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Göttingen „Boing!“ und „Schmetterlingseffekt“ sorgen für viele Lacher
Die Region Göttingen „Boing!“ und „Schmetterlingseffekt“ sorgen für viele Lacher
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00:20 13.12.2018
Alice (Mitte) baut ihren Einfluss aus. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

Hoch politisch, herrlich satirisch und mit viel Gesellschaftskritik sind am Sonntag die beiden Theatergruppen“ Boing!“ der Harz-Weser-Werkstätten Holzminden und „Schmetterlingseffekt“ der Selbsthilfe Körperbehinderter im Uniklinikum Göttingen aufgetreten.

„Wir sind keine Schauspielprofis, sondern es sind theaterpädagogische Projekte“, erklärte Tobias Wojcik, Psychologe und Theaterpädagoge, der beide Gruppen leitet, eingangs. Das Stück „Alice im Weideland“, angelehnt an Lewis CarollsAlice im Wunderland“, mit dem „Boing!“ den Anfang machte, sei vor ungefähr einem Jahr entstanden, in der Zeit des Streits von Donald Trump und Kim Jon-un, „als Angela Merkel noch nicht wegzudenken war“ und die AFD in den Bundestag einzog.

Profi oder nicht – die Ensembles punkteten mit viel Spaß auf der Bühne und sorgten für zahlreiche Lacher im Publikum.

„Alice im Weideland“

„Ich verspreche mir einiges von diesem Land“, sagt Alice (Jasmin Rödiger), als sie das Wunderland betritt. Ihr Plan: Größer werden und die Macht übernehmen. Um das zu schaffen, lässt sie sich von Wunderland-Kiffer Eckardt Göring (Svenja Wyrwoll) überreden, es mit „Magic Mushrooms“ zu versuchen. Und der gibt ihr auch gleich noch einen Tipp mit auf den Weg: „AfD – ‚Alice futtert Dope‘ – das könnte doch der Name deiner Bewegung sein“.

Die Theatergruppe „BOING!“ trat beim 8. inklusiven Theaterfestival mit dem Stück „Alice im Weideland“ auf. Quelle: Niklas Richter

Während Alice an Kraft gewinnt, verschlechtert sich das politische Klima im Wunderland zunehmend. Die Zwillinge Schniedel Kim und Schniedel Trump (Kai Kallinich und Maik Siepler) streiten sich herrlich boshaft darüber, wer den größten Atomkopf hat. Immer wieder wird ein Schild mit „Originalzitat“ hochgehalten, wenn die Figuren diese in ihren Texten verwenden – ein toller Einfall von Autor Wojcik, der dem Irrsinn die Krone aufsetzt.

„Na, wenn es solche Probleme im Wunderland gibt, wird es mir ein Leichtes sein, diese für mich zu nutzen“, freut sich Alice derweil und treibt ihre Übernahmefantasien voran. Und so ist aus dem Wunderland mittlerweile auch ein Weideland geworden.

Die Merkkönigin in der Kritik

Unzufrieden mit der Merkkönigin (Wojcik) wollen die Untertanen mithilfe eines Putschdemons die Republik ausrufen. Die hingegen regiert auch nach drei Amtszeiten inaktiv vor sich hin, mit den Händen zur Raute geformt und gemäß dem Motto „Ab mit dem Kopf. Wir schaffen das.“

Die Theatergruppe „BOING!“ trat beim 8. inklusiven Theaterfestival mit dem Stück „Alice im Weideland“ auf. Quelle: Niklas Richter

Doch irgendwann muss auch die Merkkönigin einsehen, dass ihre Regentschaft bedroht und Alice auf dem Vormarsch ist. Doch mit wem könnte sie sich verbünden? Mit Christian, dem fotogenen Dotterprinz (Wyrwoll), der auf Schwarz-Weiß-Fotos so toll aussieht? Oder mit dem schwarzen Peter Deutschlands alias Martin Schulz?

Schließlich wird Alice angeklagt. Der Vorwurf: vorsätzliche Verdummung. Das prallt natürlich an ihr ab. Die Wunderländer könne man doch ohnehin getrost in Anatolien entsorgen. „Wenn wir alle zusammenhalten, wirst du wieder klein werden“, halten die ihr entgegen. Und haben Erfolg. Begleitet von dem abgewandelten Song „Who the fuck is Alice“ wird sie schließlich aus dem Wunderland vertrieben. Doch Alice macht sich deshalb nicht allzu viele Sorgen: „Ich weiß, dass wir uns wiedersehen.“

Lieder aus Stücken der vergangenen vier Jahre

Wie schon „Boing!“ hatte auch die TheatergruppeSchmetterlingseffekt“ mit krankheitsbedingten Darstellerausfällen zu kämpfen, doch das kompensierte das Ensemble ganz unaufgeregt mit dem ein oder anderen Blick in den Text. Sie boten als Uraufführung die Gesangsshow „Pest of Revue“ von Theaterstücken aus den vergangenen vier Jahren. Wer die nicht kannte, verstand nicht jeden Seitenhieb oder Gag, aber die Darbietungen wurden mit so viel Lust am Spiel präsentiert, dass auch diese Zuschauer auf ihre Kosten kamen.

Die Theatergruppe „Schmetterlingseffekt“ trat beim 8. inklusiven Theaterfestival mit dem Stück „Alice im Weideland“ auf. Quelle: Niklas Richter

Für besonders viel Erheiterung sorgte ein Lied über die Allmacht der Wirtschaft, in dem es heißt: „BWL studieren – dann kann dir nichts passieren, die Zukunft wird die deine sein, denk an dich allein.“ Quasi eine praktische Anleitung zum Egoismus.

Aber auch ernstere Töne wurden angeschlagen. So ging es um die Schwierigkeiten von Menschen mit Handicap, eine Wohnung zu finden, und den Schönheitskult von Modells mit Brüllimie – „Schöner Schein, soll es das wirklich schon sein?“. Ernster Inhalt, heitere Umsetzung hieß es, als es um das Thema Massentierhaltung ging. Darin engagiert „Miesenhof“-Besitzerin Cindy Broilerstein (Lisa Steinert) den Spitzenkoch Paul Combuse, damit dieser ihr Gammelfleisch verarbeitet. Das geht natürlich gründlich schief.

Die Theatergruppe „Schmetterlingseffekt“ trat beim 8. inklusiven Theaterfestival mit dem Stück „Alice im Weideland“ auf. Quelle: Niklas Richter

Fast zwei Stunden lang unterhielten die Theatergruppen ihr Publikum. Nach der Vorstellung kamen einige Zuschauer beim Ensemble vorbei und gratulierten den Darstellern zur gelungenen Aufführung.

8. inklusives Theaterfestival 2.0 im Uniklinikum Göttingen

Von Nora Garben

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