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Göttingen Abschied von der Politik nach 29 Jahren
Die Region Göttingen Abschied von der Politik nach 29 Jahren
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19:15 28.09.2011
Von Katharina Klocke
Verabschiedet sich nach 29 Amtsjahren als Ortsbürgermeister: der Holtenser Karl Wille. Quelle: Hinzmann
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Holtensen

1964 trat Wille der SPD bei. Seither hat er mit Rückhalt durch seine Familie in seinem Geburtsort viel bewegt – von 1968 an in politischer Verantwortung im Rat der noch selbstständigen Gemeinde, „ich war der Jüngste auf der Liste“. Parallel dazu übernahm er bei der Freiwilligen Feuerwehr Führungsaufgaben – als Gemeindebrandmeister und Vorsitzender des Feuerwehrvereins. 1973 wirkte er im Zuge der Eingemeindung Holtensens in die Stadt Göttingen an den Grenzänderungsverträgen mit. Auf zwei Resultate ist er noch heute stolz. „Wir haben durchgesetzt, dass Ortsbrandmeister Ehrenbeamte der Stadt Göttingen wurden und konnten uns gegen den Schlachthofzwang wehren“, berichtet Wille.

Beides war nicht nur für die Holtenser Hausschlachte-Tradition und die Freiwilligen Feuerwehren in Göttingen von Bedeutung, sondern auch für den eigenen Lebensweg. Wille, gelernter Fleischermeister, langjähriger Betriebsleiter der Firma Eisenacher und später in der Gewerbeüberwachung des Landkreises Göttingen tätig, war immerhin 31 Jahre lang Ortsbrandmeister. Und als Hausschlachter betätigt sich der Rentner seit 1974. Alljährlich produziert er mit Helfern in stundenlanger Arbeit Wurstwaren, die den Gästen bei Dorffesten und Jahreshauptversammlungen der Holtenser Vereine serviert werden. Was er auch weiter tun möchte, „das hat mit meinem Rückzug aus der Politik nichts zu tun“.

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Wille ist Mitbegründer mehrerer Vereine, Vorsitzender des Feuerwehrvereins und der Göttinger Kegler, Träger des Bundesverdienstkreuzes und, viel wichtiger aus seiner Sicht, des deutschen Feuerwehrabzeichens und der Waldbrandmedaille für Einsätze bei Heidebränden. Das Engagement für den Feuerwehrverein will er fortsetzen, seine politischen Aktivitäten aber hat er für beendet erklärt.

Von 1982 an war er Ortsbürgermeister, „und habe jetzt all das erreicht, was ich für Holtensen erreichen wollte“, begründet der Sozialdemokrat, warum er bei den Kommunalwahlen nicht mehr antrat. In seine Amtszeit fielen unter anderem der Bau des Kindergartens und der Mehrzweckhalle, die Einrichtung eines von der Bezirksregierung genehmigten Osterfeuerplatzes und der Bau der seit langem geforderten Ortsumfahrung.

Seine jeweiligen Gegenüber begegneten einem selbstbewussten und besonders hartnäckigen Verhandlungspartner, „ich bin auch ein paar mal angeeckt“, räumt Wille ein. In seinem Engagement für die Stadt Göttingen und den Ortsteil Holtensen, betont er, habe aber stets die Sache statt des Fraktionszwanges im Vordergrund gestanden: „Ich bin Kommunalpolitiker und kein Parteipolitiker“.

Oberbürgermeister Wolfgang Meyer verabschiedet heute Abend im Zuge einer Veranstaltung für die 46 Mitglieder des Göttinger Rates 14 Kommunalpolitiker, die dem Gremium nach den Kommunalwahlen nicht mehr angehören werden. Eine besondere Ehrung ist auch für den langjährigen Holtenser Ortsbürgermeister Karl Wille vorgesehen.