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Göttingen Acht Masernfälle in Göttingen seit März – Reicht der Impfschutz nicht aus?
Die Region Göttingen Acht Masernfälle in Göttingen seit März – Reicht der Impfschutz nicht aus?
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00:22 17.05.2019
„Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit und aktuell nimmt die Bedrohung durch Masern zu“, machte die Northeimer Amtsärztin Dr. Regina Pabst, Fachbereichsleiterin der Gesundheitsdienste des Landkreises Northeim, am Dienstag deutlich. Quelle: dpa
Göttingen / Northeim

Die Fälle von Masernerkrankungen nehmen zu – nach Zahlen der Weltgesundheitsorganisation in ganz Europa, nach Zahlen von Dr. Eckart Mayr, Leiter des Göttinger Gesundheitsamts, auch in Göttingen. „Die Masernhäufigkeit der vergangenen Wochen, stellt alles in den Schatten“, sagte Mayr am Dienstag im Sozialausschuss des Rates.

Acht Masernfälle zwischen April und Mai listet Mayr auf. Im April waren lediglich es nur vier. Das Gefährliche daran: Masern sind hochansteckend. „Höher als bei Ebola“, schildert Mayr. Schon ein kurzer Kontakt oder Aufenthalt in der Nähe eines Betroffenen reiche, um sich zu infizieren, warnte auch der Landkreis Northeim am Dienstag in einer Pressemitteilung. Selbst das Betreten eines Raumes, in dem sich ein Masernerkrankter zwei Stunden vorher aufgehalten hat, könne zu einer Infektion führen. Einer von 1000 Masernfälle verlaufe tödlich, machte Mayr im Ausschuss deutlich.

Ziel: Eindämmen der Krankheit

Die Göttinger Patienten hätten, so erläuterte Mayr, während ihrer Infektionszeit Kontakt zu 40 oder mehr Personen gehabt. Tätigkeitsverbote seien teilweise ausgesprochen worden. Masern gehören zu meldepflichtigen Krankheiten – das gelte schon beim Anfangsverdacht. Vorrangigstes Ziel sei, so Mayr, die Krankheit einzudämmen.

Mayr plädierte für einen ausreichenden Impfschutz. Risiken durchs Impfen seien um ein Vielfaches geringer als durch die Masern selbst. In Göttingen reiche der Durchimpfungsgrad aber nicht aus. 95 Prozent seien einmal geimpft, nur noch 90 Prozent zweimal – und damit ausreichend vor Masern geschützt. „Das reicht nicht aus“, sagte Mayr.

„Keine harmlose Kinderkrankheit“

Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit und aktuell nimmt die Bedrohung durch Masern zu“, machte auch die Northeimer Amtsärztin Dr. Regina Pabst, Fachbereichsleiterin der Gesundheitsdienste des Landkreises Northeim, deutlich.

Der jüngste Ausbruch im Landkreis Hildesheim, bei dem eine Frau gestorben war, zeige noch einmal deutlich, dass Masernerkrankungen Kinder und Erwachsene betreffen, denn rund die Hälfte der betroffenen Masernerkrankten seien im Erwachsenenalter gewesen, heißt es in der Mitteilung des Landkreises Northeim. Die Überprüfung des Impfschutzes sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern sei daher erforderlich.

Masernfrei seit 2017

Pabst gibt für den Moment Entwarnung für den Landkreis Northeim. Masernfälle seien nicht bekannt und in vergangenen Jahren habe es nur Einzelfälle gegeben. Den bislang letzten nachgewiesenen Masernfall in Northeim habe es 2017 gegeben. „Gleichwohl ist es sicher nur eine Frage der Zeit, wann auch im Landkreis Northeim die nächsten Masernerkrankungen auftreten werden“, warnte Pabst.

Die Komplikation durch Masern seien vielfältig: Mittelohrentzündung, Bronchitis, Lungenentzündung bis zu Schädigungen des Nervensystems könnten die Folgen sein. Etwa eine von 1.000 erkrankten Personen sterbe. Besonders tückisch sei die verzögerte Gehirnentzündung, die gerade Kinder unter fünf Jahren betreffen könne. Dabei wurden die Kinder zunächst nach der Masernerkrankung wieder gesund, nach sechs bis acht Jahren zeigten sie dann Rückschritte der Entwicklung, verlören über Monate bis Jahre alle geistigen und motorischen Fähigkeiten. Diese unheilbare Krankheit führe zum Tod.

Weil Impfpflicht nicht abgeneigt

Die SPD in Niedersachsen hat nach dem Tod einer an Masern erkrankten Frau im Kreis Hildesheim wohl ihren Widerstand gegen die Impfpflicht-Pläne der Bundesregierung aufgegeben. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sei gegenüber einer Verpflichtung „nicht abgeneigt“, hatte seine Sprecherin in der vergangenen Woche gesagt.

Von Michael Brakemeier

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