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Göttingen „Alles gegeben“ für Ersatzteil aus Eriwan
Die Region Göttingen „Alles gegeben“ für Ersatzteil aus Eriwan
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18:19 20.07.2009
„Uhren muss man auch tragen“: Mario Henne mit seiner Lieblingsuhr, einer Alpina.
„Uhren muss man auch tragen“: Mario Henne mit seiner Lieblingsuhr, einer Alpina. Quelle: Mischke
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„Böse Menschen behaupten, bei mir tickt es nicht richtig“, lacht Henne und ergänzt: „Schreiben sie das bloß nicht“. Allerdings bekommt der Uhrensammler tatsächlich immer wieder Exponate angeboten, die er mit Fingerspitzengefühl und Routine wieder in Gang zu bringen versucht. Und das ist mitunter ganz schön aufwendig. Gerade bei älteren Uhren sei es nämlich schwierig, ein Ersatzteil zu beschaffen.

Kürzlich erst bekam er Postaus Armenien, von einem Uhrmacher in Eriwan. Inhalt: eine Winkelhebelsperrfeder. „Dafür hätte ich alles gegeben.“ Drei Jahre lang habe er recherchiert, denn es handele sich um ein Ersatzteil, „das man sonst nicht mehr bekommt.“ Der Aufwand habe sich auf jeden Fall gelohnt, ist der 47-Jährige überzeugt, denn das wenige Millimeter große Teil soll das Valyoux-72-Werk eines Hoyer-Chronografen wieder zum Laufen bringen. „Das Werk ist nur in hochwertigen Uhren verbaut worden“, erklärt er.

Den Mündener, der als Ergotherapeut in Kassel arbeitet, fasziniert vor allem die Technik der Uhren und nicht etwa die Schönheit des Gehäuses. Und so begeistert er sich zum Beispiel für eine Alpina mit Edelstahlgehäuse aus den 60er Jahren. Das gute Stück werde von einer Hammerautomatik angetrieben, schwärmt er von seiner Lieblingsuhr. Die Uhr hat darüber hinaus ein mit Rotgold bezogenes Uhrwerk aus Kupfer. Das sehe zwar keiner, aber „sowas macht man aus Liebe zur Arbeit“, sagt Henne – „etwa so, als würde man den Motor seines Autos verchromen“, vergleicht er.

Die Alpina habe er von einer älteren Frau gekauft, deren Mann verstorben ist. „Sie wollte die Uhr schon wegschmeißen“, schüttelt der Sammler den Kopf und freut sich, dass die Dame eine seiner Kleinanzeigen gelesen hatte, über die er schon viele Stücke für seine Sammlung bekommen hat.

„In die Hand nehmen“

Auch auf Uhrenbörsen werde er fündig, berichtet der 47-Jährige. Von Flohmärkten und Internetkäufen hält er dagegen nichts. „Die Uhren sind oft schon durch zig Hände gegangen, und es wurde von Laien schon zu viel an ihnen herumgeschraubt“, begründet er seine Skepsis. Bei Exemplaren, die im Internet angeboten würden, handle es sich oftmals nicht um Originalteile. „Eine Uhr muss man in die Hand nehmen können“, ergänzt er. Er kaufe am liebsten Uhren, „die eine Geschichte haben“.

So auch das wertvollste Exemplar aus Hennes Sammlung: Vor sechs oder sieben Jahren erwarb er eine Urofa 59 aus einer Haushaltsauflösung. Da der Chronograf aus der berühmten Uhrenschmiede im sächsischen Glashütte „in sehr desolatem Zustand“ war, so der Mündener, habe der Verkäufer „gar nicht gewusst, was er da hat.“ Von diesen in den Jahren 1941 bis 1945 hergestellten Werken gebe es nur wenige.

Eine Besonderheit in Hennes Safe ist eine Zenith-Uhr mit einem El-Primero-Werk. „Das schafft 36500 Halbschwingungen pro Stunde“, erklärt er das Wunder der Technik. „Eine normale Uhr macht zwischen 17000 und 28000“. Erhalten hat der Mündener das Prachtstück von einer Landwirtsfamilie aus dem hessischen Eschwege, die die Uhr einst geschenkt bekam.

„Ein bisschen auf Jagd zu sein“

„Sammeln heißt, ein bisschen auf der Jagd zu sein“, fasst Henne zusammen. Und Beute hat der 47-Jährige bereits reichlich gemacht. Wertvolle Zeitmesser habe er „im zählbaren Bereich“, sagt er, „die nicht so hochwertigen kistenweise“. Tauschen würde er seine Sammlerstücke eher nicht. „Ich trenne mich nur ungern“, begründet er dies. Aber er trägt seine Uhren – „auch die ganz wertvollen, denn eine Uhr sollte auch einmal laufen.“ Henne schiebt den Hemdsärmel hoch: „Es kommt auch schon mal vor, dass ich zwei Uhren anhabe.“

Für seine Sammlung gebe er einiges auf, gesteht er. „Ich spare mir das Geld auch zusammen.“ Auf die Frage, was seine Frau von seinem Hobby hält, antwortet er schmunzelnd: „Sie hätte es schlimmer erwischen können. Ich hätte ja auch Briefmarken oder Münzen sammeln können.“ Wenigstens tickt es bei ihm richtig…

Von Britta Eichner-Ramm

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