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Göttingen Göttingen lässt Pflaster der Innenstadt mit Spezialmaschine reinigen
Die Region Göttingen Göttingen lässt Pflaster der Innenstadt mit Spezialmaschine reinigen
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00:18 29.07.2013
Von Ulrich Schubert
Sondereinsatz: Mit einem speziellen Vorsatz und einer besonderen Seife schrubbt die Stadtreinigung nachts das neue, aber schon dreckige Pflaster in der Weender Straße. Quelle: Vetter
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Göttingen

Eine Schande für die Stadt, sagen Passanten. Ein viel zu empfindlicher Stein, beschweren sich Geschäftsleute in der Weender. Nur ein vorübergehender Zustand durch Bauschmutz, weil am Markt und Kornmarkt noch kräftig fürs neue Pflaster gearbeitet wird, sagt die Stadtverwaltung.

Trotzdem hat sie die Stadtreinigung jetzt mit einer Spezialreinigung beauftragt. Sie soll ausbaden, wofür sie gar nichts kann.  Denn bei der Auswahl der Steine wurden die Göttinger Entsorgungsbetriebe außen vor gelassen. Mit den herkömmlichen Kehrmaschinen aber werden sie nicht sauber.

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Es zerrt an den Nerven. Ununterbrochen dringt dieses fiese Geräusch, das irgendwo zwischen Kreissäge, Hochdruckreiniger und Riesenstaubsauger angesiedelt ist, tief ins Ohr.  Und das mitten in der Nacht. Ab 22.30 Uhr haben Mitarbeiter der Göttinger Stadtreinigung am Donnerstag das neue Pflaster in Göttingens Fußgängerzone gereinigt – bis etwa 4 Uhr. Eine Spezialreinigung mit einer besonderen Maschine. Es war ein Testlauf, mit dessen Ergebnis die Stadt erst einmal zufrieden ist.

Das Plaster zieht den Dreck an

Ob die Sonderreinigung neben der täglichen Straßenreinigung in der Weender wiederholt wird, ist noch unklar. Klar ist aber, dass das neue Pflaster empfindlich ist und klebrigen Dreck geradezu anzieht. Klar ist damit auch, dass die Stadt zwar ein schönes neuen Pflaster hat, aber auch neue Probleme: Wie soll es dauerhaft sauber gehalten werden? Und wer soll die Einsätze mit Spezialgerät bezahlen?

Die übliche Reinigung mit Kehrmaschinen ist über die Straßenreinigungsgebühr abgedeckt, nicht aber Spezialeinsätze. Auch den Probelauf muss das Tiefbauamt zahlen.

Wie viel er kosten wird, war am Freitag noch unbekannt. Drei Mitarbeiter waren die ganze Nacht mit zwei Kehrmaschinen und einem Kleinunimog im Einsatz. Bis zu fünfmal sind sie mit dem Sonderfahrzeug und einer normalen Kehrmaschine mit Hochdruckwasser die Weender zwischen Nabel und Markt Meter für Meter abgefahren. Zunächst wurde ein spezieller Flüssigreiniger aufgetragen – „ungiftig und biologisch abbaubar“, versichert Einsatzleiter Wolfgang Lindner.

Die Seitenstraßen sind schon lange fertig, inzwischen nimmt auch die Weender Straße als zentrale Ader der Göttinger Fußgängerzone erkennbar ihre neue Gestalt an. Die meisten finden das neue Granitpflaster auch schick. Aber schon jetzt beklagen viele, dass es schnell schmutzig und hässlich aussieht. Eine Schande für die Stadt, sagen Passanten. Ein viel zu empfindlicher Stein, beschweren sich Geschäftsleute in der Weender. Nur ein vorübergehender Zustand durch Bauschmutz, weil am Markt und Kornmarkt noch kräftig fürs neue Pflaster gearbeitet wird, sagt die Stadtverwaltung. Trotzdem hat sie die Stadtreinigung jetzt mit einer Spezialreinigung beauftragt. Sie soll ausbaden, wofür sie gar nichts kann.  Denn bei der Auswahl der Steine wurden die Göttinger Entsorgungsbetriebe außen vor gelassen. Mit den herkömmlichen Kehrmaschinen aber werden sie nicht sauber.

Dann wurde gebürstet und nachgespült. „Nur Kaugummis kriegen wir damit nicht weg“, sagt Straßenreiniger Sergej Sidorenko. An den Rändern oder um Laternen und Sitzgruppen wurde die Lösung per Hand aufgesprüht und dann nachgebürstet. Das besondere „Schrubbdeck“ mit Sprühvorrichtung und anderen Bürsten hatten die Entsorgungsbetriebe im vergangenen Jahr eigentlich für die Beseitigung von Öl gekauft und vorne an eine alte Kehrmaschine montiert.  

„Die Steine sind ja schön, aber trotzdem eine Katastrophe“, sagt Michael Hertel, Leiter der Nordsee-Filiale, „zu offenporig, schnell dreckig und schwer sauber zu kriegen.“ Inzwischen habe er unter den Außentischen des Fischladens Teppiche ausgelegt. Auch Heiko Schöll von der Fleischerei Wulff gegenüber findet die ausgewählten Steine “klasse“.

Aber „offenbar hat man nicht bedacht, dass ein rauer und damit rutschsicherer Naturstein empfindlich und schwerer zu reinigen ist“, sagt er. Die Stadt bemühe sich zwar sehr, das Problem in den Griff zu kriegen. Unabhängig davon reinige Wulff aber auch regelmäßig selber intensiv.  

„Dunkler, glatter und damit unempfindlicher gegen Schmutz ist“

Als im vergangenen Jahr verschiedene  Steinvarianten am Rathaus aufgelegt waren, hatten sich Rat und Verwaltung für diese entschieden, weil der Granit  „dunkler, glatter und damit unempfindlicher gegen Schmutz ist“, hieß es damals zur Begründung. Das haut offenbar nicht so richtig hin, auch wenn Göttingens Pressesprecher Detlef Johannson dafür neben Bautätigkeiten den ausbleibenden kräftigen Regen für eine „natürliche“ Reinigung mit verantwortlich macht.

Der ganze Ärger hätte sich vielleicht vermeiden lassen, wenn die Planer im Bauamt die Experten gefragt hätten. Denn die Entsorgungsbetriebe wurden bei der Steine-Auswahl „außen vor gelassen“ beziehungsweise „nicht wirklich“ beteiligt, bestätigt ihr kaufmännischer Geschäftführer Dirk Brandenburg. Sie hätten aber darauf hingewiesen, dass helle Steine auch empfindlicher seien.

Zumindest war die Testreinigung aus Verwaltungssicht erfolgreich. „Entsprechend planen wir für die Zukunft weiter“, so Johannson. Künftig werde aber nicht wieder nachts geschruppt. Damit reagiert er auf die Beschwerde von Anwohner Enno Menssen wegen des nervenzerrenden Lärms des neuen Schrubbdecks zur Schlafenszeit.