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Göttingen Änderungen bei Asklepios mit Auswirkungen auf Personalkosten
Die Region Göttingen Änderungen bei Asklepios mit Auswirkungen auf Personalkosten
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18:22 11.06.2013
Von Matthias Heinzel
Veränderungen stehen an: Göttinger Asklepios-Klinik.
Veränderungen stehen an: Göttinger Asklepios-Klinik. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen / Hannover

Asklepios-Mitarbeiter und die Gewerkschaft Verdi berichten übereinstimmend, dass die Veränderung drei bisher geschlossene Abteilungen beträfen. Eine der drei Bereiche sei die gerontopsychiatrische Abteilung – also diejenige, auf der psychisch erkrankte, ältere Menschen versorgt werden.

Schmidts Stellungnahme: „Definitiv nein.“

Ganz so einfach verhalte es sich nicht, erklärt Asklepios-Sprecher Rudi Schmidt. Auf den geschlossenen Abteilungen seien viele Patienten untergebracht, die auf eine offene Station gehören, aber dort sei kein Platz. Schmidt: „Bislang müssen diese Patienten immer einen Mitarbeiter bitten, ihnen die Tür zu öffnen. Daher werden die Patienten, die geschlossen untergebracht werden müssen, auf anderen geschlossenen Abteilungen versorgt.“

Die Veränderung tritt offenbar bereits am kommenden Wochenende zumindest teilweise in Kraft. Das Modell werde zunächst auf einer Station erprobt, antwortet Schmidt auf eine entsprechende Anfrage des Tageblatts. Vehement tritt der Asklepios-Sprecher der Mitteilung eines Mitarbeiters der Physiotherapie in der Göttinger Asklepios-Klinik entgegen, der Personalbestand habe sich seit dem Jahr 2012 so stark verringert, dass es seitdem 40 Prozent weniger Physiotherapie gebe. Schmidts Stellungnahme: „Definitiv nein.“

Guthaben von 37 Millionen Euro erwirtschaftet

Unterdessen haken die beiden Göttinger SPD-Landtagsabgeordneten Gabriele Andretta und Ronald Schminke bei der niedersächsischen Landesregierung nach. Nach ihrer kleinen Anfrage offenbar unzufrieden mit der Antwort von Sozialministerin Cornelia Rundt, fordern Andretta und Schminke nun Auskunft darüber, ob die angeforderte Stellungnahme von Asklepios zu den erhobenen Vorwürfen inzwischen vorliege und welche Konsequenzen sie daraus ziehe. Weitere Frage der Abgeordneten: „Prüft die Landesregierung eine Rückabwicklung des Verkaufs der Landeskrankenhäuser?“

Vergangene Woche hatte der Landesrechnungshof seinen Jahresbericht vorgestellt, in dem auf schwere Versäumnisse der abgewählten CDU-FDP-Landesregierung beim Verkauf an private Betreiber hingewiesen wird. Laut Bericht hatten die acht verkauften Landeskrankenhäuser in den Jahren zuvor im Schnitt zum Jahresende Guthaben von 37 Millionen Euro erwirtschaftet.

Psychiatrie keine Ware

Der Verkauf habe hingegen sogar noch zu massiven Folgekosten durch Anspruch der neuen Betreiber auf Fördermittel des Landes in Millionenhöhe geführt. Andretta und Schminke: „Vor dem Verkauf wurden die Werte für die Landeskrankenhäuser nicht ermittelt, die vorgeschriebene Wirtschaftlichkeitsuntersuchung wurde nicht durchgeführt.“ Jetzt müssten die Steuerzahler den „Privatisierungswahn von Schwarz-Gelb“ teuer bezahlen.“ Psychiatrie sei aber keine Ware.

Zudem fordern SPD und Grüne im Göttinger Kreistag nunmehr ebenfalls die vollständige Offenlegung der Kaufverträge für die Landeskrankenhäuser. „Unter Wahrung schutzwürdiger Interessen sollen dabei insbesondere Kaufauflagen, die Personalbestand und -stärke betreffen, offengelegt werden“ heißt es in einer Fassung der Resolution, die am heutigen Mittwoch im Kreistag um 15 Uhr im Neuen Rathaus in Göttingen beschlossen werden soll.

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Nachdem sich vor allem Pflegekräfte, anderes Personal, Gewerkschafter und Patienten über angebliche Missstände in den Göttinger Asklepios-Kliniken geäußert haben (Tageblatt berichtete), meldet sich jetzt die Ärzteschaft zu Wort. In einem offenem Brief wenden sich die ärztlichen Assistenten an die Öffentlichkeit, „um der aktuellen Entwicklung im Gesundheitssystem entgegen zu wirken“.

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