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Göttingen Im Einsatz für das Schaf: Strobel, Fuchs und Co
Die Region Göttingen Im Einsatz für das Schaf: Strobel, Fuchs und Co
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18:15 01.08.2018
Mitteldeutsche Gelbbacke im Einsatz: Boris zeigt, was er kann. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

Im Landkreis Göttingen gibt es nur noch einige wenige Schäfer. Der einzige, der mit seiner Herde noch umherzieht, ist Bernd Bodmann aus Seeburg. Für seinen Beruf sind vierbeinige Helfer unerlässlich. Auch auf Bodmanns Schafe passen Altdeutsche Hütehunde auf.

Alte Hütehunderassen

Für die Erhaltung der Landschaften in Südniedersachsen sind Schafe eigentlich unverzichtbar. Aber es gibt immer weniger Landwirte, die Schafe halten, geschweige denn, sie umherziehen lassen. Die Nachfrage nach Lammfleisch ist in Deutschland nicht besonders groß, die nach Wolle noch geringer. „Viel Geld bringt die Schafhaltung nicht ein”, sagt Ute Grothey vom Landschaftspflegeverband in Göttingen. Gerade für die Erhaltung der artenreichen Magerrasen-Vegetation auf den Hochflächen des Leinetals aber seien Schafe enorm wichtig, der Beitrag der wenigen Schäfer im Landkreis unverzichtbar. Da sei eine gehörige Portion Idealismus im Spiel. Aber: „Wir versuchen, die Tradition aufrecht zu erhalten”, sagt sie. Vor allem die Lammfleisch-Vermarktung in der Region müsse ausgebaut werden.

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Schafe kommen mit Hitze gut klar

Bodmann war am Mittwoch mit seinen rund 500 Mutterschafen im Raum Duderstadt unterwegs, unterhalb von Breitenberg zog er mit seiner Herde in Richtung grünes Band und Thüringen. Trotz der Trockenheit finden seine Tiere derzeit noch genügend Futter. Bei der Dürre hätten die Tiere aber einen „enormen Wasserbedarf”. Das Futter hingegen sein kaum Problem, die trockenen Pflanzen seien ja quasi „Heu am Stiel”. Auch die Hitze machen den Schafen nichts aus, „Schafe sind sehr hitzeresistent”, sagt der Berufsschäfer. Denn: Die beste Wolle, die komme nicht aus dem Norden, sondern aus südlichen Ländern wie Spanien.

Strobel haben lange Beine

Bodmann setzt bei seiner Arbeit Altdeutsche Hütehunde, darunter Füchse, Strobel und Gelbbacken, ein. Das seien keine eigenständigen Rassen, sondern sogenannte „Schläge“. Die alten Hütehunderassen sind oft ihren ursprünglichen Herkunftsregionen angepasst. „Die Strobel beispielsweise sind eher in Süddeutschland verbreitet. Sie haben längere Beine und damit eine größere Schrittlänge. Ein Vorteil im bergigen Süden der Republik“, erklärt der Eichsfelder Schäfer.

Zuchtziele: Wesen und Hütetrieb

Dafür, dass die alten Hütehunderassen erhalten bleiben, setzt sich die Arbeitsgemeinschaft zur Zucht Altdeutscher Hütehunde (AAH) ein. Sie ist ein Zusammenschluss von Schäfern, Schafhaltern und Privatleuten, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Zucht und Haltung der zum Teil vom Aussterben bedrohten Hütehundschläge zu fördern. Dabei, so erklärt es die Vorsitzende des Landesverbandes, Susanne Zander, gehe es nicht primär darum, „dass alle Tiere genau gleich große Ohren haben”. Entscheidend für diese Hundezüchter sei das Verhalten der Hunde. Denn das Hüten sei ja ihre Aufgabe. „Wir sind kein Schönheitsverein”, sagt Zander. „Wesen und Hütetrieb sind wesentliche Zuchtziele”, sagt die Vorsitzende. Anderes als bei klassischen Rasse-Zuchtvereinen, sei es bei den Hütenhunden kein K.O-Kriterium, wenn mal eine Pfote nicht so stehe wie die andere. Im Mittelpunkt stehe der Charakter des Tieres.

Diese Hunde fordern einen schon heraus”,

Die Hütehunde allerdings sind keine niedlichen Familienhunde. „Die gehören ans Vieh”, sagt Zander. Und: Den Respekt und den Gehorsam der Hütehunde müsse man sich erarbeiten. „Diese Hunde fordern einen schon heraus”, sagt die Biologin und Halterin einer Gelbbacke.

Widerstandsfähige Hunde züchten

Die AAH hat nicht nur am vergangenen Wochenende den Hütewettbewerb am Gut Herbigshagen organisiert, auch beim vom Landschaftspflegeverband organisierten Schäferfest auf das Rittergut Klein Schneen waren und sind sie stets mit einem Informationsstand und Hunden der unterschiedlichen Schläge vertreten. „In Niedersachsen werden vor allem Altdeutsche Schwarze, Füchse, Gelbbacken, Schafpudel, Strobel und Westerwälder Kuhhunde gehalten und gezüchtet”, so Zander. Ein besonderes Anliegen der AAH ist es, gesunde und widerstandsfähige Hunde zu züchten. „Wir wollen die alten Blutlinien erhalten.”

Von Britta Bielefeld