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Göttingen Aktion „Mundschutz für Göttingen“ – Helfer gesucht
Die Region Göttingen Aktion „Mundschutz für Göttingen“ – Helfer gesucht
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16:25 29.03.2020
Landfrauen aus dem Landkreis Göttingen nähen unter anderem Mundschutze für Pflegeeinrichtungen. Quelle: r
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Landkreis Göttingen

Viele Menschen in der Region wollen in Zeiten der Krise nicht untätig zu Hause sitzen. Da Mundschutze Mangelware geworden sind, setzen sich zahlreiche Hilfsbereite an die heimische Nähmaschine und engagieren sich ehrenamtlich.

Das Tageblatt hat eine Übersicht erstellt, wo sich Göttinger für das Wohl ihrer Mitmenschen einsetzen – und wo sich Menschen, die auch gerne helfen wollen, anschließen können (ohne Anspruch auf Vollständigkeit).

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„Aktion Mundschutz – Landfrauen helfen“

Etwa 20 Frauen aus dem Kreisverband „Landfrauen Göttingen und Adelebsen“ sitzen an diesen Tagen daheim an ihren Nähmaschinen. „Die Idee für die ,Aktion Mundschutz’ kam am Montag von der Zentrale unseres Verbands in Hannover“, erklärt Inke Teuteberg, Vorsitzende des Kreisverbandes Göttingen. In einer E-Mail wurden die Landfrauen dazu aufgerufen, sich an der Aktion zu beteiligen. „Angehängt an die Nachricht war auch ein Schnittmuster. Und schon haben unsere Damen losgelegt!“, sagt Teuteberg.

Der Göttinger Landfrauen-Kreisverband engagiert sich in Corona-Zeiten. Quelle: r

Die Frauen nähen Behelfs-Mund-Nasen-Schutze. Dabei werden keine medizinischen Mundschutze hergestellt, sondern solche, die im Pflege- und Privatbereich zum Einsatz kommen können. „Wir haben inzwischen einen Abnehmer gefunden“, berichtet Teuteberg. Die Göttinger Landfrauen beliefern die Diakonie Christophorus. „In der Diakonie brauchen sie schließlich täglich den Mundschutz – und unsere Exemplare sind auf 60 Grad waschbar“, so Teuteberg.

Initiative „Mundschutz für Göttingen

Bernhard Lauer, Rentner in Settmarshausen, hat in der vergangenen Woche zusammen mit Martina Schulte die Initiative „Mundschutz für Göttingen“ ins Leben gerufen. Diese befasst sich mit der Koordination der gleichnamigen Facebookgruppe. „Da nur meine Lebensgefährtin Frau Schulte nähen kann, wollte ich mich in der Organisation engagieren“ erklärt Lauer.

Die Helfer der „Aktion Mundschutz“ nähen die dringend benötigten Mundschutze selber – in allen möglichen Farben und Mustern. Quelle: r

Auf den Hilfeaufruf der Initiatoren meldeten sich schnell viele Wohltäter. Die Planung über Facebook, aber auch Whatsapp, wurde dabei zu kompliziert. „Wir brauchen immer noch dringend helfende Hände. Jeder, der uns unterstützen will, kann uns eine E-Mail schreiben an initiative-mundschutz@email.de“, sagt Schulte.

Dringend bräuchten sie Material- oder Geldspenden, engagierte Näherinnen oder Fahrer, die die Stoffe oder Mundschutze anliefern. Zahlreiche Altenheime bestätigten den Initiatoren bereits eine große Nachfrage. „Etwa 29 Näherinnen konnten wir bereits erreichen. Rund 450 Mundschutze fertigten wir in der Gemeinschaft bis jetzt an“, sagt Lauer. Das Deutsche Rote Kreuz sichere den Initiatoren Unterstützung zu, genau so wie das Unternehmen „tedox“ aus Harste.

Herr Schrage von „tedox“ und Herr Comte vom DRK Kreisverband Göttingen-Northeim unterstützen die Aktion „Mundschutz für Göttingen“. Quelle: r

Freiwillige Näher in Gleichen und Holzerode

Der Ortsverband „Obere Garte Gleichen“ des Sozialverbands Deutschland engagiert sich außerdem, Einrichtungen mit Mundschutzen zu versorgen: Sie spenden Stoff und nähen unter anderem für die Caritas Göttingen-Gleichen, die Arztpraxis Dr. Hoffmann und Ayub in Rittmarshausen und die Praxis Beulshausen in Sattenhausen. Rainer Uthmann, Kinder- und Jugendreferent der Samtgemeinde Radolfshausen, näht zudem mit vier ehrenamtlichen Frauen Schutzmasken für das Altenwohn- und Pflegeheim in Holzerode.

Mangel in Göttinger Werkstätten

Einen Bedarf an Schutzmasken haben beispielsweise die Göttinger Werkstätten vermerkt, eine Einrichtung für betreutes Wohnen. „Mundschutze werden dringend in unseren Wohneinrichtungen benötigt, um die 300 Bewohner und unsere Mitarbeitenden damit zu schützen“, heißt es vonseiten der Werkstätten. Sie freuten sich über jedes Einzelstück, das gespendet wird. Abgegeben werden können sie über eine Kontaktlosbox im Elliehäuser Weg 20. Fragen beantworten die Mitarbeiter unter der Nummer 0551/50650.

Landkreis Göttingen ruft zum Nähen auf

Auch der Landkreis Göttingen beteiligt sich. Initiativen wie die Herstellung selbstgenähter Stoffschutzmasken seien derzeit eine wichtige Ergänzung bei der Versorgung mit dringend benötigtem Material, teilt Sprecher Ulrich Lottmann mit. Deshalb ruft der Landkreis dazu auf, waschbaren Mund-Nasenschutz zu nähen. Dabei sollte Baumwollstoff verwendet werden, der mit 95 Grad Celsius gewaschen werden kann. Die fertigen Exemplare können in den Rathäusern und Gemeindeverwaltungen der Städte und Gemeinden des Landkreises abgegeben werden.

Warum Mundschutze nähen?

Landesweit wird den Menschen davon abgeraten, einen Mundschutz zu kaufen, sollten sie ihn nicht zwingend benötigen. Bei Pflegediensten und niedergelassenen Ärzten werden die Mundschutze nämlich knapp. Damit vor allem ältere Patienten sowie Pflegebedürftige geschützt werden, sollten Pflegekräfte einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Dieser kann das Risiko der Übertragung des Coronavirus reduzieren, da er die Verteilung von Tröpfchen verhindert, die beim Sprechen, Husten oder Niesen entstehen.

Da Mund-Nasen-Schutz derzeit kaum erhältlich ist und sehr einfach selbst eine Alternative hergestellt werden kann, stellten unter anderem der Deutsche Hausärzteverband - Landesverband Niedersachsen und die Stadt Essen einfache Anleitungen zum Selbernähen eines Behelfs-Mund-Nasen-Schutz zur Verfügung. Auf der folgenden Internetseite kann die Anleitung heruntergeladen werden: https://www.essen.de/gesundheit/coronavirus_6.de.html

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Sie erreichen die Autorin per E-Mail an: lokales@goettinger-tageblatt.de

Von Anja Semonjek