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Göttingen Wilde 13 ohne Heidi Malinowski
Die Region Göttingen Wilde 13 ohne Heidi Malinowski
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18:30 28.11.2019
Heidi Malinowski, Fachdienst Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Göttingen, verabschiedet sich in den Ruhestand. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

Ihre Drohung hat Heidi Malinowski wahr gemacht: „Dann bleibe ich bis zur Rente“, sagte die Verwaltungsangestellte der Stadtverwaltung Göttingen im Frühjahr 1992. Da hatte sie der damalige Oberstadtdirektor Hermann Schierwater (SPD) zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Und Malinowski redete Klartext mit dem künftigen Vorgesetzten.

Vermutlich war das für Schierwater wenig überraschend. Der Verwaltungschef kannte die Göttingerin bereits, die als Personalrätin bei der Bundeswehr kämpferisch gegen die Schließung des Standortes auf den Zietenterrassen argumentiert hatte. Dabei nahm sie auch gegenüber den Befürwortern der Standortschließung aus der Politik kein Blatt vor den Mund.

Selbstbewusste Bewerberin

Und heute macht die 66-Jährige ebenfalls keinen Hehl daraus, dass sie damals verschiedene Angebote hatte. Von anderen Behörden kamen die. Sie hoffte, dass ihre Bewerbung für eine Stelle im städtischen Sozialamt Erfolg haben würde. Es kam anders.

Seit 16. April 1992 ist Malinowski im Presseamt-Team, dessen Chef bis März 2018 Detlef Johannson war. Ob der damals auch ihre Drohung hörte? Auf jeden Fall kann er sich daran erinnern, dass die Bewerberin „selbstbewusst, aber nicht überheblich“ im Vorstellungsgespräch war. Bei ihm kam das an. Später habe er ihre Loyalität geschätzt. Sie habe „Organisationstalent und Durchsetzungsvermögen par excellence“.

Das Presseamt, erinnert sich Malinowski, wurde als Amt 13 auch „die wilde 13“ genannt. Das hatte verschiedene Gründe. Unter anderem war vor ihr die Reihe der Mitarbeiter nicht gerade überschaubar, die mit den Arbeitsanforderungen und -bedingungen wohl nicht so zufrieden waren.

18 Chefs in 17 Jahren

Malinowski, die in der Göttinger Innenstadt aufgewachsen ist und mit ihrem Mann noch länger in Groß Ellershausen lebt, kam mit der wilden 13 gut klar. Jahrelang war sie in einem beständigen Dreier-Team bei der Arbeit. „Bei der Bundeswehr hatte ich in 17 Jahren 18 Chefs“, erzählt sie. Da konnte sich nicht das entwickeln, was die „Büro-Ehe“ mit Johannson brachte: Anfangs habe er sie ganz schön geformt, erinnert sie sich, später habe sie sehr viel Respekt gegenüber seiner Leistung entwickelt – „und dann waren wir irgendwann so aufeinander eingespielt, dass ein Blick reichte, um zu wissen, was zu tun war.“

In ihrem Aufgabenbereich hat sich viel verändert seit 1992. Aber das Telefon ist die Konstante: „Was früher Telefonate und Faxe waren, sind heute Telefonate und Mails“, beschreibt Malinowski die grundlegenden Kommunikationsmittel im heutigen Fachdienst Presse und Öffentlichkeitsarbeit, dessen Team inzwischen aus fünf Personen besteht mit dem Chef Dominik Kimyon. Und aus der Sachbearbeiterin Malinowski ist mittlerweile die Teamassistentin geworden.

Das Neue Rathaus in Göttingen. Quelle: Peter Heller

Die Arbeit, beschreibt Malinowski, „war früher viel mehr Handarbeit.“ Die Pressedienste gingen per Post oder Telefax raus, für die Zusammenstellung mancher Informationen waren Schere und Kleber nötig, um eine Übersicht zu erstellen. Oder die Ozonwerte, die wurden bei der Messstelle abgerufen und die Pressestelle der Stadt hatte sie zur Veröffentlichung an die Redaktionen mitzuteilen – per Anruf.

„Ruck zuck auf den Punkt“

Die grundsoliden, wiederkehrenden Tätigkeiten waren es aber nicht, die Malinowski hervorhebt, wenn es um die Besonderheit der Wilde 13-Arbeit geht. Von Beginn an gefiel ihr, „ich weiß morgens nicht, was der Tag bringt – das ist das Schöne!“

Liebenswürdig und forsch telefoniert sie, nimmt Presseanfragen an, gibt Auskunft „ruck zuck auf den Punkt“. Das habe sie noch zu Bundeswehrzeiten verinnerlicht. Und seitdem kann sie auch das NATO-Alphabet ruck zuck – Alfa, Bravo, Charlie ...

Damit konnte sie bei Telefonaten punkten. Aber auch mit einer gewissen Diplomatie. Die sei im Umgang mit Journalisten gefordert und war es besonders zu den Zeiten, als das Presseamt fürs Beschwerdemanagement zuständig war.

Da ist ihr besonders in Erinnerung eine ehemalige Lehrerin, die regelmäßig Anfragen stellte und gar nicht ruck zuck bedient werden wollte. Da hat Heidi Malinowski dann verständnisvoll reagiert und war für ihre Verhältnisse sehr geduldig.

Krisenmanagement

Wenn aber das Krisenmanagement einer Pressestelle gefordert war, machte sie keine Zugeständnisse. Interviewzeiten und Anfragen koordinieren hatten dann Vorrang – ohne Blick auf Arbeitszeiten. Was Malinowski besonders in Erinnerung hat: Den Brand der Farbenbank in Weende 1993, das Unglück bei der Bombenentschärfung auf dem Göttinger Schützenplatz 2010 oder die umfangreichen Arbeiten im Jahr 2012 zur Vorbereitung der Entscheidungen zum Entschuldungshilfeprogramm (EHP).

Immer auf der Nordseite des Neuen Rathauses in der zweiten Etage arbeitete Heidi Malinowski in ihrem Büro. Nur einmal hat sie den Raum gewechselt seit 1992. Dort will sie am Freitag, 29. November, ihre Sachen packen. Die Poster, die hinter ihrem Arbeitsplatz hängen und vor allem Konzerte der Rathaus-Rocker und der Figurentheater-Tage zeigen, bleiben vielleicht noch hängen.

Und wenn Heidi Malinowski auch ohne Zögern „ja, ja sofort“ sagt, auf die Frage, ob sie diesen Beruf noch einmal wählen würde, ist sie nun entschlossen, in Rente zu gehen. Ihre Drohung hat sie wahr gemacht, obwohl die 1992 als solche wohl nicht angekommen ist. Ab Januar beginnt der neue Lebensabschnitt – ohne Wilde 13, aber mit vielen Kollegen, die Freunde geworden sind und bleiben.

Von Angela Brünjes

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