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Göttingen Anwohner verärgert über provisorischen MPI-Neubau
Die Region Göttingen Anwohner verärgert über provisorischen MPI-Neubau
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07:00 26.11.2019
Auf dem Gelände des Max-Planck-Instituts im Hermann-Föge-Weg entsteht ein provisorisches dreigeschossiges Büro-Gebäude. Quelle: Scharf
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Göttingen

Der Hermann-Föge-Weg gilt als eine der vornehmen Adressen in der Stadt. Gründerzeit-Villen stehen auf großzügig geschnittenen Grundstücken, große gepflegte Gartenflächen mit alten Bäumen umgeben die Gebäude. Wer hier wohnt, legt Wert auf ästhetisches Wohnen und auf gute Nachbarschaft. Die gab es hier auch bis vor Kurzem. Doch ein Bauwerk sorgt derzeit für böses Blut in der idyllischen Umgebung.

Auf dem Grundstück des Max-Planck-Instituts zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften (MPI) mit der Hausnummer 12 entsteht derzeit ein modulares Bürogebäude: 18 Meter breit, 13 Meter lang, drei Geschosse. Hier sollen die Mitarbeiter vorübergehend unterkommen, die ihre Büros bisher auf der gegenüberliegenden Straßenseite in Haus Nummer 11 hatten. Das musste zum Teil geschlossen werden, da es die städtischen Brandschutzauflagen nicht mehr erfüllte.

Ärger um Neubau im Hermann-Föge-Weg

„Völlig andere Maßstäbe“

Für Nachbarin Ulrike Wagner-Metz ist der graue Kasten, der derzeit vor ihrem Wohnzimmerfenster in den Himmel wächst, ein großes Ärgernis. „Das zerstört die Ansicht der ganzen Straße“, sagt die frisch pensionierte Lehrerin. Aktuell sind erst zwei Stockwerke aufgebaut. Aber schon jetzt ist der Blick in Richtung Süden für sie verbaut. Bei voller Höhe von über zehn Metern stehe zu befürchten, dass man im Nachbarhaus kaum noch Sonnenlicht abbekomme, sagt sie.

Was Wagner-Metz und schon jetzt mehr als 20 Unterzeichnern einer Unterschriftensammlung aber noch mehr gegen den Strich geht, ist die Tatsache, dass hier ein denkmalgeschütztes Ensemble optisch beschädigt wird – und das offenbar mit Genehmigung der Stadt. Während in der Vergangenheit selbst der Bau eines kleinen Gartenhäuschens auf ihrem Grundstück nur unter Auflagen genehmigungsfähig war, werde hier jetzt mit völlig anderen Maßstäben gemessen.

Gebäude muss 2025 wieder verschwinden

Dabei hatte alles so harmlos ausgesehen. Ende Oktober flatterte ein Schreiben des Instituts in die Briefkästen der Nachbarschaft. Man bat um Verständnis für bevorstehende Bauarbeiten und kündigte ein modulares Bürogebäude an, das temporär auf dem Grundstück entstehen werde. „Wir haben das erst gar nicht richtig zur Kenntnis genommen. Wir dachten, das kommt auf den Parkplatz.“ Erst nachdem die Pensionärin Einsicht in die Baupläne genommen hatte, erschloss sich ihr das räumliche und zeitliche Ausmaß der Maßnahme. Wie auch ihr Nachbar übergab sie die Angelegenheit einem Anwalt, der umgehend in ihrem Namen Einspruch gegen die Baugenehmigung einlegte.

Die Stadtverwaltung bestätigt gegenüber dem Tageblatt die Genehmigung des Bauantrags. Die Maßnahme sei mit der Unteren Denkmalschutzbehörde abgestimmt und für unproblematisch erachtet worden, solange das Denkmal weiterhin von der Straße aus zu sehen sei, und der Bürokomplex vor Ablauf der Genehmigung am 8. November 2025 wieder verschwinde. Mit Blick auf die Interessen der Nachbarschaft sagt Stadtsprecher Dominik Kimyon: Deren Belange seien nicht tangiert, die vorgeschriebenen Abstände würden eingehalten. Die juristischen Einsprüche hätten keine aufschiebende Wirkung auf dem Bau.

Unter Zeitdruck um Alternativen bemüht

Entsprechend werden am Mittwoch die Container für die dritte Etage geliefert, verrät Anja Hasebrink, Verwaltungsleiterin des Instituts. Sie erklärt auch noch einmal den Grund für die umstrittene Maßnahme: Ein Bereich des Gebäudes im Hermann-Föge-Weg 11, gegenüber der Villa, sei wegen gravierender Brandschutzmängel für das MPI von einem Tag auf den anderen quasi nicht mehr nutzbar gewesen. Als Alternativen hätten eine Totalsanierung bei laufendem Betrieb oder der Auszug im Raum gestanden. Daraufhin habe man sich unter Zeitdruck um alternative Standorte bemüht. „Wir haben als Arbeitgeber ja auch Verantwortung für die Mitarbeiter“, so Hasebrink.

Die Verwaltung sei daraufhin im Gästehaus in der Bunsenstraße untergekommen. Für die Wissenschaftler habe man sich für die Bürocontainer im Vorgarten der Villa entschieden. Nicht zuletzt, um dem wissenschaftlichen Betrieb nicht durch weite Wege zu erschweren. „Uns ist bewusst, dass wir es hier mit einem Provisorium zu tun haben“, betont die Verwaltungsleiterin. Die jetzige Situation sei sicher nichts, was man sich gewünscht hätte. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass eine Lösung gefunden wird.“

Vorgarten wird hergerichtet

An die Adresse an die Nachbarn schickt Hasebrink hinterher, man versuche die Beeinträchtigung so gering wie möglich zu halten. Auch werde man das Äußere so ansprechend wie möglich gestalten. Im Frühjahr soll zudem der Vorgarten wieder hergerichtet werden. Für Wagner-Metz ändert das allerdings wenig daran, dass sie nur noch ungern aus dem Wohnzimmerfenster blickt. „Ich bin wirklich kein Nörgler“, sagt sie, „aber ich habe schon jetzt keine Lust mehr hier zu wohnen.“

Von Markus Scharf

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