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Göttingen Abrissarbeiten am ehemaligen EAM-Gebäude in Göttingen-Grone
Die Region Göttingen Abrissarbeiten am ehemaligen EAM-Gebäude in Göttingen-Grone
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07:31 19.01.2019
„Das Gerippe ist ein Schandfleck“: So urteilte der ehemalige Ratsherr Gerd Nier (Linke) über das ehemalige EAM-Gebäude. Quelle: Peter Heller
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Grone

Es tut sich was auf dem ehemaligen EAM-Gelände an der Kasseler Landstraße. Bagger rollen und ein Kranwagen reicht bis zur obersten Etage des entkernten EAM-Turmes. Im und am Turm wird gearbeitet.

Ob es weitere Entkernungsarbeiten oder Vorbereitungen für einen Abriss des Gerippes sind, ist allerdings unklar. Die Göttinger Firma Tetraeder Immobilen GmbH hüllt sich in Schweigen und will vorerst nichts zum Fortschritt der Arbeiten sagen, wie eine Sprecherin auf Anfrage mitteilt. Infos dazu liegen auch der Stadtverwaltung nicht vor.

Noch gibt es kein Baurecht für die Eigentümer des ehemaligen EAM-Gebäudes an der Kasseler Landstraße. Aber es wird gearbeitet in dem seit Jahren als Gerippe da stehenden Hochhaus.

Feststeht, dass das Verfahren zur Aufstellung des Bebauungsplanes noch läuft. Bei der Stadtverwaltung genießt das Tetraeder-Vorhaben eine „hohe Priorität“, wie es noch im Mai aus dem Neuen Rathaus hieß. Der Plan befindet sich derzeit in öffentlicher Auslegung. Der bestehende Bebauungsplan lässt die von Tetraeder geplante gemischte Nutzung für das gesamte Gelände aber nicht zu.

„Für den Bereich des Turms besteht noch kein Baurecht“, sagt Verwaltungssprecher Dominik Kimyon. Der Abriss des Gebäudes sei allerdings genehmigungsfrei. „Was aktuell genau vor Ort geschieht, ist uns daher nicht bekannt.“

Geförderter Wohnungsbau bei Abriss des EAM-Turmes

Sollte der EAM-Turm doch abgerissen werden und auf der Fläche neu gebaut werden, müsse die Gestaltung des Neubaus mit der Stadt abgestimmt und 30 Prozent geförderter Wohnungsbau realisiert werden, sagt Kimyon. Dies werde in einem städtebaulichen Vertrag zwischen Stadt und Eigentümer geregelt.

Das Gelände ist seit 2016 im Besitz von Tetraeder. In dem Turm sollen Wohnungen und Büros entstehen, eine zweistöckige Kindertagesstätte angrenzend im Osten. Außerdem ist entlang der Kasseler Landstraße ein Hotelneubau geplant. „Das Hotel kann unabhängig von dem Bebauungsplan erstellt werden, es liegen alle Genehmigungen dafür vor“, sagt Kimyon. So habe es Tetraeder damals auch der Stadt dargestellt. Nach Erteilung der Baugenehmigung für das Hotel müsse sich hier die Auffassung des Vorhabenträgers geändert haben, erläutert Kimyon.

Chronologie

1975: Fertigstellung des von Architekt Jochen Brandi entworfenen Gebäudes

2004: Umzug des Stromversorgers EAM von der Kasseler Landstraße in das Stadtwerke-Gebäude in der Hildebrandstraße. Die EAM sucht Käufer für das Haus.

2006: Der letzte Mieter, B&N Software, verlässt das ehemalige EAM-Gebäude.

2007: Pläne eines Investors für eine Shrimps-Zucht, eine private Schule und eine Kindertagesstätte auf dem Gelände.

2009: Shrimp-Zucht-Pläne zerschlagen sich.

2011: Der Edeka-Konzern kauft das gesamte Gelände.

2013: Verein Stadt und Planung stellt Prüfantrag für Denkmalschutz.

2014: Göttingens Baudezernent Thomas Dienberg folgt in einer Stellungnahme dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege (NLD) nicht. Das NLD stuft das Gebäude als schützenswert ein.

2016: Edeka verkauft das Gelände an die Göttinger Tetraeder Immobilien GmbH. Die Entkernung des Gebäudes beginnt im November. Durch einen Behördenfehler der NLD wird ein Baudenkmal vernichtet.

Von Michael Brakemeier