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Göttingen Ab April Freilauf adé
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06:17 02.04.2012
Von Katharina Klocke
Auch wenn die Jagd überhaupt nicht ihr Metier ist: Leo, Carlo, Enie (v.l.) müssen bis Mitte Juli an der Leine geführt werden.
Auch wenn die Jagd überhaupt nicht ihr Metier ist: Leo, Carlo, Enie (v.l.) müssen bis Mitte Juli an der Leine geführt werden. Quelle: herzog
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Göttingen

Was passieren kann, wenn frei laufende Hunde ihrem Jagdtrieb folgen, erlebt der Pächter des Jagdreviers Diemarden regelmäßig: Allein 2011 fand er die Überreste von acht Rehen, alle von Hunden gerissen und teils hochtragend. „Ich bekomme das nur mit, wenn die Tiere gefunden werden“, sagt er, „die Dunkelziffer ist viel höher“. Zwischen Diemarden und Geismar seien sehr viele Hundebesitzer unterwegs, „unsere Wege sind von Göttingen aus gut zu erreichen“.

Dass es bei Diemarden ein Hundeproblem gibt, bestätigt Kreisjägermeister Ernst-Friedrich Wille. Besonders tragisch endeten Begegnungen zwischen Wild und Hund in der Brut- und Setzzeit, sagen beide Jäger. Wenn ein Säugetier seinen Nachwuchs, ein Vogel das Nest verlasse, sei die Aufzucht der Jungen gefährdet. Ein trächtiges Wildtier könne zudem nur unter Qualen davonlaufen. „Und es ist der Super-Gau, wenn ein Muttertier von einem Hund gerissen wird“, sagt Wille.

Dass Hunde Bewegung brauchen, steht für die Jäger außer Frage. Wille appelliert aber an Hundehalter, ihre Tiere nicht im Wald und in der freien Landschaft, sondern eher nahe der Ortslagen laufen zu lassen. „Eigentlich müssten Städte und Gemeinden Flächen für Hunde ausweisen“.

Der Leinenzwang gilt laut niedersächsischem Gesetz über den Wald und die Landschaftsordnung zwischen dem 1. April  und dem 15. Juli. So handhaben es der Landkreis Northeim und der Fachdienst Stadtwald in den Göttinger Waldgebieten. „In den Naturschutzgebieten zwischen Kerstlingeröder Feld und Södderich oder im Bratental ist allerdings ganzjährig Leinenzwang angeordnet“, erklärt Martin Johannes Levin, Leiter des Fachdienstes. Nicht nur wildernde Hunde seien für Wildtiere ein Stressfaktor. „Allein der Wolfsgeruch lässt sie flüchten. Und das ist in der Zeit der Aufzucht ihrer Jungen ganz schlecht.“

Manche Kommunen verlängern den Leinenzwang auf den Zeitraum zwischen Dezember und Mitte Juli. So haben es auch die Gemeinde Gleichen und der Flecken Bovenden sowie die Gemeinde Friedland für Wälder und Gehölzgruppen inkusive von 50 Meter breiten Schutzstreifen an Gehölzen und beiderseits von Gewässern festgelegt. Im Bereich Rosdorf müssen Vierbeiner im Wald und in der freien Landschaft ebenfalls zwischen dem 1. April und 15. Juli angeleint werden – mit Ausnahmen: In den Gemarkungen Obernjesa und Sieboldshausen gilt für das Waldgebiet Jägerberg einschließlich des daran angrenzenden Rundweges ein ganzjähriger Leinenzwang.