immer mehr Pillen
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00:17 23.03.2014
Von Matthias Heinzel
Teil des Alltags: Viele betroffene Kinder nehmen gegen ADHS regelmäßig das Medikament Ritalin.
Teil des Alltags: Viele betroffene Kinder nehmen gegen ADHS regelmäßig das Medikament Ritalin. Quelle: DPA
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Göttingen

Die Betroffenen litten unter Konzentrationsstörungen, mangelnder Impulskontrolle und massiver motorischer Unruhe, erläutert Dr. Henrik Uebel-von Sandersleben, Leiter der ADHS-Ambulanz in der Uni-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Behandelt wird die Störung oft mit Methylphenidat, allgemein bekannt unter dem Produktnamen Ritalin, obwohl es auch andere Marken gibt. Deren Absatz stieg rasant – zwischen 1995 und 2008 um das 35-fache. In Göttingen schlucken mittlerweile 4,9 Prozent der Viertklässler Ritalin oder vergleichbare Pillen, wie die aktuelle Untersuchung des Gesundheitsamtes zur Gesundheit an den Schulen feststellt.

Rasch Methylphenidat verschrieben

Doch das Präparat ist umstritten: Unter anderem der Göttinger Wissenschaftler Gerald Hüther kritisiert, dass viele Ärzte zu rasch Methylphenidat verschrieben, um die Kinder „funktionstüchtig“ zu machen.

Dr. Carsten Kraus, verantwortlich für die Studie des Gesundheitsamtes, lehnt Methylphenidat hingegen nicht pauschal ab: „Das Medikament gleicht einen Mangel aus“, sagt der Kinderarzt. Allerdings müsse eine stimmige Diagnose der Aufmerksamkeitsstörung vorliegen. Die Pillen sollten zudem nur mit einer begleitenden Therapie eingesetzt werden.

Das meint auch Uni-Arzt Uebel-von Sandersleben. Nur bis zu fünf Prozent der Kinder litten tatsächlich unter ADHS. Weil bei weitem nicht alle Methylphenidat nähmen, hält er die in Göttingen ermittelten 4,9 Prozent für sehr hoch gegriffen.

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